Diese Strecke legte die Stockente aus Lich in zwei Tagen zurück.

Von Lich ins tiefste Russland in nur zwei Tagen: Was klingt wie ein draufgängerischer Roadtrip, ist der Flug einer Ente aus Mittelhessen. Forscher der Uni Gießen sprechen von einem Rekord.

Wer Wikipedia bemüht, um mehr über die gemeine Stockente, ihre bevorzugten Habitate oder Balzgewohnheiten zu erfahren, lernt schnell: Bei der am häufigsten vorkommenden Schwimmente Europas handelt es sich um eine ziemlich uneitle Spezies. Sowohl bei der Wahl ihrer Brutplätze als auch ihrer Aufenthaltsorte sei die Stockente "wenig anspruchsvoll, sofern irgendeine Art von Gewässer vorhanden ist", heißt es in dem Online-Nachschlagewerk.

Mehr als nur ungewöhnlich erscheint vor diesem Hintergrund das Bewegungsprofil einer speziellen Stockente, die ihren Winter zwischen Lich und Grünberg (Gießen) verbracht hatte.

Zum Brüten suchte sich die eitle Ente nämlich nicht irgendeinen x-beliebigen See in Mittelhessen, sondern legte dafür nun eine Strecke von rund 2.250 Kilometern zurück: von den Licher Wirtswiesen in die zentralrussische Tiefebene, an einen See in der Oblast Jaroslawl, 300 Kilometer nördlich von Moskau. Von wegen wenig anspruchsvoll.

Mit 125 km/h über die Ostsee

Den Trip legte die Ente innerhalb von nur zwei Tagen zurück, wie die Uni Gießen berichtete. Wissenschaftler hatten das Tier im Rahmen eines Forschungsprojekts mit einem Peilsender ausgestattet, um seine Bewegungen zu verfolgen und verkündeten am Mittwoch den Rekordflug der Ente nach Russland.

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2 Tage und 3 Stunden für die Strecke von Lich nach Russland – hier in nur wenigen Sekunden.
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Die Daten des Trips lesen sich demnach so: Die Ente benötigte für die Strecke von etwa 2.250 Kilometern genau zwei Tage und drei Stunden. "Dabei flog die Ente während der Ostseequerung mit rekordverdächtigen 125 Kilometern pro Stunde", so die Forscher. Ihre höchste Flughöhe habe sie mit 780 Metern bereits beim Überflug des Harzes erreicht.

Forscher vermuteten erst eine Datenpanne

Zwischenzeitlich hatten die Forscher befürchtet, der solarbetriebene Peilsender könnte seinen Geist aufgegeben haben, weil regelmäßige Datenlieferungen ausgeblieben waren. Umso überraschter zeigte sich Gruppenleiter Johannes Lang, als Anfang Mai die Informationen übermittelt wurden.

Mit dem Forschungsprojekt wollen die Wildbiologen der Uni herausfinden, wie hoch der Anteil von Enten ist, die nicht hierzulande brüten, sondern Hessen nur als Winterdomizil nutzen. Damit sollen die Jagd der Stockenten kontrolliert und Maßnahmen zu ihrem Schutz eingeleitet werden.

Weshalb die eitle Licher Ente gleich so weit flüchten musste, blieb unbekannt. Für Nachfragen waren die beeindruckten Forscher zunächst nicht zu erreichen.