Aufgeschütteter Sand: Die Einsatzstelle wurde am nächsten Morgen zum Spielplatz.

Alles musste sehr schnell gehen - aber es lief glatt: Nach der gezielten Sprengung einer Weltkriegsbombe im Frankfurter Nordend herrscht große Erleichterung. Anwohner freuten sich am Morgen über den zurückgebliebenen Riesensandkasten mit Krater.

Videobeitrag

Video

zum Video Weltkriegsbombe in Frankfurt gesprengt

hs
Ende des Videobeitrags

Innerhalb eines halben Tages mussten die Stadt Frankfurt, das Regierungspräsidium Darmstadt mit dem Kampfmittelräumdienst, Polizei und Feuerwehr am Mittwoch eine der größten Evakuierungen in der jüngsten Zeit organisieren und umsetzen. 25.000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen.

Am Mittag waren in der Schwarzburgstraße im Nordend Bauarbeiter auf eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gestoßen. Eine Entschärfung wäre zu gefährlich gewesen - daher wurde der 500 Kilo schwere Sprengkörper kurz nach Mitternacht gesprengt und hinterließ ein drei Meter tiefes Loch mit einem Durchmesser von zehn Metern. Viereinhalb Kilogramm Sprengstoff waren für die kontrollierte Sprengung zuvor an die Bombe angebracht worden.

Videobeitrag

Video

zum Video Keine Schäden nach kontrollierter Bombensprengung

Krater
Ende des Videobeitrags

Sperrungen 30 Minuten nach Explosion aufgehoben

Gegen 23 Uhr teilte die Polizei mit, dass nur noch wenige der insgesamt 200 nötigen Liegend- und Sitzendtransporte durchgeführt würden, 99 Prozent des Gebiets seien geräumt. Nach Mitternacht ging es dann mit der Sprengung ganz schnell.

Feuerwehreinsatz am Bunker

Das war auch nötig, denn die Zeit drängte, wie ein Feuerwehrsprecher vor Ort erklärte. Der Zünder war offenkundig beschädigt, daher bestand akute Explosionsgefahr. "Das ist diesmal anders als bei anderen Bomben", sagte er. Ein Entfernen des Zünders würde die 500-Kilo-Bombe wahrscheinlich zur Explosion bringen. Im direkten Umkreis müsse auch mit Schäden gerechnet werden.

Dieter Schwetzler vom Kampfmittelräumdienst erklärte vor der Sprengung, das Besondere an dieser Bombe sei, dass sie einen Langzeitzünder besitze: "Eine Bombe, die so eine Bezündung besitzt, kann jederzeit zur Wirkung kommen - alleine schon durch Temperaturschwankungen. Das größere Problem ist, dass der Kopf des Zünders abgeschert ist."

Karte, die den Fundort der Bombe zeigt.

Keine Schäden festgestellt

Gut eine halbe Stunde nach der Explosion wurden alle Sperrungen aufgehoben, die rund 25.000 Anwohnerinnen und Anwohner konnten in ihre Wohnungen zurückkehren. Zuvor hatten Polizisten, Baustatiker und Einsatzkräfte der Feuerwehr nach der Sprengung das Umfeld nach Beschädigungen untersucht. Nach Angaben des Kampfmittelräumdienstes aus der Nacht gingen keine Scheiben zu Bruch.

Die Lage vor Ort wurde durch Erkundungseinheiten überprüft. Nach ersten Erkenntnissen sind unmittelbar keine erkennbaren Schäden im Umfeld aufgetreten. Die Absperrungen sind aufgehoben. Wir wünschen einen guten Nachhauseweg. #1905FFM #Frankfurt #Weltkriegsbombe ^am

[zum Tweet mit Bild]

"Daran kann man sehen, dass alles gut funktioniert hat und wir die Sache hervorragend gemacht haben", sagte am Donnerstag Bombenentschärfer Schwetzler erleichtert. Er und das Team waren während der Sprengung etwa zwei Straßen von der Stelle entfernt. Bei einem solchen Einsatz gehöre eine gewisse Anspannung dazu. "Für uns ist es natürlich auch ein Highlight, weil es mitten in der Innenstadt ist, da macht man sich fürchterliche Gedanken, dass alles glimpflich abläuft."

Auch die unterirdischen Gas-, Wasser- und Stromleitungen blieben unbeschädigt, wie der Frankfurter Energieversorger nach einer ersten Prüfung am Donnerstagmorgen mitteilte. Am Vormittag sollte noch eine zweite Begehung der Bombenstelle durch die Einsatzkräfte stattfinden.

Fundstelle wird zum Riesensandkasten

Die Anwohner und Anwohnerinnen freuten sich am Morgen danach jedenfalls über den Riesensandkasten mitten in ihrem Stadtviertel. Kinder und Eltern machten am Donnerstagmorgen Fotos von der Kraterlandschaft und kletterten auf die meterhohen Sandhügel, die von der Sprengung zurückgeblieben waren. Zur Vorbereitung war die Bombe am Mittwoch über Stunden hinweg mit Tonnen von Sand überschüttet worden.

70 Lastwagen mit je 30 Tonnen waren dafür am Mittwoch vorgefahren und hatten ihre Ladung auf die Baustelle am Glauburgbunker gekippt. Die letzte Lieferung mit Sand und Erde wurde gegen 23.30 Uhr aufgeschüttet.

Die angelieferten 2.100 Tonnen Sand sollten die Bombe so beschweren, dass die Druckwelle bei der Sprengung nach unten ins Erdreich abgeleitet wird. Damit sollte das Ausmaß der Schäden in der Umgebung verringert werden. Tatsächlich war die Sprengung des 500-Kilo-Sprengkörpers am Rand der Sperrzone nur als dumpfes Grummeln wie bei einem entfernten Gewitter zu hören.

Ähnlicher Fall in München - Stroh statt Sand

Bombenentschärfer Schwetzler sagte dem hr, man habe die Druckwelle gut nach unten ableiten können, weil unter der Fundstelle der Bombe weder Versorgungsleitungen noch eine U-Bahn-Linie verliefen. Dort, wo sich der drei Meter tiefe Krater auftat, habe zuvor freilich sechs Meter hoch der Sand gelegen.

Bei einer vergleichbaren kontrollierten Sprengung in München wurde eine Bombe mit Stroh zugedeckt - mit dem Ergebnis, dass es sich entzündete und die Umgebung teils ins Brand steckte. Damals gingen sehr viele Fensterscheiben von umliegenden Häusern zu Bruch.

Bildergalerie

Bildergalerie

zur Bildergalerie Ad-hoc-Evakuierung nach Bombenfund in Frankfurt

Ende der Bildergalerie

Mehr als 300 Helferinnen und Helfer im Einsatz

Bewohnerinnen und Bewohner in einem Radius von 700 Metern rund um den Fundort hatten ihre Häuser am Vorabend verlassen müssen. In dem Gefahrenbereich lag auch das Bürgerhospital. Ein Teil des Krankenhauses musste geräumt werden. Patienten wurden dafür in andere Gebäudeteile, einige auch in andere Krankenhäuser verlegt.

Die Evakuierung der Sperrzone war am Nachmittag angelaufen. Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungsdienste forderten die rund 25.000 Bewohnerinnen und Bewohner zum Teil mit Lautsprecherdurchsagen auf, ihre Wohnungen zu verlassen, und informierten über Sammelpunkte. Der größte befand sich in der Eissporthalle in Bornheim. Dort hielten sich gegen Mitternacht rund 600 Menschen auf. Insgesamt waren weit über 300 Helferinnen und Helfer im Einsatz.

Für von Corona betroffene Menschen, die sich in Quarantäne befinden, gab es in der Eissporthalle eine separate Betreuungsstelle. Die Corona-Ausgangssperre, die eigentlich um 22 Uhr beginnt, wurde vorübergehend ausgesetzt. Bis in die Nacht gab es große Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr rund um den Fundort.

Polizeiautos sperren den Alleenring nahe der Fundstelle der Weltkriegsbombe ab

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 20.05.2021, 16.45 Uhr