Bundespräsident Joachim Gauck (2.v.l) nimmt am 29.09.2016 in Babi Jar in Kiew mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko (3.v.r) an einer Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag des deutschen Massenmords an den Kiewer Juden im Tal Babi Jar im Jahre 1941 teil.
Ein Denkmal am Rande der Schluchten des Tals Babi Jar bei Kiew erinnert an die Ermordung der insgesamt 33.771 Juden. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Die Kasseler Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen 96-Jährigen aus dem Schwalm-Eder-Kreis wegen der Beteiligung an einem Massaker im Zweiten Weltkrieg. Bei dem Massaker wurden 33.000 Menschen ermordet.

Es liege ein Anfangsverdacht gegen den Mann aus Nordhessen vor, sagte ein Sprecher der Kasseler Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Der 96-Jährige soll als Angehöriger eines Bataillons der Waffen-SS am Massaker von Babi Jar beteiligt gewesen sein, bei der Tausende in einer Schlucht auf dem Gebiet der ukrainischen Hauptstadt Kiew erschossen wurden.

Am 29. und 30. September 1941 hatten deutsche Besatzer in der heutigen Ukraine fast die ganze zurückgebliebene jüdische Bevölkerung von Kiew ausgelöscht. Mit Hilfe der Wehrmacht ermordeten Männer einer SS-Sondereinheit mehr als 33.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder.

"Wir schauen, ob es noch mehr verfolgbare Beteiligte gibt"

Aufmerksam wurden die Ermittler auf den 96-Jährigen durch ein Schreiben des Simon-Wiesenthal-Centers in Jerusalem. Darin war laut Staatsanwaltschaft gegen den Nordhessen der Vorwurf erhoben worden, er sei Angehöriger der Einsatzgruppen gewesen, die unter anderem für das Massaker verantwortlich sei.

Daraufhin hatte die Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg (Baden-Württemberg) ermittelt. "Wir tragen so viel Material wie möglich zusammen und schauen, ob es noch verfolgbare Beteiligte gibt", sagte Behördenleiter Jens Rommel.

Selbst Anklage erheben könne die Stelle nicht. Wenn eine Tat im Ausland begangen worden sei, sei die Staatsanwalt am Wohnort des Verdächtigen zuständig. Daher wurde der Fall nach Kassel abgegeben. Dort wird nun geprüft, ob der Beschuldigte tatsächlich Angehöriger des SS-Bataillons war und ob sowie in welcher Funktion er an Erschießungen beteiligt war.

Sendung: hr-iNFO, 04.04.2018, 18 Uhr