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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Handyvideo zeigt Polizeigewalt

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In den sozialen Netzwerken sorgt das Video eines Polizeieinsatzes in Frankfurt für Aufregung. Zu erkennen ist, wie eine bereits am Boden fixierte Person von Polizisten getreten wird. Die Polizei äußerte sich nun zu den Hintergründen des Einsatzes und bestätigte Ermittlungen gegen einen Beamten.

Es sind hektische Szenen, die die Handykamera festhält. Alles spielt sich auf wenigen Quadratmetern ab, das Objektiv kann nicht alles gleichzeitig erfassen. Zu erkennen ist ein Körper, der am Boden liegt, die Beine in einer schwarzen Hose sind zu sehen, weiße Turnschuhe und ein rosafarbenes Hemd. Der Kopf der am Boden liegenden Person ist nicht zu erkennen. Zwei Polizisten in dunkler Einsatzmontur sind über den Mann gebeugt, fixieren ihn am Boden. Dann tritt einer der Polizisten, dem Festgenommenen zwei Mal mit voller Wucht in den Rücken.

"Lasst ihn in Ruhe. Bitte lasst ihn in Ruhe", ruft eine Männerstimme, während ein dritter Polizist die Beine des Fixierten verdreht. Mehrere Polizisten schwärmen aus, schubsen Beobachter der Szene weg. Ein Beamter versprüht Pfefferspray. Stöhnen und Schreie sind zu hören. Dann tritt ein blonder Polizist von rechts ins Bild und tritt zu - ungefähr auf der Höhe, auf der sich der Kopf des Festgenommenen befinden müsste. Zwei Kollegen greifen ein, schieben den Treter zur Seite.

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Ende des Videobeitrags

Polizei äußert sich zu Grund des Einsatzes

Seit Montagvormittag kursiert ein Videomitschnitt, der diese Szene zeigt, in den sozialen Netzwerken. Entstanden ist die Aufnahme nach übereinstimmenden Schilderungen von Polizei und der Gruppe "beheardffm", die das Video auf Instagram eingestellt hat, in der Nacht vom 15. auf den 16. August im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen.

Die Polizei veröffentlichte am Montagnachmittag eine Mitteilung zu den Hintergründen des Einsatzes. Demnach hatten die Beamten zuvor einen Platzverweis gegen eine alkoholisierte Gruppe ausgesprochen, zu der auch der später festgenommenen 29-jährige Mann gehörte. Es sei zu diversen Beleidigungen gegen die Polizisten gekommen, der 29-Jährige habe außerdem Beamten ins Gesicht gespuckt.

Polizei: Widerstand musste gebrochen werden

Der Festnahme habe er sich widersetzt, sodass er "zu Boden gebracht wurde und sein Widerstand gebrochen werden musste", wie es in der Mitteilung heißt. Anschließend solle es zu "unzulässiger Gewaltanwendung seitens der Polizeibeamten" gekommen sein. Laut Polizei sei der Einsatzleiter eingeschritten und habe den Vorfall später intern gemeldet.

Gegen den Beamten seien dienstrechtliche Maßnahmen ergriffen und Ermittlungen wegen Körperverletzung im Amt eingeleitet worden. Auch gegen den 29-Jährigen werde ermittelt - wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte.

Linke: Weiterer Hinweis auf "massive Behördenprobleme"

"Eine am Boden liegende und fixierte Person zu treten, ist durch nichts zu rechtfertigen", sagte Hermann Schaus, der innenpolitische Sprecher der Linken im Hessischen Landtag. "Dass bei der Szene nur zwei von etwa 20 der anwesenden Polizeibeamtinnen und – beamten dagegen einschreiten, oder kritisierende Beobachter der Szene angreifen und durch den Einsatz von Pfefferspray zu vertreiben versuchen, macht mich fassungslos."

Schaus forderte Innenminister Peter Beuth (CDU) auf, noch am Donnerstag im Innenausschuss umfassend zu berichten, welche Maßnahmen von ihm eingeleitet wurden. Vor dem Hintergrund der Debatte um strukturellen Behörden-Rassismus und die NSU-2.0-Drohschreiben sei das Video ein weiterer Hinweis auf "massive Behördenprobleme im Bereich des Inneren".

Erinnerungen an George Floyd

Auch für viele Kommentatoren im Netz war das Video ein weiterer Beleg für Polizeigewalt - zumal es sich bei der am Boden liegenden Person um einen Menschen mit Migrationshintergrund handeln soll. "Rechtlich rechtfertigt wirklich nichts den Umstand, dass die Polizisten den bereits am Boden fixierten Betroffenen mit mehreren Knietritten und mit einem gezielten Fußtritt in Richtung des Kopfes malträtieren und zusammentreten", erklärt etwa der Düsseldorfer Anwalt Blaise Francis bei Instagram.

Einige Kommentatoren vergleichen den Vorfall mit dem Erstickungstod des Afroamerikaners George Floyd Ende Mai dieses Jahres in den USA. Floyd war verstorben, nachdem ein Polizist gut acht Minuten lang auf seinem Nacken kniete. Der Vorfall löste wochenlange Proteste in den USA und darüber hinaus aus. Andere Kommentatoren fühlen sich an das unlängst veröffentlichte Video eines Polizeieinsatzes in Düsseldorf erinnert, wo am Wochenende ein Teenager von Polizisten ebenfalls am Boden fixiert wurde, indem ihm ein Beamter das Knie in den Nacken drückte.

Sendung: hr-iNFO, 17.08.2020, 17 Uhr