Eine abwehrende Hand eines Jungen vor seinem Gesicht, das unscharf im Bildhintergrund zu sehen ist.

Ein ehemaliger Lehrer und Rektor von Grundschulen in Ost- und Nordhessen soll Kinder sexuell missbraucht und kinderpornografisches Videomaterial besessen haben. An der Schule in Rotenburg sind bereits Schulpsychologen im Einsatz.

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hs
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Nach einem Hinweis von Behörden aus den USA laufen Ermittlungen gegen einen ehemaligen Rektor von Grundschulen im Werra-Meißner-Kreis und im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Der dringende Tatverdacht bestehe wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen und dem Herstellen sogenannter Kinderpornografie, teilte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mit.

Dabei soll es sich um Videomaterial handeln, wie der Sprecher dem hr bestätigte. Ob der 46-Jährige das Material auch verbreitet hat, könne noch nicht bestätigt werden, da die Ermittlungen am Anfang stehen. Die Staatsanwaltschaft Fulda hat die Ermittlung vor kurzem an die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt abgegeben, da diese für Internetkriminalität zuständig ist.

Seit Mitte Dezember sitze der Mann, der zuletzt in Göttingen (Niedersachsen) lebte, in Untersuchungshaft, so die Generalstaatsanwaltschaft. Zuerst hatte Osthessen-News über die Festnahme berichtet.

Schulamt weiß seit November von ersten Vorwürfen

Die ersten Vorwürfe gegen den ehemaligen Grundschulrektor wurden dem zuständigen Schulamt in Bebra (Hersfeld-Rotenburg) im November bekannt, wie der geschäftsführende Amtsleiter Jürgen Krompholz dem hr mitteilte.

Das Kultusministerium bestätigte dem hr, dass das Schulamt in Bebra und direkt danach das personalführende Referat im Ministerium Ende November zunächst über den Anfangsverdacht informiert worden seien. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft habe darum gebeten, diese Informationen zunächst vertraulich zu behandeln. 

Damals sei man über den Vorwurf des Besitzes von sogenannter Kinderpornografie informiert worden, sagte Krompholz. Dass es auch um den Verdacht des Kindesmissbrauchs gehe, wisse das Schulamt erst seit dem vergangenen Montag. Man sei "erschüttert und bestürzt über die völlig unerwarteten Vorwürfe", so Krompholz.

Mann leitete Kinder- und Jugendchöre

Bisher ist unklar, ob sich der Mann an Kindern aus den Schulen verging, an denen er arbeitete, oder ob die Taten in einem anderen Kontext stattgefunden haben. Der Mann leitete mehrere Kinder- und Jugendchöre und soll Einzelcoachings gegeben haben. Auch die Zahl der betroffenen Kinder ist nicht bekannt. Der Mann hat selbst einen Sohn.

Die Grundschule, die der Beschuldigte zuletzt einige Jahre lang leitete, liegt in Rotenburg an der Fulda. Dort ging der 46-Jährige wegen einer langen Krankheit im Mai 2021 in den vorzeitigen Ruhestand, wie das Schulamt mitteilte.

Zeitraum der Taten unklar

Zuvor hatte der Mann mehrere Jahre lang eine Schule im Werra-Meißner-Kreis geleitet. Vor dieser Zeit habe er in Sontra (Werra-Meißner) als Grundschullehrer gearbeitet, wie die Hessische/Niedersächsische Allgemeine berichtete. Das Schulamt in Bebra ist sowohl für den Werra-Meißner-Kreis als auch für den Kreis Hersfeld-Rotenburg zuständig.

Wie bild.de berichtet, sollen die mutmaßlichen Taten zwischen 2012 und 2015 stattgefunden haben. Die Generalstaatsanwaltschaft gab zu dem betroffenen Zeitraum noch keine Informationen heraus.

Schulpsychologen bereits vor Ort

Das Kultusministerium teilte mit, dass der Schutz der möglichen Betroffenen höchste Priorität habe. Das Schulamt stehe daher in engem Kontakt zu Staatsanwaltschaft und Polizei.

Amtsleiter Krompholz versprach, "alles zu tun", um die Betroffenen zu unterstützen. Schulpsychologen seien bereits in der Schule in Rotenburg, um alles für den Schulstart am Montag vorzubereiten.

Außerdem habe das Schulamt einen Krisenstab gebildet, der unter anderem aus der Amtsleitung, einer juristischen Beratung und dem schulpsychologischen Dienst bestehe. Man habe alle Schulen, an denen der Mann tätig war, informiert und auf die schulpsychologische Unterstützung über ein Beratungstelefon hingewiesen. Den Eltern sei außerdem ein Brief mit Verhaltenstipps geschickt worden.

Landrätin Rathgeber: "Wir alle müssen wachsam sein"

Die Landrätin des Werra-Meißner-Kreises, Nicole Rathgeber, äußerte sich in einer schriftlichen Stellungnahme zu dem Fall. "Die im Raum stehenden Vorwürfe erschrecken auch mich und zeigen, dass wir alle beim Thema Kindesmissbrauch wachsam sein müssen", teilte sie mit.

Da das Staatliche Schulamt die zuständige Schulaufsichtsbehörde sei, habe sie erst durch die Berichterstattung in den Medien von den Ermittlungen erfahren. Sie sei sich sicher, dass das Schul- und Jugendamt dem Verdacht schnell nachgingen und potenzielle Opfer und Eltern unterstützten, sagte Rathgeber. In diesem Zusammenhang spiele auch die Schulsozialarbeit eine wichtige Rolle.

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