Anschlag Hanau

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen zum rassistischen Anschlag von Hanau eingestellt. Tobias R. hatte demnach keine Mitwisser oder Helfer. Ein Anfangsverdacht gegen seinen Vater bestätigte sich nicht.

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Anschlag in Hanau: Ermittlungen eingestellt

hs
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Die Bundesanwaltschaft hat das gegen Unbekannt geführte Ermittlungsverfahren zu dem rassistischen Anschlag von Hanau mit neun Toten eingestellt. Es gebe keine Anhaltspunkte für Mittäter oder Mitwisser des Attentäters Tobias R., teilte die Behörde am Donnerstag in Karlsruhe mit.

Ein Anfangsverdacht gegen seinen Vater habe sich nicht bestätigt. Hinterbliebene der Opfer des Anschlags hatten Anzeige gegen den 73-Jährigen wegen Beihilfe zum Mord und Nichtanzeige geplanter Straftaten vorgeworfen.

Bundesanwaltschaft: Tobias R. war Einzeltäter

Tobias R., der am 19. Februar 2020 in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven erschossen hatte, war damit nach Ansicht der Bundesanwaltschaft ein Einzeltäter. Nach der Tat hatte Tobias R. seine Mutter und dann sich selbst getötet.

Nach Ausschöpfung aller relevanten Ermittlungsansätze hätten sich keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für eine Beteiligung weiterer Personen als Mittäter, Anstifter, Gehilfen oder Mitwisser ergeben, heißt es in der Mitteilung der Bundesanwaltschaft. Insbesondere würden die Ermittlungsergebnisse nicht die Annahme rechtfertigen, dass der Vater von Tobias R. in "einer wie auch immer gearteten strafrechtlich relevanten Weise an dem eigentlichen Anschlagsgeschehen mitgewirkt oder von diesem im Vorfeld gewusst haben könnte".

Schon im November 2020 waren alle Ermittlungsschritte erfolgt, wie die Bundesanwaltschaft am Jahrestag des Anschlags im Februar mitgeteilt hatte. Den Ermittlern waren bis zuletzt jedoch der Frage nachgegangen, ob in das Tatgeschehen nicht noch andere Personen in strafrechtlicher Weise involviert gewesen sein könnten.

400 Zeugen vernommen

Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt seien rund 300 Hinweisen und Spuren zur Aufklärung der Hintergründe des Anschlagsgeschehens nachgegangen, teilte die Behörde mit, "insbesondere auch den Anregungen von Seiten der am Verfahren beteiligten Opferanwälte". Zahlreiche Kontaktpersonen gleich welcher Art seien intensiv in den Blick genommen, mehr als 400 Zeugen vernommen sowie mehrere hundert Asservate durch die Kriminaltechnik untersucht worden.

Dabei sei nicht ersichtlich geworden, wie sich eine etwaige Beteiligung konkret in Tatentschließung, Tatvorbereitung oder Durchführung eingefügt haben könnte.

U-Ausschuss des Landtags läuft weiter

Bei dem Anschlag waren Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar, Kaloyan Velkov getötet worden. Der Generalbundesanwalt hatte die Ermittlungen noch in der Tatnacht an sich gezogen.

Angehörige hatten sich in der "Initiative 19. Februar Hanau" zusammengeschlossen. Sie fordern eine lückenlose Aufklärung der Tat und Konsequenzen daraus. Als Reaktion auf die Einstellung der Ermittlungen hieß es von der Initiative, man halte die Rolle des Vaters von Tobias R. für "nicht ausermittelt". Auch blieben offene Fragen wie die zur Waffenerlaubnis für den Täter sowie zu dem in der Tatnacht überlasteten Hanauer Polizei-Notruf 110 bestehen. Ein Behördenversagen stehe damit weiter im Raum.

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Ermordet am 19. Februar 2020 in Hanau

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Derzeit läuft auch ein Untersuchungsausschuss des Landtags, der vor allem der Frage nachgeht, ob es vor, während oder nach der Tat zu einem Behördenversagen gekommen ist. In der zweiten öffentlichen Sitzung des Ausschusses werden am Freitag drei weitere Angehörige von Anschlagsopfern als Zeugen gehört, danach stehen noch zwei weitere öffentliche Sitzungstermine am 20. Dezember sowie am 21. Januar an, bei denen Angehörige zu Wort kommen sollen.

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