Seit Jahren ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt gegen Clans, die geklaute Autos weiterverkauft haben sollen. Der Schaden geht in die Millionen. Jetzt gab es erneut zwei Festnahmen - und den Hinweis auf ein neues Betrugsfeld.

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Audioseite Schlag gegen Clan-Kriminalität: Mann und Frau festgenommen

Ein Mann übergibt einem anderen Mann Autoschlüssel und -papiere gegen Geld. Es sind nur die Hände zu sehen.
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Es geht um Steuerhinterziehung im großen Stil - und betrügerische Autohändler, bei denen die Ermittler davon ausgehen, dass sie zu "mehreren miteinander verbundenen Familienverbänden" gehören. Die Liste von Vorwürfen ist lang: Verdacht des gewerbs- und teils bandenmäßigen Betrugs, der Urkundenfälschung, der Hehlerei, der Steuerhinterziehung sowie des Sozialversicherungsbetrugs.

Die Ermittler sprechen von "clanmäßigen Strukturen". Der geschätzte Schaden beläuft sich laut Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt auf mindestens 2,6 Millionen Euro, außerdem seien weitere 3 Millionen Euro Steuern hinterzogen worden.

Mann und Frau festgenommen

Seit Mitte 2018 sind die Ermittler an dem Fall dran, nun schlugen sie erneut zu: Eine 29 Jahre alte Frau aus Frankfurt und ein 21 Jahre alter Mann aus Offenbach wurden am Dienstag festgenommen und kamen in Untersuchungshaft, wie die Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte.

Sie sollen zusammen mit sieben weiteren Beschuldigten im Alter zwischen 17 und 29 Jahren hochwertige Fahrzeuge angemietet und anschließend mit gefälschten Dokumenten verkauft haben. Konkret geht es in diesem aktuellen Fall, der nur ein Teil des millionenschweren Gesamtkomplexes ist, um zehn Fahrzeuge im Wert von rund 400.000 Euro.

Um die Taten zu verschleiern, sollen die Beschuldigten die Autos zum Teil optisch verändert und mit falschen Papieren sowie gestohlenen Kfz-Kennzeichen ausgestattet haben. Auf Handelsportalen im Internet sollen die Wagen dann zum Verkauf angeboten worden sein.

Auch Blanko-Impfpässe gefunden

Bei der Durchsuchung von elf Wohnungen der Beschuldigten sowie einiger Angehörigen in Frankfurt, Offenbach, Hanau und in Bayern (Nürnberg, Landkreis Augsburg) seien zahlreiche Beweismittel sichergestellt worden, berichtete die Generalstaatsanwaltschaft: vor allem gefälschte Ausweise und Fahrzeugpapiere. Neben der Fahrzeughehlerei scheinen die Beschuldigten ein neues Betrugsfeld gefunden zu haben: So fanden die Ermittler auch Blanko-Impfpässe.

Insgesamt waren 140 Beamte der Eingreifreserve der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, mehrerer Polizeipräsidien, der Steuerfahndung Offenbach und der hessischen Bereitschaftspolizei an den Razzien beteiligt. Auch sechs Bargeldspürhunde waren den Angaben der Generalstaatsanwaltschaft zufolge im Einsatz. Im Rahmen der Durchsuchungen wurden Bargeld und andere Vermögenswerte in noch unbekannter Höhe beschlagnahmt. Bei früheren Razzien gegen den Autobetrüger-Clan waren bislang bereits mehr als 28 Luxusautos und Bargeld sichergestellt worden.

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