Urlauber verlasssen den Flughafen in Palma de Mallorca

Vor Kurzem schien ein Sommerurlaub im Ausland noch undenkbar. Jetzt rückt er in greifbare Nähe: Am Montag starteten die ersten Ferienflieger am Frankfurter Flughafen gen Süden. Von Normalität kann allerdings noch keine Rede sein.

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hs
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Angesichts von Kontaktbeschränkungen und geschlossenen Grenzen hatten viele Hessen den Sommerurlaub 2020 im Ausland schon abgeschrieben. Doch mit der Aufhebung der Reisewarnung für knapp 30 europäische Länder am Montag starteten am Frankfurter Flughafen die ersten Flieger Richtung Süden.

Drei Wochen vor dem Beginn der hessischen Sommerferien fällt der Startschuss für die verloren geglaubte Urlaubssaison allerdings etwas verhalten aus: Vor den Schaltern war es am Morgen noch sehr ruhig, vom üblichen Ansturm in den Sommermonaten war man weit entfernt. Der Flughafen rechnete an diesem Tag mit insgesamt rund 25.000 Passagieren - vor der Corona-Krise waren es an Spitzentagen bis zu zehn Mal so viele.

"Test-Urlauber" fliegen nach Mallorca

Noch musste man die klassischen Urlaubsziele unter den 300 Flügen an der Anzeigetafel suchen. Zwischen München, Berlin und Zürich fand sich am Montagmorgen nur ein Flug nach Teneriffa. Am Nachmittag stand auch Palma de Mallorca wieder auf dem Flugplan.

Auch wenn die Grenzen nach Spanien eigentlich noch geschlossen sind, durften knapp 11.000 deutsche Touristen die Balearen-Inseln nach wochenlanger Corona-Pause wieder besuchen - als "Test-Urlauber". Sie sind Teil eines Pilotprojekts, mit dem die spanische Regierung die Sicherheitsmaßnahmen gegen Virusausbreitung erproben möchte, bevor sich das Land wieder komplett für den Massentourismus öffnet.

Maske ja, Abstand nein

Von diesem Pilotprojekt hatten Annette Eckert und ihr Mann im Radio gehört und sofort gebucht. Kurz vor dem Abflug war die Vorfreude groß, Bedenken hat das Ehepaar nicht. Neben den normalen Urlaubssachen haben sie vor allem Masken und Desinfektionsmittel eingepackt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Welche Auflagen gelten für Mallorca-Urlauber?

Georg Käsbach (M) aus Lindlar bei Köln, der zusammen mit seiner Frau Diana (r) zu den ersten Reisenden gehört, spricht auf dem Flughafen von Palma de Mallorca mit einer TUI-Mitarbeiterin.
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Gut zwei Stunden saßen sie mit etwa 180 Passagieren im fast vollbesetzten TUI-Flieger auf die Balearen-Insel. Leere Plätze oder gar gesperrte Reihen, um einen gewissen Abstand zwischen den Reisenden einzuhalten, gab es nicht. Dafür herrschte, wie auch schon im Flughafengebäude, eine Maskenpflicht. Wenn die Klimaanlage laufe, werde alle zwei Minuten die komplette Luft in der Kabine ausgetauscht, erklärte ein TUI-Sprecher. Das biete den perfekten Schutz. Experten sehen das durchaus kritischer.

Sonst gab es nicht viele Besonderheiten, auf die sich die Passagiere einstellen mussten. Um die Hygienevorschriften einzuhalten, ist das Essen eingeschweißt und die Getränke verpackt. Auf dem Flughafen in Palma de Mallorca wird außerdem bei allen Ankömmlingen Fieber gemessen.

Normaler Flugbetrieb erst 2023?

Schon am 21. Juni will Spanien seine Grenzen wieder für alle Urlauber öffnen, auch in Griechenland soll sich die Situation ab Anfang Juli normalisieren. Damit dürften sich die Passagierzahlen am Frankfurter Flughafen in den kommenden Wochen zumindest etwas erholen - im Mai und April waren sie um bis zu 97 Prozent eingebrochen im Vergleich zu den Vorjahresmonaten.

Mit einer Zunahme des Reiseverkehrs rechnet auch Ralf Teckentrup, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften und Condor-Chef. Doch selbst im allerbesten Fall werde es bis 2023 dauern, bis sich die Airline-Industrie wieder erholt habe, prognostiziert er: "Ich persönlich rechne eher mit 2024."

Weiter Reisewarnungen für über 160 Länder

Dementsprechend geschrumpft ist auch der Sommerflugplan von Condor: Rund 35 bis 40 Prozent der üblichen Zahl an Flügen wird in den kommenden Wochen angeboten. Teckentrup hofft vor allem darauf, dass seine Airline die türkische Stadt Antalya noch vor Ende August wieder anfliegen darf. Denn noch gehört die Türkei zu den mehr als 160 Ländern außerhalb der Europäischen Union, für die die Bundesregierung die Reisewarnung für Touristen bis zum 31. August verlängert hat.

Egal, wohin es Urlauber in diesem Sommer verschlägt, neben der Sonnenbrille darf ein Urlaubsaccessoire diesmal wohl nicht fehlen: der Schutz für Mund und Nase.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 15.06.2020, 19.30 Uhr