Zwei junge Luchse im Reinhardswald

Hier ein paar Fellhaare, dort ein Pfotenabdruck: Solche Hinweise nährten die Hoffnung von Naturschützern auf junge Luchse im nordhessischen Reinhardswald. Jetzt gelang der ultimative Foto-Beweis.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Junge Luchse im Reinhardswald gesichtet

Luchs im Opelzoo in Kronberg
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Vor vier Jahren waren in Hessen zuletzt junge Luchse beobachtet worden. Nun ist wieder neuer pinselohriger Raubkatzen-Nachwuchs aufgetaucht, wie Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) am Donnerstag mitteilte. Anfang der Woche hatte Hessen-Forst-Mitarbeiter Christoph Vadersen Fotos von einer Luchsmutter und ihren drei Jungtieren im nordhessischen Reinhardswald gemacht.

Thomas Norgall, Koordinator des Arbeitskreis Hessenluchs, ist vor Freude ganz aus dem Häuschen: "Das ist wie ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk für alle, die sich für den Erhalt und Aufbau der Luchspopulation in Hessen einsetzen", sagt der Naturschützer vom BUND Hessen.

Jetzt werden Fotofallen aufgestellt

Erste Anzeichen für die freudige Nachricht gab es im Oktober, als auf einem Holzstoß vermeintlich kleine Luchse gesehen worden waren. Hessens Luchsbeauftragte Petra Walter sammelte dort gleich Haare. Eine Gen-Analyse des Forschungsinstituts Senckenberg in Gelnhausen brachte Anfang Dezember die Bestätigung: Die Haare gehören zu einem männlichen Luchs, der aus einer bekannten Population im Harz stammt.

Kurz darauf wurden die Luchse wieder beobachtet, im frischen Schnee fand sich auch noch eine Fährte. Die nun geschossenen Fotos bestätigen, dass wieder ein Luchsweibchen im Bundesland Junge aufzieht. Um die Lage und die Größe des Gebietes zu ermitteln, durch das die Tiere streifen, sollen in Kürze Fotofallen aufgestellt werden. Das Streifgebiet der Luchse kann bis zu 400 Quadratkilometer groß sein.

Chancen stehen gut

Außerdem prüfen Luchs-Experten aus dem Harz, ob sie die Luchsin anhand ihres Fellmusters wiedererkennen können. In diesem Fall ließe sich der Zuwanderungsweg genauer eingrenzen.

Wegen des hohen Rehwildbestands haben die drei Luchsjungen sehr gute Chancen auf eine gute Zukunft in Hessen. "Wir hoffen, dass die Luchsin auch in 2020 in Hessen bleibt und erneut Nachwuchs haben wird, so dass sich das Vorkommen hier stabilisiert", sagt Ministerin Hinz.

150 Jahre lang Fehlanzeige

Im Jahr 1833 war der damals letzte hessische Luchs erlegt worden, wie der Naturschutzbund Hessen (Nabu) auf seiner Online-Seite schreibt. Die Art war vor allem ausgerottet worden, weil sie als Gefahr für das Kleinvieh galt. Es dauerte 150 Jahre, bis in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die ersten Luchse wieder gesichtet wurden. Vermutlich stammten sie aus dem Harz.

2010 wurden dann im Schwalm-Eder-Kreis erstmals auch wieder Jungtiere beobachtet.

Sendung: hr-iNFO, 19.12.2019, 15 Uhr