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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dorfteich-Prozess: Ermittlungen wegen Falschaussage

Alte Gedenklichter stehen am Löschteich von Seigertshausen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sechs Verdächtige, die als Zeugen in einem Prozess gegen den Bürgermeister von Neukirchen um drei ertrunkene Kinder gelogen haben sollen. Bei Hausdurchsuchungen wurden zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt.

Rund drei Monate nach dem Prozess um den Tod von drei in einem Dorfteich in Neukirchen (Schwalm-Eder) ertrunkenen Kindern haben Ermittler am Mittwoch Hausdurchsuchungen im Schwalm-Eder-Kreis und in Wiesbaden durchgeführt. Wie die Staatsanwaltschaft Marburg mitteilte, besteht der Verdacht der uneidlichen Falschaussage und der versuchten Strafvereitelung.

Wurde der Bürgermeister geschützt?

Demnach sollen insgesamt sechs Beschuldigte versucht haben, den mittlerweile wegen fahrlässiger Tötung verurteilten Bürgermeister Klemens Olbrich (CDU) mit Lügen vor einer Strafe zu bewahren. Olbrich, der gegen das Urteil Berufung eingelegt hat, wurde zu einer Geldstrafe von 4.000 Euro verurteilt. Weitere 12.000 Euro wurden für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Im Mittelpunkt des Prozesses stand die Frage, ob der Löschteich, in dem die Kinder ertranken, mit einem Zaun hätte gesichert werden müssen. Der Vorwurf der Fahrlässigkeit beruhte darauf, dass das Gewässer nach einer baulichen Änderung im Jahr 2014 ein erhöhtes Gefährlichkeitspotential aufwies. Der Bürgermeister hätte Sicherungsmaßnahmen ergreifen müssen.

Schreiben bestätigt: Ein Zaun musste her

Hintergrund der aktuellen Ermittlungen ist ein der Staatsanwaltschaft Marburg nunmehr bekanntgewordenes und im Rahmen der Durchsuchung aufgefundenes Schreiben einer Versicherung an die Stadt Neukirchen aus dem Jahre 2014, in dem die Teichanlage für Kinder als verkehrsgefährlich eingestuft und eine Einzäunung des Geländes empfohlen wird, um insbesondere spielende Kinder von der Teichanlage fernzuhalten.

Es besteht der Anfangsverdacht, dass die nunmehr beschuldigten Personen Kenntnis von dieser Risikoanalyse der Versicherung hatten, diese Erkenntnisse aber im Rahmen ihrer Zeugenaussagen vor Gericht trotz expliziter Nachfragen zu vorliegenden Informationen über die potentielle Gefährlichkeit des Teiches durch die Umbaumaßnahmen bewusst verschwiegen hätten.

Im Rahmen der Hausdurchsuchungen wurden schriftliche und elektronische Unterlagen sichergestellt. Die Beweismittel werden nun ausgewertet.

Sendung: hr-iNFO, 20.05.2020, 18 Uhr