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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ex-AWO-Chef Richter scheitert mit Klage auf Lohnfortzahlung

Jürgen Richter

Der ehemalige Frankfurter AWO-Chef Jürgen Richter ist mit einer Klage auf Lohnfortzahlung gescheitert. Sein Anwalt hatte die Forderung mit "exzellenter Managementleistung" begründet. Da mussten die jetzigen AWO-Verantwortlichen nur ironisch lachen.

Das Arbeitsgericht Frankfurt hat die Klage des ehemaligen Geschäftsführers der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (AWO) gegen seine Kündigung abgewiesen. In der Entscheidung am Mittwoch hieß es, dass das Arbeitsverhältnis nach der Entscheidung der Kammer durch die am 29. Januar 2020 zugegangene Kündigung vom 28. Januar 2020 fristlos beendet worden sei. Richter wollte Gehälter und Vergütungen aus dem bis Mitte 2022 laufenden Vertrag geltend machen.

Die beklagte AWO wurde allerdings verurteilt, dem einstigen Geschäftsführer ein qualifiziertes Arbeitszeugnis auszustellen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Richter kann in Berufung gehen.

"Exzellente Managementleistung"

Richters Anwalt hatte während der Anhörung am Vormittag auf Vertragstreue gepocht - auch mit Blick auf einen noch mit dem früheren Vorstand geschlossenen Aufhebungsvertrag: Künftig könne die neue AWO-Spitze bei Aufhebungsvereinbarungen anders entscheiden. "An die Verträge der Vergangenheit bleibt sie gebunden", so das Argument. Der Vertrag hatte Richter ein Einkommen von 306.000 Euro pro Jahr bis zum Erreichen des Rentenalters im Jahr 2022 zugestanden, wie der Anwalt der AWO bereits bei einem früheren Termin im Juni erläutert hatte.

Richter war nicht persönlich vor Gericht erschienen, umso mehr war von ihm die Rede. Für seinen Anwalt Bernhard Lorenz steht der Mann, der als eine Schlüsselfigur im AWO-Skandal um überhöhte Gehälter und Luxusdienstwagen gilt, für eine Erfolgsgeschichte. "Exzellentes Management erfordert exzellente Bezahlung", betonte er nicht nur in der Verhandlung, sondern auch in der vor seinen Argumenten verteilten Pressemitteilung. Und Richter habe für "exzellente Managementleistung" gestanden.

Gesamtschaden über 6,3 Millionen Euro

An dieser Stelle schüttelte der AWO-Vorstandsvorsitzende Steffen Krollmann nur den Kopf. Petra Rossbrey, seit Mitte Februar Vorsitzende des ehrenamtlichen Präsidiums, lachte ironisch auf. Beide bemühen sich seit Monaten um Aufklärung und Aufarbeitung, in der vergangenen Woche hatten sie den Gesamtschaden durch überhöhte Personalzahlungen, Sachkosten und ausgebliebene Spenden mit etwa 6,3 Millionen Euro beziffert.

"Wenn man den Jahresabschluss 2019 mit einem siebenstelligen Verlust sieht und wenn man die Situation sieht, dass es im März kein Geld gab und wir uns mühsam über Wasser gehalten haben, ist es schon eine Überraschung zu hören, wie man wirtschaftlichen Erfolg definiert", sagte Krollmann nach der Verhandlung. "Wir haben die AWO in einem desolaten Zustand übernommen", sagte Petra Rossbrey nach der Sitzung.

Sie wertete die Entscheidung des Gerichts als vollen Erfolg. "Wir sind mehr als zufrieden, wir sind glücklich", sagte sie vor einer Präsidiumssitzung am Mittwochabend. Richters Anwalt war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Richters Anwalt kritisiert "Kriminalisierung"

Zwar ging es in dem Verfahren nur um arbeitsrechtliche Probleme, doch die Vorwürfe gegen die früheren AWO-Verantwortlichen und die laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen Betrugs- und Untreueverdachts gegen ehemalige Funktionäre standen ebenfalls indirekt im Raum.

Lorenz warnte vor einer Vorverurteilung seines Mandanten, erinnerte an das Prinzip der Unschuldsvermutung. "Das deutsche Recht kennt den Sündenbock nicht", mahnte er. Der "Skandalisierung" der AWO durch die Medien sei die "Kriminalisierung" durch die Staatsanwälte gefolgt, sagte er über die Vorgänge des vergangenen Jahres.

Sein Mandant jedenfalls sei gelassen: "Sie haben nichts gefunden, sie werden nichts finden, sie können auch nichts finden!" Etwa der Vorwurf, die private Feier des 60. Geburtstags sei dienstlich deklariert und abgerechnet worden: "Wenn der Oberbürgermeister die Laudatio hält, ist der offizielle Charakter doch völlig klar", sagte Lorenz.

Sendung: hriNFO, 21.20.2020, 18.00 Uhr