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Ehemaliger Bürgermeister von Kalbach soll Geld veruntreut haben

Der frühere Kalbacher Bürgermeister soll sich immer wieder am Konto eines demenzkranken 90-Jährigen bedient haben. Das Amtsgericht Fulda verurteilte ihn wegen Veruntreuung. Doch der Fall geht in die Verlängerung.

Der ehemalige Bürgermeister von Kalbach (Fulda) soll einen gesundheitlich angeschlagenen und mittlerweile verstorbenen Rentner um viel Geld gebracht haben. Das Amtsgericht Fulda verurteilte Florian H. wegen der Veruntreuung von 34.000 Euro zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung. Zudem soll er die veruntreute Summe zurückzahlen, wie der Richter am Freitag auf hr-Anfrage erklärte. Zuvor hatten Bild und Osthessen News über den Fall berichtet.

Das Urteil, das bereits Mitte Februar gefallen ist, ist allerdings nicht rechtskräftig: Sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft sind mit dem Strafmaß nicht einverstanden, beide Parteien legten Rechtsmittel ein.

Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe und fordert einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft dagegen sieht den Tatbestand der gewerbsmäßigen Untreue erfüllt: Der Angeklagte habe sich offenbar eine fortlaufende Einnahmequelle bei dem demenzkranken Rentner verschafft. Der Fall geht nun an das übergeordnete Landgericht Fulda.

Bis 2020 Bürgermeister von Kalbach

Florian H. war sechs Jahre lang parteiloser Bürgermeister von Kalbach und genießt daher eine gewisse Bekanntheit in Osthessen. Im Jahr 2020 hörte er auf, offiziell aus gesundheitlichen Gründen.

Noch während seiner Amtszeit als Bürgermeister soll er als Bevollmächtigter des 90-jährigen Mannes dessen Vertrauen missbraucht und sein Geld veruntreut haben, wie Richter Szymon Mazur sagte. Die beiden Männer hätten sich gekannt, weil der Angeklagte dem Senior zuvor in einer privaten Angelegenheit geholfen und so sein Vertrauen gewonnen habe.

34-mal 1.000 Euro abgehoben

Der demenzkranke Rentner hatte im Januar 2020 40.000 Euro auf ein Konto gebucht, auf das auch der Angeklagte Zugriff hatte. Bis Juni 2020 habe der Angeklagte dann 34-mal Geld abgehoben - jeweils 1.000 Euro. Im März allein an 17 Tagen am Stück, wie der Richter sagte. Diese Vorgehen kam der Bank irgendwann merkwürdig vor, sie schlug Alarm.

Es besteht der Verdacht, dass der Angeklagte das Geld für sich behielt, um sich zu bereichern. Nachweisen konnte das Gericht ihm das nicht zweifelsfrei. Doch Richter Mazur sagte, der Angeklagte habe sich bereits schuldig gemacht, indem er die Vermögensbetreuungspflicht verletzt habe. Er hätte mit dem Geld verantwortungsvoll umgehen müssen.

Geld und Kekse ins Altenheim gebracht

Der Angeklagte gab an, er habe das Geld auf Geheiß des Rentners abgehoben und regelmäßig ins Heim gebracht. Ihm zufolge soll es sich insgesamt um eine geringere Gesamtsumme gehandelt haben. Er habe die Banknoten dort mit Keksen in einer Papiertüte für den Senior abgegeben, fasste Mazur die Schilderung zusammen. Die Frau des Angeklagten und ein Freund bestätigten diese Version. Doch auffindbar war das Geld nirgends.

Belastend wirkte sich für den Angeklagten vor Gericht auch aus: Der Angeklagte und seine Frau lebten offenbar über ihre Verhältnisse, machten jeden Monat 900 Euro Minus. Vor und nach den Taten änderte sich dies allerdings. Das Paar hob auf einmal deutlich weniger Geld ab. Begründet wurde dies mit einem Geldgeschenk der Schwiegermutter in Höhe von 15.000 Euro, wie Mazur sagte.

Angeklagter rechtfertigt sich öffentlich

Der Angeklagte Florian H. äußerte sich am Freitag öffentlich auf Facebook zu dem Fall. Die Anschuldigungen seien unberechtigt. "Ich bin mir sicher, dass die Vorwürfe in der nächsten Instanz als unbegründet erkannt werden." Der Rentner, dessen Bevollmächtigter er seit 2012 gewesen sei, habe das Geld erhalten. Ob er es dann nach Amerika zu seiner Tochter oder Enkelin gesendet habe oder ob es im Heim verschwunden sei, entziehe sich seiner Kenntnis. Das Gericht konnte er mit seinen Erklärungen nicht überzeugen.