Frau untersucht eine Probe unter einem Mikroskop
DNA-Spuren vom Körper der toten Frau in Lorch gaben den Ermittlern den entscheidenden Hinweis. Bild © picture-alliance/dpa

21 Jahre nach dem Tod einer Frau in Lorch im Rheingau stehen ihr Ehemann und seine damalige Geliebte unter Mordverdacht. Ein DNA-Abgleich brachte die Ermittler auf die Spur.

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200 bis 300 kleine Klebefolien könnten geholfen haben, nach langer Zeit ein Verbrechen in Lorch (Rheingau-Taunus) aufzuklären. An diesen Folien kleben Spuren, die auf der Leiche einer Frau hinterlassen wurden. Sie ertrank am 23. Oktober 1997 im Alter von 32 Jahren unter bislang nicht geklärten Umständen in ihrer Badewanne.

Spezialisten des Landeskriminalamts in Wiesbaden haben sich daher vor kurzem einige der Klebefolien vorgenommen und darauf mit modernen Methoden nach Spuren wie zum Beispiel Hautschuppen gesucht. Sie fanden solche DNA-Spuren und analysierten sie. Bei einer Spur gab es einen Treffer: Der genetische Fingerabdruck passt ausgerechnet zu der Frau, mit der der Ehemann der Verstorbenen damals eine Affäre hatte.

Die Freundin des Ehemanns muss das Opfer berührt haben

Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden kann anhand dieses DNA-Treffers nun belegen, dass die heute 49-jährige aus Lorch den Oberarm der Toten berührt hat. Das reichte für den Haftrichter aus, sie und ihren 56 Jahre alten Lebensgefährten - den Ehemann der Toten - am Freitag in Untersuchungshaft zu nehmen. Zuerst berichtete der Wiesbadener Kurier darüber.

Dabei ist immer noch unklar, ob es sich tatsächlich um einen Mord handelte. Nach wie vor könnte es ein Selbstmord gewesen sein oder auch ein Sturz, also ein Unfall. Laut Staatsanwaltschaft hat das Paar in U-Haft noch nicht zu den Vorwürfen ausgesagt.

Der Ehemann hatte im Oktober 1997 angegeben, er sei in der Nacht nach Hause gekommen und habe seine Frau leblos in der Badewanne gefunden. Seine Geliebte gab ihm ein Alibi: Er sei vorher mit ihr in einem Hotelzimmer gewesen. Ein Selbstmord galt allerdings von Anfang an als unwahrscheinlich. Es soll diesbezüglich keine Anzeichen gegeben haben. Das Ehepaar hatte ein knapp zwei Jahre altes Kind, das die Frau sehr geliebt haben soll.

Weitere Indizien sprechen für Mord

Mit der DNA-Spur ist das Alibi des Mannes geplatzt, und die Staatsanwaltschaft hält einen gemeinschaftlichen Mord für wahrscheinlich. Darauf deutet noch mehr hin: 1997 wurde im Blut der toten Ehefrau Schlafmittel gefunden. Sie könnte also betäubt worden sein. Außerdem gab es laut Staatsanwaltschaft frische Verletzungen am Körper: unter anderem an Hals, Nacken, Lippe, Kiefer, am Oberarm und an der Ferse. Diese Verletzungen könnten dazu passen, dass die Frau in der Badewanne unter Wasser gedrückt wurde. Sicher ist bislang bloß, dass sie im Wasser ertrank.

Dazu kommt noch, dass der Mann vom Tod seiner Frau finanziell profitierte. Er soll eine Lebensversicherung, ein Haus und Geld von einem Sparbuch geerbt haben. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt ihn deshalb des Mordes aus Habgier.

Damals wurde drei Jahre lang ermittelt. Rechtsmedizinische Institute in Frankfurt, Essen und Hamburg wurden eingeschaltet. Im Jahr 2000 kam der Fall zu den ungeklärten Fällen. Jetzt wird weiter ermittelt.