Polizeifahrzeuge heute vor dem Justizzentrum in Wiesbaden.
Polizeifahrzeuge im Januar vor dem Justizzentrum in Wiesbaden, das nach einer Bombendrohung geräumt worden war. Bild © picture-alliance/dpa

Nach einer deutschlandweiten Serie von Bombendrohungen und rechtsextremistischen Mails an öffentliche Institutionen und Privatpersonen hat die Polizei einen Verdächtigen ermittelt. Die Ermittler prüfen, ob der Mann aus Schleswig-Holstein auch für die Fälle in Hessen verantwortlich ist.

Ein Mann aus Schleswig-Holstein steht im Verdacht, Verfasser zahlreicher Mails mit Drohungen gegen Gerichte und andere Einrichtungen zu sein, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft in Berlin am Freitag mit. Es würden auch Fälle, die Hessen betreffen, geprüft. So hatte es unter anderem Bombendrohungen gegen das Oberlandesgericht Frankfurt und die Staatsanwaltschaft gegeben. In Wiesbaden war im Januar das Justizzentrum nach einer anonymen Drohung vorübergehend geräumt worden.

Der Verdächtige wurde nicht festgenommen. Nach Informationen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) handelt es sich um einen Deutschen, der Anfang 30 sein soll. Er soll den Behörden einschlägig bekannt sein. Die Ermittler machten zu seiner Identität keine näheren Angaben.

Anfangsverdacht in großem Ermittlungskomplex

Bei den Ermittlungen gehe es um einen Anfangsverdacht in einem sehr großen Ermittlungskomplex mit mehr als 200 Mails an Gerichte und Behörden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Auch an andere Institutionen, Politiker, Anwälte, Journalisten und Prominente waren Mails gegangen, die mit "Nationalsozialistische Offensive", "NSU 2.0" oder "Wehrmacht" unterschrieben waren. Die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz hatte Drohschreiben erhalten, die mit "NSU 2.0" gekennzeichnet waren. In welchem Umfang der Verdächtige für die Schreiben verantwortlich ist, blieb zunächst offen.

Das bei der Durchsuchung einer Wohnung in Schleswig-Holstein gefundene Material müsse gesichtet und geprüft werden, sagte ein Sprecher der federführenden Berliner Staatsanwaltschaft. Über mögliche Verbindungen zu den hessischen Fällen könne noch nichts gesagt werden. Auch eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft hatte am Freitag noch keine neuen Erkenntnisse.

Sendung: hr-iNFO, 05.04.2019, 16 Uhr