Mit einem Bolzenschneider wird ein Fahrradschloss geknackt

Vor allem auf hochwertige Fahrräder haben es Diebe abgesehen. Zweitschlösser, Alarmanlagen und GPS-Sender - die Fuldaer Polizei gibt Tipps, wie Sie Räder besser schützen. Experten zeigen, welche Schlösser was taugen.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mehr E-Bikes geklaut - Polizei gibt Präventions-Tipps

Polizist knackt zu Demonstrationszwecken ein Fahrrad
Ende des Audiobeitrags

Wie schnell man ein abgeschlossenes und sicher geglaubtes Fahrrad knacken kann? "Mit dem richtigen Werkzeug in wenigen Sekunden", sagt Marco Hohmann und tritt den Beweis. Zur Demonstration schnappt sich der Präventionsberater der Fuldaer Polizei einen Bolzenschneider. Locker-leicht knipst er ein Kabelschloss durch. Und auch bei hochwertigen Bügel- oder Faltschlössern sieht es ähnlich aus. Hohmann greift zur akkubetriebenen Flex. Fix hat er den gehärteten Spezialstahl durchtrennt.

Es ist ziemlich alarmierend, wie leicht das funktioniert. Bedeutet: Wer sein Rad vor Diebstahl sichern will, sollte was tun - und investieren. Denn Fahrrad-Diebe haben derzeit Hochkonjunktur. Es ist Saison. Viele Radler sind unterwegs. Und mit ihnen immer teurere Räder, vor allem Pedelecs, umgangssprachlich E-Bikes genannt. Infos zu Typen finden sich hier.

Wegen Bike-Boom attraktivere Beute

Nicht zuletzt hat auch die Corona-Pandemie für einen Ansturm auf Fahrradhändler gesorgt. Dabei sind für viele Freizeitsportler und Pendler Räder mit Elektromotor besonders interessant. 1,95 Millionen Bikes mit elektronischer Unterstützung wurden 2020 in Deutschland verkauft - rund 43 Prozent mehr als in 2019.

Und E-Bikes sind keine Schnäppchen. "Die kosten schnell mehr als 3.000 Euro im Durchschnitt", weiß Hohmann. Und er weiß auch: Das ist eine verlockende Beute für Diebe - entweder für Gelegenheitstäter oder Banden, die die Drahtesel im Ausland absetzen.

20 Prozent mehr E-Bike-Diebstähle

In Osthessen zum Beispiel ist die Zahl der Diebstähle rasant gestiegen. Ein Plus von 20 Prozent zuletzt bei E-Bikes, berichtet Hohmann. Und in anderen Teilen Hessens werde es nicht viel anders aussehen. Im Bundesland waren es im Vorjahr mehr als 10.000 versuchte oder vollendete Taten, wie aus der Polizei-Statistik hervorgeht.

Deswegen reagiert die Polizei. In Fulda bietet das Präsidium Präventionsveranstaltungen an. Bürger können sich informieren, wie sie es Dieben möglichst schwer machen. "Das Gefahrenbewusstsein muss geschaffen und geschärft werden", sagt Hohmann.

eine Auswahl an Fahrradschlössern liegt auf dem Boden

Hohmann sieht aber auch: Der Bürger-Bedarf an Beratung ist hoch. "Bei den Veranstaltungen herrscht großer Andrang. Je nach Rad und Preis muss man sich überlegen, was einem die Sicherung wert ist." Von Billigschlössern vom Discounter rät er ab. "Die sind mitunter ein Witz."

Aber welches Schloss schützt am besten? Leider existieren im Handel keine verbindlichen Sicherungsklassen. Den besten mechanischen Diebstahl-Schutz bieten aber stabile Bügel- oder Panzerkabelschlösser, wie die Polizei-Beratung erläutert. Hilfe bei der Suche nach einem Schloss gibt's beim Verband der Schadensversicherer (VdS) - mit einer Übersicht zu getesteten und zertifizierten Schlössern. Auch die Stiftung Warentest prüft Modelle. Infos bietet zudem der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club).

"Der Trend geht zum Zweitschloss"

Hohmann selbst nutzt ein Falt- zusammen mit einem Bügelschloss. Denn: "Der Trend geht zum Zweitschloss. Mit guten Schlössern kann man sich Zeit erkaufen, damit Diebe möglichst lange brauchen. Das Entdeckungsrisiko muss hoch sein." Um es zu erhöhen, könne man auch eine Alarmanlage montieren. Die kleinen Kisten sorgen für großes Aufsehen, wenn sie piepen. Da werden Diebe schnell flüchten.

Relativ neu ist auch die Möglichkeit, sein Rad mit einem GPS-Tracker, einem versteckt eingebauten Peilsender, zu versehen. Beim digitalen Diebstahlschutz bekommt man via App einen Alarm aufs Handy. Man sieht, wohin sein Rad transportiert wird. Dank Live-Tracking kann die Polizei dann dort gezielt zuschlagen.

GPS-Ortung und Services via App

"Für Diebe wird das Rad somit wertlos", versprechen die Macher der Firma IoT Venture aus Darmstadt. Sie bieten mit der Technologie und dem Konzept "It's my bike" ihre kostenpflichtigen Dienste an. Die App bietet auch Routen-Statistiken und im Premium-Service einen Notfall-Assistenten. Bei einem erkannten Sturz naht Hilfe.

Reste eines von Fahrraddieben bearbeiteten Fahrrads

Die Möglichkeit, sein Rad mit einem GPS-Tracker zu schützen, empfiehlt auch die Polizei. Weitere Hinweise zum Thema Diebstahl-Vorbeugung bieten die Beamten in einer Broschüre. Ausgewählte weitere Tipps daraus sind:

  • Schließen Sie den Radrahmen immer an einen festen Ständer oder einen verankerten Gegenstand an. Auch wenn Sie nur kurz abwesend sind. Nur das Vorder- und Hinterrad zu blockieren, reicht als Schutz nicht.
  • Dunkle Ecken, einsame Plätze oder schlecht einsehbare Straßen meiden. Öffentlichkeit kann vor Dieben schützen.
  • Sichern Sie einzelne Fahrradteile wie Vorder- und Hinterrad, indem Sie diese mit dem Rahmen an einem festen Gegenstand anschließen. Oder Sie ersetzen die handelsüblichen Schnellspanner, mit denen Vorder- und Hinterrad oder Sattel befestigt sind, mit codierten Verschraubungen, die sich nur mit einem Zentralcodeschlüssel öffnen lassen.
  • Wertvolles Zubehör wie den Akku unbedingt mitnehmen. Ohne Akku ist das Rad praktisch wertlos. Erscheint das zu umständlich, dann den Akku mit einem Zusatz-Schloss sichern. Akku-Schlösser, die viele E-Bikes haben, reichen oft nicht.