Spezialkräfte der Polizei führen Ali B. in Wiesbaden ab.
Spezialkräfte der Polizei führen Ali B. nach seiner Festnahme in Wiesbaden ab. Bild © picture-alliance/dpa

Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden hat im Fall der getöteten Susanna offiziell drei Anklagen gegen den 21-Jährigen Ali B. erhoben. Zudem wurde Anklage gegen den vermutlich 14 Jahre alten Mansoor Q. erhoben.

Dem Iraker Ali B. werden Vergewaltigung und Mord aus Heimtücke sowie zur Verdeckung einer Straftat vorgeworfen, wie die Behörde am Mittwoch mitteilte. Dass der Prozess im Frühjahr eröffnet wird, war bereits seit November bekannt, am Mittwoch teilte die Staatsanwaltschaft Details mit und erhob die Anklage offiziell. Über die Zulassung der Anklage muss nun das Landgericht Wiesbaden entscheiden.

Susannas Leiche war Anfang Juni 2018, zwei Wochen nach dem Verschwinden des Mädchens, in Wiesbaden-Erbenheim gefunden worden. Der in Untersuchungshaft sitzende Tatverdächtige hat gestanden, in der Nacht zum 23. Mai 2018 Susanna getötet zu haben.

Drei Anklagepunkte gegen Ali B.

Gegen den 21 Jahre alten Ali B. werden drei Anklagen erhoben:

• Er soll die 14 Jahre alte Susanna aus Mainz in den frühen Morgenstunden des 23. Mai 2018 zum Sex gezwungen haben, indem er sie würgte oder ins Gesicht schlug. Aus Angst soll Susanna den sexuellen Übergriff erduldet haben. Weil das Mädchen zur Polizei gehen wollte, soll Ali B. sie erwürgt haben.

• Die Staatsanwaltschaft geht außerdem davon aus, dass Ali B. bereits am 27. April 2018 in seinem Zimmer in der Asylunterkunft in Wiesbaden-Erbenheim eine 11-Jährige vergewaltigte. Zu einem späteren Zeitpunkt im Mai soll es zu einer weiteren Vergewaltigung der 11-Jährigen gekommen sein.

• Eine dritte Anklage erfolgt wegen Raub, Bedrohung und gefährlicher Körperverletzung. Dabei geht es um einen Raubüberfall in Wiesbaden auf einen jungen Mann, an dem Ali B. beteiligt gewesen sein soll.

14-Jährigem wird zweifache Vergewaltigung vorgeworfen

Anklage wurde auch gegen den mindestens 14 Jahre alten Afghanen Mansoor Q. erhoben. Der Jugendliche hatte die Polizei im Mordfall Susanna zunächst auf die Spur des 21-jährigen Irakers gebracht. Später verdichteten sich die Hinweise, dass auch er die 11-Jährige vergewaltigt haben soll.

Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden wirft Mansoor Q. die mindestens zweimalige Vergewaltigung der 11-Jährigen vor. An einer der Taten soll auch der jüngere, noch strafunmündige Bruder von Ali B., beteiligt gewesen sein. Mansoor soll seinem Opfer mit Bezug auf den Tod von Susanna gedroht haben, dass diese "genauso tot sei wie dieses Mädchen", wenn sie im Fall der getöteten Susanna etwas sagen würde.

Ermittlungen gegen Bundespolizeichef eingestellt

Am Mittwoch wurde auch bekannt, dass sie Staatsanwaltschaft Frankfurt das Ermittlungsverfahren gegen Bundespolizeipräsident Dieter Romann im Zusammenhang mit der Rückführung von Ali B. aus dem Nordirak eingestellt hat. "Das ist alles abgeschlossen", sagte die Sprecherin der Behörde. Es gebe keinen hinreichenden Tatverdacht.

Romann und weitere Bundespolizisten waren im vergangenen Juni nach Erbil im Nordirak geflogen, um den dort festgenommenen Tatverdächtigen zurück nach Deutschland zu bringen. Ali B. und seine Familie hatten sich in den Irak abgesetzt. Sowohl Strafverteidiger in Deutschland als auch die irakische Zentralregierung in Bagdad hatten die Art der Rückführung kritisiert.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 23.01.2019, 19.30 Uhr