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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Anklage gegen falsche Narkose-Ärztin

Falsche Ärztin in Fritzlar

Fünf Patienten tot, noch mehr Menschen schwer geschädigt: Mit gefälschten Papieren soll eine Frau jahrelang als Narkoseärztin in Fritzlar gearbeitet haben. Jetzt steht die Anklage gegen sie.

Nach mehreren Todesfällen ist gegen eine mutmaßlich falsche Ärztin Anklage beim Landgericht Kassel erhoben worden. Der 49-Jährigen aus Kiel werde unter anderem Mord in fünf Fällen sowie gefährliche Körperverletzung in elf Fällen vorgeworfen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel am Montag.

Die Angeklagte hatte von 2015 bis 2018 im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis) gearbeitet. Sie soll sich mittels gefälschter Unterlagen eine Anstellung als Assistenzärztin in der Anästhesie erschlichen haben. Dabei nahm sie laut Anklage eigenverantwortlich Betäubungen vor, obwohl sie nicht über die erforderliche Ausbildung verfügte.

Eine Leiche exhumiert

Dadurch sei es in 16 Behandlungsfällen zu Behandlungsfehlern gekommen, beispielsweise zu fehlerhafter Dosierung von Betäubungsmitteln. In fünf Fällen seien Patienten - zwei Männer im Alter von 58 und 80 Jahren und drei Frauen im Alter von 77, 81 und 86 Jahren - aufgrund der Fehlbehandlungen gestorben. Die Leiche eines Mannes wurde im Lauf der Ermittlungen in Gensungen (Schwalm-Eder-Kreis) exhumiert.

Die Frau zeigte sich selbst wegen Anstellungsbetrugs an. Vorgeworfen werden der Frau zudem ein Verstoß gegen das Heilpraktikergesetz, gewerbsmäßiger Betrug in drei Fällen, Urkundenfälschung in fünf Fällen und Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen in neun Fällen. Unter anderem soll sie bei der Stadt Kassel und der Landesärztekammer falsche Approbationsurkunden vorgelegt haben. Durch Betrug sei sie auch an ein 59.000 Euro teures Auto und eine kurze Anstellung in einer Klinik in Schleswig-Holstein gekommen. Dort war die Frau allerdings im Reha-Bereich tätig.

KIinik: "Hohe kriminelle Energie" der Angeklagten

Die betroffene Klinik reagierte positiv auf die Anklage: "Wir hoffen auf ein zügiges Verfahren und ein gerechtes Urteil, um dieses traurige Kapitel endgültig abschließen zu können", erklärten die Stiftung Hospital zum Heiligen Geist Fritzlar und die Klinik-Geschäftsführung. Die 49-Jährige habe "mit hoher krimineller Energie" gehandelt und schweren Schaden angerichtet.

Die Klinik-Geschäftsführung habe selbst Strafanzeige wegen schweren Betruges gegen die Verdächtige erstattet. Allein den Schaden durch zu Unrecht erhaltene Gehälter und die Finanzierung von Weiterbildungsmaßnahmen beziffert das Krankenhaus auf 245.000 Euro.

Sendung: hr-iNFO, 18.05.2020, 13 Uhr