Diese Polizistin ist wirklich eine (Archiv-Foto)
Diese Polizistin ist wirklich eine (Archiv-Foto) Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

In ihrem Beruf als Leiterin eines Fitnessstudios verdiente sie bis zu 7.000 Euro im Monat. Trotzdem gab sich ein Frankfurterin als Polizistin aus und brachte ältere Menschen um Geld und Gold. Jetzt wurde sie zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Das Amtsgericht Darmstadt hat am Montag eine Trickbetrügerin zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt. Die 35-Jährige hatte sich nach Überzeugung des Gerichts zusammen mit einer Bande gegenüber älteren Damen als Polizistin ausgegeben, damit diese ihr Geld, Münzen und Goldbarren aushändigen. Die zweifache Mutter hatte ein Geständnis abgelegt.

Gold und Münzen im Wert von 152.000 Euro

Die Masche funktionierte so: Bandenmitglieder riefen von einem Call-Center in der Türkei aus bei den Opfern an und überredeten sie in perfektem Deutsch, etwa zum Schutz vor Einbrecherbanden die Wertsachen bei der Autobahnpolizei einzulagern und dafür einer Beamtin zu übergeben.

Der Anklage zufolge hatte in einem Fall ein Opfer aus Heidesheim bei Mainz sein Bankschließfach geleert und der Frau Goldbarren und Münzen im Wert von rund 152.000 Euro überreicht. Bei einem Betrugsversuch mit einem Opfer aus Darmstadt konnte die zuvor eingeschaltete Polizei die Frankfurterin bei der Übergabe festnehmen.

Bis zu 7.000 Euro im Fitnessstudio verdient

Die Angeklagte saß von Anfang März an in Untersuchungshaft. Das Gericht setzte den Haftbefehl am Montag bis zum Strafantritt in vier bis sechs Wochen aus. Zugunsten der Angeklagten, die als Leiterin eines Fitnessstudios zwischen 2.000 und 7.000 Euro im Monat verdiente, wertete das Gericht ihre Aussagen zu dem Call-Center und den Hintermännern in der Türkei.

Dass die Angeklagte "bei so einer Schweinerei" mitgemacht habe, nannte der Richter "völlig grotesk" angesichts ihres geregelten Lebens und ihres guten Einkommens. Warum die Deutsche mitmachte, sagte sie nicht. Den Ermittlern zufolge war sie seit mehreren Jahren mit einem der Hintermänner befreundet.

Ermittler: Respekt vor Obrigkeit wird ausgenutzt

Staatsanwalt Nico Kalb sagte nach Ende des Verfahrens, der Erfolg der Masche basiere darauf, den Respekt der Senioren vor der Obrigkeit auszunutzen. "Und im Alter lässt die Widerstandskraft nach." Andrea Löb vom Polizeipräsidium Südhessen berichtete, dass die perfekt Deutsch sprechenden Anrufer die Opfer mit mehrfachen Anrufen verunsicherten und Druck aufbauten.

Da werde zum Beispiel behauptet, dass das Vermögen in Gefahr sei, andere Polizisten und Bankmitarbeiter zur Einbrecherbande gehörten oder das Bargeld zuhause Falschgeld sei. Angehörige sollten den Polizistentrick bei ihren älteren Verwandten thematisieren und mit ihnen besprechen, riet die Polizeisprecherin.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 01.10.2018, 16.45 Uhr