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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Massenhaft Austritte bei Freiwilliger Feuerwehr Helsa

Feuerwehrjacke mit Aufschrift

Ein einzelnes Mitglied brachte Unruhe in die Freiwillige Feuerwehr von Helsa. So sehr, dass die meisten Kameraden hingeschmissen haben. Die Gemeinde musste jetzt handeln, um im Ernstfall gerüstet zu sein.

In Helsa (Kassel) wird es künftig eine Pflichtfeuerwehr geben. Das hat die Gemeindevertreterversammlung am Donnerstagabend beschlossen. Bürgermeister Tilo Küthe (SPD) sah sich gezwungen, die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde aufzulösen, nachdem es dort zu massenhaften Austritten gekommen war.

Massenaustritte wegen eines einzelnen Mitglieds

Hintergrund sind Streitigkeiten um ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Der Mann hatte sich in einem jahrelangen Rechtsstreit vor dem Verwaltungsgericht in die Einsatzabteilung der Truppe eingeklagt - sehr zum Missfallen vieler Mitglieder, darunter auch zahlreiche Führungskräfte.

Küthe und die anderen Feuerwehrleute werfen dem Betreffenden unkameradschaftliches Verhalten vor. Unter anderem habe er stets alle kontrollieren wollen, sagte der Bürgermeister dem hr: "Es war nur eine Person, die gestört hat." Dieser Person attestiert der Rathauschef probates Fachwissen: "Er ist ein sehr gut ausgebildeter Feuerwehrmann."

Reihenweise Austritte

Doch eine Zusammenarbeit schien zunehmend unmöglich. Nach dem Gerichtsbeschluss schmissen der Gemeindebrandinspektor, der Wehrführer und die meisten Feuerwehrleute hin, laut Küthe rund 90 Prozent. Insgesamt 56 Personen seien ausgetreten. Mit dem Rest habe sich die Einsatzbereitschaft nicht mehr sicherstellen lassen.

Und so griff der Bürgermeister schweren Herzens zu einem selten gebrauchten, aber im Brand- und Katastrophenschutzgesetz vorgesehenen Instrument: der Berufung einer Pflichtfeuerwehr. Dabei können vom Bürgermeister benannte Personen verpflichtet werden, Dienst in der Feuerwehr zu leisten. "Es war die einzige Möglichkeit", so Küthe.

Einstimmiger Beschluss

Am Donnerstagabend gab die Gemeindevertretung dafür grünes Licht. Einstimmig, wie der Bürgermeister betonte. Dabei ist ihm die Erleichterung anzumerken. "Wir kommen damit wieder in ruhiges Fahrwasser. Die Kameraden halten wieder zusammen."

In den kommenden Tagen sollen die schriftlichen Berufungen erfolgen. Dabei greift Küthe natürlich auf bewährte Kräfte zurück. Die Corona-Pandemie bremst das Verfahren ein wenig. Doch zum 1. Februar soll die Pflichtfeuerwehr Helsa stehen.

Weitere Informationen

Pflichtfeuerwehr

Nach dem Hessischen Brand- und Katastropenschutzgesetz können Einwohnerinnen und Einwohner einer Gemeinde, die zwischen 18 und 50 Jahre alt sind, bis zu zehn Jahre zum ehrenamtlichen Dienst in der Gemeindefeuerwehr herangezogen werden, wenn es dort keine Berufsfeuerwehr gibt und Freiwillige nicht hinreichend zur Verfügung stehen. Mitglieder von Organisationen, deren Dienst vom zuständigen Ministerium als Ersatz für den Feuerwehrdienst anerkannt ist, können hiervon ausgenommen werden.

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Sendung: hr4, 22.01.2021, 12.30 Uhr