Trauerflor Fastnacht Mainz

Der Hanauer Faschingszug fällt nach dem Anschlag mit zehn Toten aus. Auch an vielen weiteren Orten finden Rathauserstürmungen oder Närrische Stadtverordnetenversammlungen nicht statt. Andere Städte dagegen halten an ihren Umzügen fest, teils aber mit geändertem Programm.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fasching nach Hanau: Erstürmungen fallen aus

Fastnachtsumzug in Frankfurt
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Der Anschlag in Hanau, bei dem zehn Menschen und der Attentäter getötet wurden, fällt mitten in die Fastnacht. Ein Zurück zur närrischen Normalität ist vor allem in Hanau nicht denkbar. Der Faschingsmarkt und auch der Umzug am Samstag durch die Innenstadt wurden abgesagt. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) cancelte "nach der furchtbaren rassistischen Gewalttat" seine Teilnahme an allen Fastnachtsveranstaltungen, unter anderem in Kassel und Mainz, wie die Staatskanzlei am Freitag twitterte.

Ministerpräsident Volker #Bouffier sagt nach der furchtbaren rassistischen Gewalttat von #Hanau seine Teilnahme an allen Fastnachtsveranstaltungen, unter anderem in Mainz und Kassel, ab.

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Auch in anderen Städten und Vereinen sind die Ereignisse Thema - sie gehen unterschiedlich damit um. Aus Respekt vor den Opfern sagte der Kreis Marburg-Biedenkopf die geplante karnevalistische Erstürmung des Landratsamts ab. Vor der Marburger Kreisverwaltung wurde Trauerbeflaggung gehisst. Landrätin Kirsten Fründt (SPD) betonte, es verbiete sich, jetzt zur Tagesordnung überzugehen und Karneval zu feiern. Statt der Erstürmung am Samstag soll es vor dem Erwin-Piscator-Haus um 12 Uhr eine Mahnwache und eine Demonstration geben.

Magistratswagen "Helau gegen Hass"

Der Rosenmontagszug in Marburg findet wie geplant statt. "Nach den Mahnwachen für die Opfer des Terroranschlags in Hanau und den Demonstrationen gegen Rassismus und Rechtsextremismus am Donnerstag und Samstag zeigen wir am Montag in Marburg, dass wir uns nicht zurückziehen und einschüchtern lassen", sagte Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) am Freitag.

Marburg stehe zusammen, gedenke zusammen und feiere auch mit allen zusammen, betonte Spies. Der Magistratswagen beim Karnevalsumzug soll aus aktuellem Anlass ein Banner mit der Aufschrift "Helau gegen den Hass. Marburg sagt Ja zu Vielfalt und Nein gegen Rassismus" tragen.

"Ein Zeichen setzen"

In Gelnhausen, Kreisstadt des Main-Kinzig-Kreises, in dem auch Hanau liegt, soll der am Samstag geplante Umzug stattfinden. Das hat der Magistrat am Donnerstag beschlossen. "Wir wollen damit ein Zeichen setzen", sagte eine Sprecherin der Stadt.

Nach Informationen des Großen Rats der Karnevalvereine in Frankfurt finden in Hessens größter Stadt ebenfalls beide Umzüge statt. Zu möglicherweise geänderten Sicherheitsvorkehrungen gab die Polizei keine Auskünfte. Der Umzug durch die Frankfurter Innenstadt ist für den Fastnachtssonntag geplant. Der vor allem bei Frankfurtern beliebte Umzug im Stadtteil Heddernheim ("Klaa Paris") findet am Faschingsdienstag statt.

Umzug findet statt, aber anders als sonst

In Kassel haben Stadt und Karnevalsgesellschaften das Programm geändert. Der Umzug vor der traditionellen Schlüsselübergabe an das Prinzenpaar soll zwar stattfinden, allerdings wollen die Veranstalter mit Botschaften im Zug auf den Terroranschlag eingehen. Die Flaggen sollen mit Trauerflor versehen werden, statt der üblichen Rathaussturm-Banner soll auf den Plakaten der Schriftzug "#Zusammen sind wir stark!" stehen. Die Konfetti-Kanone kommt nicht zum Einsatz, die Musik soll gedämpfter sein als sonst.

Die Närrische Stadtverordnetenversammlung am Sonntag wurde dagegen abgesagt. Mehrere Fraktionen hatten angekündigt, aufgrund der Ereignisse in Hanau nicht teilnehmen zu wollen. Stadtverordnetenvorsteher Volker Zeidler (SPD) sagte, die Absage sei ein Zeichen des Respekts "vor den Opfern des mörderischen Angriffs von Hanau".

"Bei den Angehörigen in diesen schweren Stunden"

Der Rathaus-Sturm in Friedberg am Freitag wurde wegen der Ereignisse in Hanau abgesagt. "Wir sind fassungslos und sind in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer und wünschen ihnen viel Kraft in diesen schweren Stunden", heißt es auf der Internetseite der Wetterau-Kreisstadt.

Auch die Stadt Gießen verzichtet auf die Rathauserstürmung, der Fastnachtszug am Sonntag soll aber stattfinden. Die Veranstalter denken über eine Schweigeminute aller Zugteilnehmer nach.

"Wahnsinnigen Idioten keine Plattform bieten"

Andernorts wird ebenfalls gefeiert. In Beselich-Obertiefenbach (Limburg-Weilburg) etwa haben die Narren am Donnerstag das Rathaus wie geplant erstürmt.

Auch in Wetzlar halten die Karnevalisten an ihren Plänen zum Rathaussturm am Samstag und zum Umzug am Sonntag fest. Am Faschingsdienstag finden die Umzüge in Heuchelheim (Gießen) und Friedberg statt, genau wie der Jubiläumsumzug zum 50-jährigen Bestehen des Narrenclubs Runkel-Wirbelau (Limburg-Weilburg).

An ihren Veranstaltungen festhalten wollen unter anderem auch Fritzlar (Schwalm-Eder), Wildeck-Obersuhl (Hersfeld-Rotenburg), Fulda, Dieburg, Seligenstadt (Offenbach). Dort will der Zugmarschall, der den Rosenmontagszug anführt, einen Trauerflor tragen - ebenso wie manche Umzugswagen. In Wiesbaden stand dies am Freitag noch nicht fest.

Der Heimatbund Seligenstadt, der Veranstalter des dortigen Umzugs, drückte auf seiner Homepage seine Trauer über den Anschlag von Hanau aus. Dennoch bestehe "Einigkeit, dass unsere Fastnacht weiter stattfindet. Für viele Besucherinnen und Besucher ist der Rosenmontagsumzug ein Highlight, ein paar vergnügte Stunden, Ablenkung vom Alltag". Der Vorsitzende des Dieburger Karnevalvereins, Günter Hüttig, betonte: "Wir wollen den wahnsinnigen Idioten keinerlei Plattform bieten."

Sendung: hr4, 21.02.2020, 8.30 Uhr

Hinweis: In einer früheren Version stand ein anderes Zitat eines Mitglieds des Heimatbunds Seligenstadt in Bezug auf Hanau. Der Verein betont, dass es keineswegs die Meinung im Verein wiedergab und auf einem Missverständnis beruht habe, und verweist auf die Erklärung auf seiner Homepage. Wir haben das Zitat daher entfernt.