Ein Fuldaer Karnevalist steht traurig auf der Straße, weil der Rosenmontagszug wegen Corona abgesagt wurde.

Die Rosenmontagszüge sind wegen Corona ausgefallen. Doch in Fulda und anderen Orten wollten die Fastnachter die fünfte Jahreszeit doch irgendwie würdigen.

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hessenschau vom 15.02.2021
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Normalerweise hält in Fulda zum Höhepunkt der Fastnacht der närrische Wahnsinn Einzug. Zehntausende Menschen feiern fröhlich in der Innenstadt, verfolgen bunt-kostümiert Hessens größten Rosenmontagszug in der Karnevalshochburg.

Doch statt der Massenveranstaltung herrschte diesmal Corona-Tristesse. Feiern verboten!

Einsamer Narr auf weiter Flur

Wo sich sonst Zug-Teilnehmer wie Fuß- und Musikgruppen sowie Motto-Wagen am Bahnhof sammeln, stand am Montag ein (fast) einsamer Narr auf weiter Flur.

Dort startet gewöhnlich um 13.33 Uhr der sogenannte Romo mit elf Böllerschüssem. Und dort begann Jan-Christoph Frühauf am Mittag seine Gedenkaktion. Bei seinem Fastnachts-Ersatzmarsch legte der 33-Jährige die rund 2,5 Kilometer Wegstrecke durch die Innenstadt zurück. Und zwar im Elferrats-Dress mit Mantel, Orden und Narrenkappe.

Neben einem Freund, dem Fuldaer Karnevalsprinzen von 2012, Alexander Schmitt, begleitete ihn auch viel Melancholie. "Frust und Traurigkeit sind dabei", beschrieb Frühauf seine Gefühlslage. Frühauf ist Mitglied des Romo-Ausschusses, der sich bei der veranstaltenden Fuldaer Karneval-Gesellschaft (FKG) um die Organisation des Umzugs kümmert.

Gute Laune nicht nehmen lassen

Doch Frühauf wäre nicht begeisterter Fastnachter, wenn er nicht trotzdem versuchen würde, Frohsinn zu verbreiten: "Wichtig ist in diesen schweren Zeiten, weiter positiv zu denken. Wir dürfen uns die gute Laune und Zuversicht nicht nehmen lassen." Er betonte aber auch: Die Absage der kompletten Fastnacht sei alternativlos gewesen.

Nur gut, dass sich Frühauf und alle Fastnachter emotional lange auf diesen rabenschwarzen Rosenmontag vorbereiten konnte. "Es tut viel mehr weh, wenn eine Absage kurzfristig kommt." So wie in den vergangenen Jahren, als Umzüge auch mal wegen des stürmischen Wetters abgesagt werden mussten. "So kann man versuchen, es heute mit Fassung zu tragen."

Pflege von Freundschaften fehlt

Doch Corona hat den Fastnachts-Freunden nicht nur ihren feucht-fröhlichen Höhepunkt an Rosenmontag genommen. Die komplette Session über hieß das (Mundart-)Motto eher "Föllsch Foll, daheim!" statt "Föllsch Foll, hinein!" Zu Hause feiern statt sich ins Getümmel zu stürzen - so lautet das Gebot. "Was besonders gefehlt hat, ist die vielen Fastnachts-Freundschaften zu pflegen", berichtete Frühauf.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ersatz-Programm am Corona-Rosenmontag

Fastnachtsumzug im Miniatur-Format in Hainzell
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Nach außen haben die Fastnachter trotz Corona-Pandemie versucht, präsent zu sein und Zeichen für die Zusammengehörigkeit zu setzen. Erst am Sonntag fuhren Mitglieder des Romo-Ausschusses Hilfsorganisationen ab, um Kräppel und Kamelle zu spenden. Empfänger waren unter anderem die Bahnhofsmission, die Obdachlosen-Speisung und die Kinderklinik.

Einkauf statt Einmarsch

Verkleidete Karnevalisten gehen im Supermarkt einkaufen.

Andere Fastnacht-Freunde in Fulda gingen sechs Wochen lang an jedem Wochenende für Menschen einkaufen, die wegen ihrer Zugehörigkeit zu Risikogruppen ein erhöhtes Infektionsrisiko tragen. "Einkauf statt Einmarsch" hieß die Aktion. Das bedeutete: helfen statt feiern. 120 Menschen wurden beliefert mit dem Service. Und weil im Kostüm geliefert wurde, bekamen die Adressaten auch etwas Karneval nach Hause.

In dieser coronabedingt ganz anderen Karnevalssession lief auch ganz viel online. Nicht nur bei der Fuldaer Karnevallgesellschaft, auch andere Vereine und Akteure lieferten unter dem Motto "Wir lieben Foaset" Beiträge. Zum Beispiel trat im Schatten der Bonifatius-Statue ein Büttenredner als Pony Fatius auf.

Viel Fastnacht online

Auch der Springerzug in Herbstein (Vogelsberg) musste abgesagt werden. Er ist einer der ungewöhnlichsten Umzüge mit einem närrischen Vortänzer in Reihe eins. Stattdessen produzierte die Fastnachtsvereinigung Herbstein Youtube-Videos.

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Offenbacher Fastnachtsumzug findet im Spielzeugformat statt
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Um sich über den Fastnachtsentzug hinwegzuhelfen, wurde in Offenbach gar ein Karnevalsumzug nachgebaut. Mitglieder des Offenbacher Karnevalverein (OKV) gestalteten ihn in Miniaturgröße mit Playmobil-Figuren.

Fastnacht im Mini-Format präsentierte auch der Hainzeller Carneval Verein aus dem Kreis Fulda. Die Mitglieder kreierten einen närrischen Lindwurm mit Spielzeug und hielten ihr Werk auch im Video mit viel Atmosphäre fest. In Großenlüder-Müs (Fulda) wurde ebenfalls ein Umzug im Schaufenster eines Frisörs dargestellt.

Wem das Miniatur-Format nicht reicht, der kann sich im Offenen Kanal Fulda Aufzeichnungen von Rosenmontagszügen der vergangenen Jahre anschauen. Fulda ohne Rosenmontag? "Das ist wie Brot ohne Kümmel", sagte Frühauf, der bei seinem Rundgang durch Fulda noch ein paar gleichgesinnte und verkleidete Fastnacht-Fans zufällig traf. "Das war kein Ersatz, aber besser als gar nichts", bilanzierte er.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 15.02.2021, 19.30 Uhr