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FBI spürt Drogendealer über Krypto-Handys auf

Sieben Mitglieder einer mutmaßlichen Drogen-Bande stehen in Frankfurt vor Gericht. Über eine Chat-App schrieben sie sich ihre Nachrichten. Doch in den USA las jemand immer mit.

Drei große Cannabis-Plantagen in Deutschland spielen eine Rolle, manipulierte Handys auch, und die US-Ermittlungsbehörde FBI hat ihre Finger dabei im Spiel: Mit dieser spektakulären Kriminalgeschichte befasst sich seit Freitag das Frankfurter Landgericht. Gegen sieben Männer ist dort ein Drogen-Prozess eröffnet worden.

Die mutmaßlichen Dealer sitzen in Untersuchungshaft. Sie haben der Anklage zufolge in der Zeit zwischen Frühjahr und Sommer des vergangenen Jahres drei Cannabis-Plantagen betrieben - in Frankfurt, Gelnhausen (Main-Kinzig-Kreis) und in Essen. Alleine in Frankfurt seien mehr als 1.800 Cannabis-Pflanzen sichergestellt worden. In Gelnhausen fanden die Ermittler 55 Kilogramm Marihuana.

Die Gruppe war nach den Erkenntnissen der Ermittler hierarchisch auf drei Ebenen gegliedert: Oben die Chefs, die sich auch um die Beschaffung vermeintlich abhörsicherer Handys gekümmert haben sollen. Auf der mittleren Ebene die Dealer. Und an der Basis die Gärtner, die Cannabis-Pflanzen pflegten und die Ernte erledigten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: gemeinschaftlicher und bandenmäßiger Drogenhandel mit professionellem Equipment.

Daten zur Ergreifung kamen vom FBI

Dass die deutsche Polizei die Verdächtigen festnehmen konnte, verdankte sie einer Falle. Gelegt hat sie das FBI: "Trojan Shield", also Trojanisches Schild lautete der Name der internationalen Aktion. Bei diesem ursprünglich geheimen Unternehmen brachte das FBI in kriminellen Kreisen Handys in Umlauf. Die Abnehmer hielten sie für abhörsicher. In Wirklichkeit waren es Kryptohandys, überwacht von Ermittlern in den USA.

Diese Handys müssen auch in die Hände der mutmaßlichen Dealer in Hessen und NRW gekommen sein. Über die darauf installierte Chat-App "Anom" haben sie laut Staatsanwaltschaft kommuniziert - zwar mit chiffrierten Namen, aber dennoch ungewöhnlich offen und detailreich. So sicher fühlten sie sich offenbar.

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Was ist Anom? Was sind Krypto-Handys?

Die App Anom (eigentlich "AN0M") war ein Chat-Client, ähnlich wie WhatsApp, aber ein Trick der US-Polizei FBI. Mehr als 12.000 angeblich verschlüsselte Handys wurden in die Kriminellen-Szene eingeschleust und konnten so abgehört werden. Es zählt zu einer der größten Polizeiaktionen überhaupt - angeblich seien Agenten beim gemeinsamen Biertrinken auf die Idee gekommen. Die Kolleginnen und Kollegen vom MDR erklären die Details in diesem Podcast.

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Wie die Chatprotokolle allerdings in die Hände der Staatsanwaltschaft in Frankfurt gelangten, blieb bislang nebulös. Nicht zuletzt, weil das FBI sich nicht öffentlich in die Karten schauen lassen will. Da setzt die Verteidigung an: Sie glaubt, dass die vorgelegten Beweise nicht legal erhoben worden sind - zumal offenbar mindestens ein weiterer Staat an der Erfassung der Chat-Daten und ihrer Weitergabe beteiligt gewesen sein soll.

Angeklagte schweigen, Daten vor Gericht umstritten

Einer der Verteidiger, der Rechtsanwalt Oliver Wallasch, legt sich gegenüber dem hr fest: "Das war eine verdeckte Polizeimaßnahme, die nicht rechtmäßig war." Man werde wohl nicht erfahren, ob die Aktion richterlich genehmigt gewesen sei. Und wenn ja, wo und in welchem Land.

Vor Gericht will der Verteidiger nun erwirken, dass die Daten nicht verwendet werden dürfen. Die Angeklagten schweigen bisher. Der Prozess soll bis Mitte März abgeschlossen sein.

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