Zwei Feuerwehrmänner stehen in voller Montur in dem Drahtkäfig der Teststrecke in Schwalmstadt.

Menschen aus einem brennenden Haus retten - das ist Aufgabe der Feuerwehr. Um sich für den Ernstfall zu rüsten, trainieren Einsatzkräfte unter möglichst realistischen Bedingungen. In Schwalmstadt steht jetzt eine der modernsten Anlagen für den Einsatz mit Atemschutzgeräten.

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Die Sicht ist schlecht, überall ist Rauch - es brennt. Man hört laute Schreie, Klopfen, Kreischen.

Zwei Feuerwehrleute rutschen im Schein ihrer Helmlampen auf Knien vorwärts, kriechen durch enge Käfige und öffnen Klappen aus Metall. "Achtung, es geht nach oben!" Marcel Ochs und Oliver Garde rufen sich kurze Kommandos zu und kämpfen sich schwer atmend eine steile Rampe hoch - in voller Montur, auf dem Rücken die Atemluftflasche. Gut 20 Kilogramm wiegt die komplette Ausrüstung.

Sieben verschiedene Streckenvarianten als Herausforderung

Was klingt wie ein Einsatz unter Lebensgefahr, ist zum Glück nur eine Übung. In Schwalmstadt-Ziegenhain (Schwalm-Eder) trainieren sogenannte Atemschutzgeräte-Träger der Feuerwehr für den Ernstfall. Für 2,7 Millionen Euro ist hier in den vergangenen Jahren ein neues Übungszentrum entstanden. Der graue Zweckbau beherbergt eine der modernsten Anlagen Deutschlands, erzählt Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar. Eine ehrenamtliche Planungsgruppe habe sie gestaltet. So seien die Erfahrungen aus vielen Jahren Ausbildungsarbeit eingeflossen.

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Was sind Atemschutzgeräte-Träger?

Atemschutzgeräte-Träger brauchen eine spezielle Ausbildung. Dazu müssen sie medizinisch in der Lage sein, ein Atemschutzgerät zu tragen. Hierfür machen sie alle zwei bis drei Jahre einen Gesundheitscheck. Zusätzlich absolvieren sie jährlich eine Atemschutzstrecke als Belastungsübung.

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Alle Landkreise und kreisfreien Städte haben eine eigene Anlage, circa die Hälfte der rund 71.000 hessischen Feuerwehrmänner und -frauen haben den Lehrgang zum Einsatz mit Atemschutzgerät absolviert, schätzt Harald Popp, Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbands.

Anders als die meisten Atemschutzstrecken kann die Schwalmstädter Anlage in sieben verschiedene Varianten umgebaut werden und so immer wieder ein neues Szenario simulieren. Das sei wichtig, da sich die 3.000 Atemschutzgeräte-Träger im Landkreis so nicht an bestimmte Abläufe gewöhnen könnten, erläutert Kreisbrandinspektorin Dittmar: "Wenn das jedes Jahr das Gleiche ist und ich weiß: 'Hier muss ich um die Ecke, da liegt eine Puppe, da steht ein Schaummittelkanister, den ich mitnehmen muss', ist das keine Belastungsübung mehr. Das ist so wie eine Feuerwehrübung im eigenen Haus."

Die Anlage im Schwalm-Eder-Kreis war in die Jahre gekommen und nach einem Wasserschaden unbrauchbar. Trainiert wurde seitdem mit Provisorien aus Sitzbänken im Feuerwehrhaus.

Schwere Aufgabe: Fitnesseinheit in voller Montur

Das ist jetzt nach zwei Jahren Bauzeit vorbei. Vor ihrem Parcours auf der neuen Übungsstrecke haben die Feuerwehrmänner Ochs und Garde bereits ein Fitnessprogramm absolviert. In voller Montur, mit Maske und Atemluftflasche simulieren sie die Belastung vor dem Einsatz. Hierfür geht es auf Endlosleiter, Laufband oder Ergometer. Man hört die Männer angestrengt atmen.

An Monitoren im Kontrollraum werden die Feuerwehrleute im Sportraum und auf dem gesamten Parcours überwacht. Ein Brustgurt misst den Puls, die Werte werden auf die Bildschirme übertragen. Falls Panik aufkommt, kann jederzeit geholfen werden.

Das Infrarotbild zeigt schemenhaft die beiden Feuerwehrmänner auf ihrem Übungsparcous.

Licht, Hitze, Lärm - Effekte für ein realistisches Einsatzszenario

Zum Beispiel, wenn in der Röhre die Luft wegbleibt. Der runde Tunnel soll simulieren, wie man sich durch den engen Lichtschacht eines Kellerfensters rettet, wenn der Rückweg durch das Treppenhaus versperrt ist, erklärt Jürgen Störmer, Leiter der Atemschutzübungsanlage. Doch auch wenn die Anlage vielfältig sei, könne man dennoch nicht alle gefährlichen Situationen an einer Einsatzstelle nachstellen.

Atemschutzstrecke Schwalmstadt

Für Feuerwehrmann Ochs ist das Training aber nah dran an der Realität. Durch Effekte wie Stroboskoplicht, Hitze, das lodernde Feuer und den ohrenbetäubenden Lärm sei es deutlich realistischer als in der alten Übungsanlage. Ochs und Garde haben ihre jährliche Belastungsübung bestanden, den Parcours in der vorgegebenen Zeit geschafft und sind fit für den nächsten Einsatz.

Aber was, wenn man den Test nicht besteht? Kreisbrandinspektorin Dittmar sieht im Scheitern eine Lebensversicherung. Wer nicht fit genug sei, müsse beim Sportprogramm noch eine Schippe drauflegen: "Wenn man das hier nicht schafft, ist das maximal ärgerlich. Wenn man im Einsatz so einen Einbruch hat, kann das lebensgefährlich sein", so Dittmar.

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