Der in Flammen stehende Dachstuhl.

Ein Feuer hat den Dachstuhl des historischen Oberforsthauses in Frankfurt völlig zerstört. Das fast 300 Jahre alte Kulturdenkmal am Stadtwald ist einsturzgefährdet. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

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hessenschau vom 09.07.20212
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Nachdem der Dachstuhl des historischen Oberforsthauses in Frankfurt am Donnerstag abgebrannt ist, ermittelt die Polizei wegen Brandstiftung. Darauf deuten erste Untersuchungen hin, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Unklar sei noch, ob das Feuer absichtlich oder fahrlässig gelegt wurde. Die Ermittler hätten vor Ort umfangreiches Spurenmaterial gesichert, das nun im Labor untersucht werde - unter anderem auf Brandbeschleuniger.

60 Helfer im Einsatz

Am Donnerstagabend gegen 22 Uhr hatten die ersten Notrufe die Frankfurter Feuerwehr erreicht. Als die Einsatzkräfte wenig später eintrafen, brannte der Dachstuhl des fast 300 Jahre alten Gebäudes auf einer Länge von 25 Metern, wie die Feuerwehr mitteilte. Es entwickelte sich viel Rauch.

Per Drehleiter und vom Boden aus bekämpften die Feuerwehrleute den Brand. Nach rund eineinhalb Stunden waren die Flammen gelöscht, einzelne Glutnester hielten sich bis 1 Uhr in der Nacht. Mit knapp 60 Einsatzkräften und 15 Fahrzeugen waren Feuerwehr und Rettungsdienst vor Ort. Teile des Gebäudes seien nach dem Brand einsturzgefährdet. Verletzt wurde niemand. Zum Schaden machte die Polizei zunächst keine Angaben.

"Unglaublicher Funkenflug"

Mitglieder eines Frankfurter Schützenvereins, deren Vereinshaus direkt neben dem Oberforsthaus liegt, hatten das Feuer zuerst gemeldet. Sie hatten den Brand nach einer Sitzung am Abend bemerkt. "Der Dachstuhl stand ganz zügig in Flammen, es gab einen unglaublichen Funkenflug", schildert Peter Dick, zweiter Vorsitzender des Schützenkorps Oberforsthaus, dem hr. Auch die Wärme habe man gespürt.

Alle seien geschockt gewesen, so Dick. Der Brand berühre ihn: "Hier geht ein ganzes Stück Geschichte - ich sag es mal auf Frankfurterisch - die Bachgass runter." Man habe sich nicht rechtzeitig um das Gebäude gekümmert, bemängelt er angesichts des schlechten Zustands des Oberforsthauses.

Feldmann: "Kleinod liegt schon viel zu lange brach"

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zeigte sich bestürzt über den Brand am Oberforsthaus. "Sollte es sich um Brandstiftung handeln, muss mit Hochdruck nach dem oder den Tätern gefahndet werden", schrieb Feldmann auf Facebook. "Unabhängig davon liegt dieses Kleinod am Rande unseres Stadtwalds schon viel zu lange brach."

Die Erinnerung an diesen historischen Ort, an dem unter anderem Goethe einkehrte, müsse für künftige Generationen erhalten bleiben. In welcher Form dies geschehen kann, werde davon abhängen, ob das Gebäude zu retten sei, erklärte Feldmann.

Wie es darum steht, war am Nachmittag klar. Das Frankfurter Baudezernat teilte dem hr mit, dass erst nach Untersuchungen Aussagen zum Zustand des Gebäudes getroffen werden können.

Schon Goethe zu Gast

Das 1729 erbaute Oberforsthaus am Rande des Stadtwalds ist eines der bekanntesten Kulturdenkmäler Frankfurts. Es ist der letzte verbliebene Teil eines Ensembles, das als Forstverwaltung und beliebter Gasthof diente. Auch Johann Wolfgang von Goethe war im 19. Jahrhundert dort zu Besuch.

Schwarz-Weiß-Foto des Gebäudeensembles Oberforsthaus in Frankfurt

Die anderen Gebäude wurden bereits in den 1960er Jahren abgerissen. Übrig blieb nur der ehemalige Reitstall, der inzwischen verfallen ist. Seit Jahren sucht die Stadt einen Investor für das Gelände nahe des Waldstadions.

Projekte, das denkmalgeschützte Gebäude in ein Hotel umzuwandeln, scheiterten. Zuletzt war dem Baudezernat zufolge eine Nutzung im medizinischen Bereich im Gespräch, die eine denkmalgerechte Sanierung des Bestandsgebäudes mit Ergänzung durch ein Nebengebäude vorsah.

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