Die Feuerwehrgewerkschaft DFeuG fürchtet an Silvester vermehrt Übergriffe auf Einsatzkräfte.
Die Feuerwehrgewerkschaft DFeuG fürchtet an Silvester vermehrt Übergriffe auf Einsatzkräfte. Bild © picture-alliance/dpa

Rettungskräfte werden immer wieder zu Opfern gewalttätiger Übergriffe. Eine Feuerwehrgewerkschaft hat deshalb Polizeischutz für Einsätze an Silvester verlangt – und stößt damit in Hessen auch in den eigenen Reihen auf Ablehnung.

In Hessen ist Gewalt gegen Einsatzkräfte schon länger ein Thema. Anfang des Jahres demonstrierten in Frankfurt hunderte Einsatzkräfte für mehr Respekt und Solidarität, das Strafmaß für derartige Attacken wurde auf bis zu sechs Monate Haft erhöht. Die Deutsche Feuerwehrgewerkschaft (DFeuG) geht jetzt noch einen Schritt weiter: Sie fordert an Silvester Polizeischutz für Feuerwehreinsätze.

"Immer mehr Kollegen haben Schwierigkeiten, weil sie im Einsatz bedroht werden", sagte Siegfried Maier, stellvertretender Bundesvorsitzender und Bayern-Chef der Gewerkschaft. An Tagen wie Silvester müsse darum künftig eine Polizeistreife standardmäßig Feuerwehr-Einsätze begleiten.

"Viele Massen, viel Alkohol, viel Spaß", sagte Maier. "Regelmäßig werden die Einsatzfahrzeuge mit Raketen beschossen." Auch wenn seine Forderung viel zusätzliches Polizei-Personal bedeute: "Ich halte es für sehr schwer - aber möglich."

Feuerwehrverband: "Nicht notwendig"

In Hessen erntet der Vorstoß der DFeuG allerdings viel Widerspruch - auch aus den eigenen Reihen. Der Landesfeuerwehrverband hält einen solchen Geleitschutz für schlicht "nicht notwendig und auch nicht machbar", wie Geschäftsführer Harald Popp am Freitag im Gespräch mit hessenschau.de sagte. Ohnehin sei bei geschätzt 90 Prozent aller Einsätze Polizei vor Ort. Und wenn es dennoch brenzlig werden sollte, könnten die Einsatzkräfte ja immer noch die Polizei rufen.

Auch Erik Brumm, Chef der hessischen Fachgruppe Feuerwehr bei der Gewerkschaft Verdi, hält wenig von dem Vorschlag der recht jungen DFeuG. "Wir wollen keine Feuerwehrpolizei sein", sagte er dem hr. Und wenn es brennt in der Silvesternacht: "Dann fahren wir hin und löschen. Ohne Polizei-Eskorte. Wir wollen das nicht, und die Polizei will es auch nicht."  

Auch Polizeigewerkschaft erteilt Absage

Die Polizeigewerkschaft GdP findet sehr deutliche Worte für die Forderung nach Geleitschutz: "Das kommt überhaupt nicht in Frage", sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Jens Mohrherr. Und schon gar nicht an Silvester. "In dieser Nacht sind alle verfügbaren Kräfte auf der Straße." Da gebe es schlicht keine Ressourcen, "da stehen wir mit dem Rücken zur Wand.“

Das hessische Innenministerium teilte auf Anfrage am Freitag mit, dass eine dauerhafte polizeiliche Begleitung der hessischen Feuerwehren an Silvester nicht möglich sei. Aber die Polizei und betroffene Wehren stünden an Silvester in dauerhaftem Austausch. Zurzeit sei in Hessen auch keine signifikante Zunahme von Gewalt gegen Feuerwehrkräfte zu verzeichnen

Konsens besteht darüber, dass Angriffe auf Einsatzkräfte generell ein Problem darstellen. In Bischofsheim und Bad Hersfeld wurden in diesem Jahr Sanitäter im Einsatz geschlagen, in Wiesbaden lösten Unbekannte während eines Einsatzes Radmuttern eines Rettungswagens.

Hessen plant Meldesystem

Allerdings gibt es bislang kaum belastbare Zahlen, da nur die Vorfälle registriert werden, die auch zu einer Anzeige bei der Polizei geführt haben. Im letzten Jahr wurden laut Innenministerium 61 Übergriffe angezeigt, 2016 waren es noch 81, 2015 sogar 90. "Die Dunkelziffer ist sicher deutlich höher", erklärte Harald Popp vom Landesfeuerwehrverband. Siegfried Maier von der DFeuG fordert deswegen ein einheitliches Meldesystem, um möglichst alle Vorfälle zu erfassen.

In Hessen soll es ein solches Meldesystem bald geben. Das Innenministerium plant eine Plattform, auf der Einsatzkräfte freiwillig angeben können, was sie so erlebt haben. "Je mehr wir darüber wissen, desto besser können passgenaue Präventionsangebote für Helferinnen und Helfer entwickelt werden", sagte Innenminister Peter Beuth (CDU) vergangene Woche der FAZ.

Sendung: hr1, 30.11.2018, 12.50 Uhr