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"Man fühlt sich sehr hilflos": Feuerwehrmann berichtet von Großbrand-Einsatz

Zwei Brände bei Dillenburg haben am Wochenende zu einem Großeinsatz geführt. 330.000 Quadratmeter waren betroffen, mehr als 1.000 Einsatzkräfte vor Ort. Fabian Herr von der Feuerwehr Dillenburg berichtet, warum er sich selbst als langjähriger Feuerwehrmann hilflos gefühlt hat.

Gleich gegen mehrere große Waldbrände hat die Feuerwehr am Wochenende in Hessen löschen müssen. Durch 33 Hektar fraßen sich die Flammen bei Haiger und Dillenburg (Lahn-Dill). Weit mehr als 1.000 Einsatzkräfte konnten die Feuer bis Sonntag unter Kontrolle bringen, wobei mehrere verletzt wurden.

Fabian Herr von der Feuerwehr Dillenburg war auch vor Ort. Er erzählt, warum er so etwas in zwölf Dienstjahren noch nicht erlebt hat und was diesen Einsatz so anstrengend machte.

hessenschau.de: Herr Herr, bei den Bränden in Dillenburg waren insgesamt 330.000 Quadratmeter betroffen. Haben Sie so einen Brand schon mal gesehen?

Fabian Pressesprecher der Feuerwehr Dillenburg, vor einem Einsatzfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr.

Fabian Herr: In dieser Größe und in diesem Ausmaß noch nicht, nein. Es ist erst mal so, dass man sich sehr hilflos fühlt. Mein erster Gedanke war: "Wo sollen wir anfangen? Kriegen wir das überhaupt aus?". Andere Feuer, gerade Wohnhausbrände, sind lokal begrenzt, sodass man einen Anfang und ein Ende hat. Aber hier hat man im ersten Moment keinen Anfang und kein Ende gesehen.

hessenschau.de: Wie haben Sie sich dabei gefühlt, die Lage nicht direkt unter Kontrolle zu haben?

Herr: Man fühlt sich im ersten Moment ein bisschen klein. Also man steht davor und weiß gar nicht so richtig, wie man das bewältigen soll. Das ist wirklich ein Eindruck, den ich so auch noch nicht hatte und der mich ein bisschen überrascht hat. Als wir ans Feuer kamen, war dieser Eindruck dann immer größer.

hessenschau.de: Der Brand entstand in Wäldern auf schwer zugänglichem Gelände. Wie löscht man ein solches Feuer?

Herr: Beim ersten Brandgebiet, an dem das Feuer ausgebrochen war, hatten wir noch die Schwierigkeit, dass es ein sogenannter Bannwald war. Es war also ein Totholz-Wald, der nicht bewirtschaftet wurde. Heißt: Wir hatten keine Zugänge und mussten uns mit schwerem Gerät einen Zugang schaffen. Es hat knapp eineinhalb Stunden gedauert, bis wir in unserem Bereich am Feuer dran waren und das erste Mal wirklich löschen konnten.

Rauchsäule über Waldgebiet

hessenschau.de: Sie waren mit hunderten Feuerwehrleuten drei Tage im Einsatz. Wie hart ist diese Arbeit?

Herr: Die Arbeit ist natürlich sehr, sehr hart. Es ist zum einen die körperliche Arbeit, weil man mit Handwerkzeug wirklich auch graben und Teile aus dem Weg räumen muss. Zum anderen sind da die Hitze und Trockenheit. Hinzu kommt natürlich auch die Hitze von dem Feuer, die auf einen einwirkt. Wir sind hier in einem sehr hangigen Bereich. Da muss man sehr viel Weg zurücklegen und sehr viele Höhenmeter machen. Das ist körperlich wirklich sehr, sehr anspruchsvoll.

hessenschau.de: Das Feuer ist noch nicht ganz aus, aber unter Kontrolle. Sind Sie erleichtert?

Herr: Man ist schon auf einer gewissen Art und Weise erleichtert, dass das große Feuer jetzt herum ist. Aber gerade der Samstag hat uns gezeigt: Wenn es sehr ruhig ist und man kein offenes Feuer mehr sieht, können trotzdem noch kleinere Brandstellen aufkommen. Es geht also immer ein bisschen die Angst mit, dass das jederzeit irgendwo wieder aufflammen kann, auch an anderen Stellen.

hessenschau.de: Noch ist unklar, wie das Feuer entstanden ist. Aber haben Sie einen Ratschlag: Was sollte man im Wald unbedingt beachten?

Herr: Wir sind gerade in einer Zeit, in der der Wald und die ganze Natur sehr, sehr trocken sind. Da muss man sehr umsichtig mit dem Wegwerfen von Flaschen, von Zigaretten oder bei wilden Lagerfeuern sein, weil die Sache sehr schnell außer Kontrolle geraten kann. Deswegen wäre es mein Wunsch, dass die Bevölkerung da ein bisschen sensibler ist.

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