Collage: Links der Blick in einen Gang des alten Bunkers in Kassel, Rechts Filmrollen in einem Regal

Während in Frankfurt zwei Bunker aufwendig abgerissen werden, nutzt man anderswo das Potential der massiven Bauwerke. Ob als Lager für Filmschätze oder als Raum für ein Rechenzentrum, kreative Beispiele finden sich in Hessen viele.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wie Bunker heute genutzt werden

Gedenkstätte im Hochbunker an der Friedberger Anlage in Frankfurt von außen
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Sie wurden erbaut, um jedem Versuch der Zerstörung zu trotzen. Auch heute noch finden sich in Hessens Städten beim genaueren Hinsehen dutzende Bunker. Doch für ihren eigentlichen Nutzen - den Schutz der Bevölkerung vor Angriffen - werden sie heute glücklicherweise nicht mehr gebraucht. Damit stellt sich die Frage: Was tun mit den massiven Relikten aus Kriegszeiten?

Aufwendig abreißen und den freigewordenen Platz für etwas Neues nutzen ist die eine Möglichkeit. Doch das ist alles andere als einfach, wie aktuell in Frankfurt zu sehen ist. Bei Sprengungen an einem Bunker im Ostend lösten sich ungewollt große Brocken, die Bauarbeiten mussten vorerst gestoppt werden. Auch der Frankfurter Bunker, in dem das Explora-Museum seine Räume hatte, soll noch in diesem Jahr abgerissen werden. 

Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit: Mit viel Fantasie und teils aufwendigen Arbeiten lassen sich die Bunker heute auf vielfältige Weise nutzen, wie unsere Beispiele aus ganz Hessen zeigen:

Wohnen auf dem Bunker (Frankfurt)

Aufbau statt Abriss: In Frankfurt-Griesheim wollten die Architekten neuen Wohnraum schaffen. Der Bunker sollte dafür allerdings nicht weichen. Deswegen nutzten sie ihn als stabiles Fundament für ihr außergewöhnliches Bauprojekt. Drei Jahre nach Beginn der Planungen sind auf dem Dach des Bunkers acht Penthouse-Wohnungen entstanden. Die ersten Mieter sind 2013 eingezogen.

Wohnhäuser auf Bunker in Frankfurt-Griesheim

Die erhöhte Lage auf 14 Metern hat ihre Vorteile: Von hier aus blickt man sowohl auf die Skyline als auch auf den Taunus. Doch der Bau brachte auch Schwierigkeiten mit sich, vor allem bei der Verlegung der Versorgungsleitungen, zum Beispiel für Wasser. An einer Kernbohrung durch die drei Meter dicke Decke des Bunkers führte für die Architekten kein Weg vorbei.

Ein ähnliches Projekt gab es auch in Offenbach. Dort wurde ein komplettes Einfamilienhaus auf einem der Hochbunker gebaut. Auch das Wohnen im Bunker ist immer beliebter geworden. So sind in den letzten Jahren Hochbunker in Kassel, Offenbach und Frankfurt ausgebaut worden. Vor allem die meterdicken, fensterlosen Wände machen die Bauarbeiten dabei zur Herausforderung.

Den Spitzbunker erklimmen (Gießen)

Als die Bleidorn-Kaserne in Gießen in sozialen Wohnraum umgewandelt wurde, hatte man für die beiden Bunker auf dem Gelände zuerst keine Verwendung. Doch einige Studierende der Justus-Liebig-Universität kamen auf die Idee, einen der Spitzbunker zum Kletterturm umzubauen.

Fast eineinhalb Jahre planten und bauten sie, unter anderem unterstützt vom Deutschen Alpenverein. Rund 300 Griffe wurden in die dicken Betonmauern des 17 Meter hohen Turms geschraubt. 2001 eröffnete der "Kletterbunker", inzwischen ist er wieder geschlossen.

Rechenzentrum unter der Erde (Fulda)

Im Tiefbunker sorgen dicke Wände und die unterirdische Lage für ein gleichmäßig kühles Klima. Das hat sich die Stadt Fulda zu Nutze gemacht und ihr Rechenzentrum im vergangenen Jahr in die Tiefe verlegt. Zur vollständigen Kühlung reicht das zwar nicht, aber zumindest werde so Energie gespart, sagt die Stadt. Der Bunker habe außerdem noch einen weiteren Vorteil: Er biete alle Voraussetzungen, um die Sicherheitsansprüche eines modernen Rechenzentrums zu erfüllen.

Mit der Wärme, die durch die Maschinen entsteht, wird außerdem eine Halle im selben Gebäudeteil beheizt. Im vergangenen Herbst hat das Projekt bei einem Wettbewerb hessischer Kommunen den ersten Platz im Bereich "Klimaschutz" gewonnen.

Lager für Filmschätze (Wiesbaden)

Doch nicht nur für die Technik sind gleichmäßige Temperaturen und die konstante Luftfeuchte im Tiefbunker ideal. In Wiesbaden nutzt man das Klima für die Lagerung eines ganz besonderen Schatzes: Rund 75.000 Filmbüchsen liegen hier in den Regalen, darunter Klassiker wie "Metropolis". In erster Linie sind es deutsche Filme aus den 1930ern und 40ern, dazwischen finden sich aber auch Stummfilme.

Filmrollen lagern in Bunker in Wiesbaden

Die Sammlung wird von der Murnau-Stiftung verwaltet, die auch noch einen zweiten Bunker in Wiesbaden nutzt. Direkt unter der Innenstadt lagern noch einmal rund 34.000 Filmrollen.

An die Geschichte erinnern - Gedenkstätte (Frankfurt)

Der Hochbunker an der Friedberger Anlage in Frankfurt hat eine besondere Geschichte. Die Nazis ließen ihn mitten im Zweiten Weltkrieg von Zwangsarbeitern bauen - auf den Überresten einer Synagoge, die in der Reichspogromnacht 1938 zerstört wurde. Heute werden in den Räumen verschiedene Ausstellungen gezeigt, die Einblicke in das jüdische Leben von damals geben. Seit 2004 kümmert sich die "Initiative 9. November" darum, die Erinnerung an diesem Ort wachzuhalten.

Gedenkstätte in Frankfurter Bunker

Aktuell wird geprüft, ob die Gedenkstätte weiter ausgebaut werden kann, zu einer Art Museum. Doch dafür müsste der Bunker renoviert werden, damit zum Beispiel Fluchtwege und der Brandschutz den aktuellen Bestimmungen entsprechen. Auch Toiletten müssten nachgerüstet werden. Die Stadt Frankfurt hat dazu eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Auch in Wiesbaden dient ein Bunker als Gedenkstätte. Er steht auf dem Gelände eines ehemaligen Konzentrationslagers und wurde von den Häftlingen erbaut. Ihre Bewacher fanden dort Schutz vor Luftangriffen, die Häftlinge durften den Bunker nicht betreten. Eine Ausstellung erinnert heute an diese Zeit.

Einblick in das Bunkerleben (Kassel)

Suppenteller, Löffel, Kaffeetasse, Handtuch, Decke und eine Rolle Klopapier - so sah die Erstausstattung aus, die in Kassel für jeden Bunkernutzer bereit lag. 3.700 Menschen hätten hier Schutz gefunden, doch der Ernstfall trat zum Glück nie ein. Erst als 1989 die Mauer fiel, füllten sich die Räume: Für die Besucher aus der DDR gab es in Kassel nicht genug Schlafplätze, also brachte man sie hier unter.

Dunkler Gang in Bunker in Kassel

Dank eines engagierten Feuerwehrmanns kann man sich den Tiefbunker heute ansehen. Nach einem Wasserschaden war Schimmel gewuchert, der Bunker blieb jahrelang gesperrt. Thomas Schmidt hat ihn in monatelanger Arbeit gereinigt. Bis August bietet der Feuerwehrverein nun Führungen an.