Eine Fleischfliege.
Eine Fleischfliege. Bild © Imago

Sobald man das Haus verlässt, sind sie da: Fliegen. Im Gründauer Stadtteil Lieblos leiden die Einwohner unter einer Ungeziefer-Plage. Die Ursache ist unklar - es gibt lediglich einen Verdacht.

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Regen und Wind - so sieht derzeit gutes Wetter für Gerald Helfrich aus, den parteilosen Bürgermeister von Gründau (Main-Kinzig). Aber so wird es nicht bleiben, der Sommer hat ja noch gar nicht angefangen. "Bei gutem Wetter ist es wirklich schwierig, sobald man nur kurz mal draußen ist", berichtet er. Denn dann kommen die Fliegen.

Seit etwa drei Jahren werden der Gründauer Ortsteil Lieblos und seine 3.900 Einwohner von den Insekten heimgesucht, und es werden jedes Jahr mehr. Für manche Anwohner sind die Tiere nicht nur lästig, sie kosten auch bares Geld.

"Fliegengipfel" im Rathaus

Heinz Georg Bechtold, dem die Gaststätte "Zum Bierschorsch" gehört, berichtet beispielsweise, dass er in den vergangenen Wochen weniger Gäste habe. "Sobald man sich in den Biergarten setzt, kommen sofort 15 Fliegen angeflogen", sagt er. Und nicht nur dort: "Wenn wir in der Küche ein Stück Fleisch aufs Fleischbrett legen, ist es sofort voller Fliegen."

Woher die Plage auf einmal kommt, ist "noch überhaupt nicht geklärt", berichtet Bürgermeister Helfrich. Vor kurzem gab es sogar einen zweistündigen "Fliegengipfel" im Rathaus, mit Bürgermeister, Vize-Landrätin, und auch mit Vertretern des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft und des Entsorgungsunternehmens Veolia, die einen Kilometer vom Lieblos entfernt einen Kompostierplatz betreiben. Viele haben den Platz als Auslöser der Fliegenplage im Verdacht.

Experten prüfen

Allerdings ist die Kompostierungsanlage seit 20 Jahren technisch unverändert, und das Problem gibt es erst seit kurzem. Möglich wäre also höchstens, dass dort neue Produkte verarbeitet werden.

Die Verantwortlichen sind jedenfalls entschlossen, das Problem bei der Wurzel zu packen: Der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft hat Proben der Insekten an einen Biologen gesandt, zudem untersucht ein Fachmann für die Gemeinde die Fliegen. Ein ganzer Maßnahmenkatalog soll erarbeitet werden.

Bürgermeister empfiehlt: Essensreste in Zeitungspapier

Bis dahin bleibt nur die Symptombekämpfung. Während der Bürgermeister empfiehlt, Essensreste vor dem Einwurf in die Biotonne in Zeitungs- oder aufsaugendes Papier zu wickeln, damit sich weniger Maden bilden, hat Gastwirt Bechtold in seiner Gaststätte schon mehrere Fliegenfallen ausprobiert - etwa eine elektrische Falle, oder ein Licht mit Klebefolie.

Auch die klassischen Klebefolien hat er schon aufgehängt - "aber die kann man ja jeden Tag auswechseln, so viele Fliegen sind das". Er hofft jetzt auf die Politik und auf schnelle Abhilfe: "Irgendwas muss ja geschehen. Wenn das jetzt den ganzen Sommer so weiterginge, das wäre ja Wahnsinn."