Zwölf Mal feuerte ein Polizeibeamter mit seiner Dienstwaffe. Ein Flüchtling, der in Fulda vor einer Bäckerei randaliert hatte, starb. Anzeichen für ein Tötungsdelikt sieht die Staatsanwaltschaft auch nach erneuter Überprüfung des Falls nicht.

Audiobeitrag

Audio

Audioseite Geflüchteten erschossen: Verfahren gegen Polizisten erneut eingestellt

Zersprungene Scheibe der Bäckerei in Fulda
Ende des Audiobeitrags

Die Staatsanwaltschaft Fulda hat das Verfahren gegen einen Polizeibeamten wegen tödlicher Schüsse auf einen 19 Jahre alten Asylbewerber zum dritten Mal eingestellt.

Matiullah J. hatte vor rund drei Jahren am frühen Morgen vor der Öffnung einer Backerei in Fulda unter anderem mit Steinwürfen randaliert und dabei auch einen Lieferanten sowie einen alarmierten Polizisten schwer verletzt. Bei dem Polizeieinsatz erschoss ein Beamter des zweiten eingetroffenen Streifenwagens schließlich den Randalierer. Der Angreifer soll, so lässt es die Schuss-Entfernung von 150 Metern vermuten, vor den Polizisten geflohen sein.

Insgesamt zwölf Schüsse wurden aus der Dienstwaffe abgefeuert - vier Kugeln trafen Matiullah J., zwei Schüsse davon waren laut der damaligen Obduktion tödlich, sie gingen in den Bauch- und Brustbereich.

Tat wieder als Notwehr eingestuft

Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte, gehen die Ermittler bei dem Einsatz im April 2018 weiterhin von Notwehr des Polizeibeamten aus. Es hätten sich auch nach der erneuten Befragung der am Einsatz beteiligten Polizisten keine "erheblich abweichenden" Erkenntnisse ergeben, so die Sprecherin.

Im Februar 2019 hatte die Polizei das Verfahren gegen den Polizisten wegen eines Tötungsdelikts erstmals als Notwehr bewertet und eingestellt. Dagegen hatten die Eltern des Getöteten Beschwerde eingelegt. Die Ermittlungen wurden zum zweiten Mal aufgenommen, als im März 2019 ein von Passanten gefilmtes Handy-Video vom Einsatzort auftauchte und an die Staatsanwaltschaft übergeben wurde.

Vierte Beschwerde möglich

Nachdem auch diese Ermittlungen zum gleichen Ergebnis führten, legte der Bruder des Getöteten im August 2020 abermals Beschwerde ein. Doch auch nach dem jetzigen Ergebnis der Staatsanwaltschaft ist das Verfahren womöglich noch nicht beendet - rein theoretisch könnten die Angehörigen erneut gegen die Einstufung des Vorgehens als Notwehr vorgehen.

Bereits unmittelbar nach dem Einsatz im April 2018 hatte das Vorgehen des Polizisten für Kritik gesorgt. Der Verein der kritischen Polizisten hatte dem Beamten Unverhältnismäßigkeit vorgeworfen. Geflüchtete, die damals mit dem erschossenen Asylbewerber in einer nahe gelegenen Unterkunft wohnten, hatten anschließend gegen den Polizeieinsatz demonstriert.

Der 19-Jährige war zuvor bereits polizeibekannt. Laut Staatsanwaltschaft war er wegen Drohung und Körperverletzung angeklagt.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen