Fluthelfer Wilhelm Hartmann und eine Statue, die ihm zu Ehren im Ahrtal enthüllt wurde

Ein Unternehmer aus Fulda zog nach der Flutkatastrophe im Ahrtal ein Containerdorf auf - und drohte auf den Kosten sitzen zu bleiben. Das scheint nun abgewendet. Schon denkt Wilhelm Hartmann an neue Projekte.

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Audioseite Fluthelfer aus Hessen bekommt Geld zurück

Fluthelfer Wilhelm Hartmann aus Fulda vor einem Fahrzeug
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Die vergangenen Wochen waren für einen Fluthelfer im Ahrtal (Rheinland-Pfalz) ein Wechselbad der Gefühle. "Mit Schleudergang auf Stufe fünf", präzisiert Wilhelm Hartmann. Der emsige Gartenbau-Unternehmer aus Fulda kam sich selbst im Regen stehen gelassen vor, nachdem er nach der Hochwasser-Katastrophe geholfen hatte. Doch die Sache scheint gut auszugehen.

250.000 Euro investierte Hartmann nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten für die Menschen im Ahrtal: zum Beispiel in Bau und Betrieb eines Container-Dorfs für obdachlos gewordene Menschen und für Helfer sowie in ein Zelt als Zwischenlager für Baustoffe und Material. Der Unternehmer half früher auch schon beim Elbe-Hochwasser in Ostdeutschland. Er sagt von sich: "Ich habe ein Helfer-Syndrom."

Fluthelfer geriet selbst in Not

Als Hartmann nach Monaten des Engagements fragte, wann er für die Hilfsleistungen und Investitionen Geld zurückbekomme, bekam er von den rheinland-pfälzischen Behörden zunächst keine Antwort. Dabei hatte ihm der Ortsvorsteher in Walporzheim, dem Stadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler, wo er sich engagierte, die Notwendigkeit seiner Hilfen mündlich bestätigt. Hartmann drohte auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Nach langer Ungewissheit bekam Hartmann nun die Zusicherung, dass er Geld zurückerhält. "Es gibt vollen Kostenausgleich. Nicht alles auf einmal zurück - aber zumindest schon mal eine erste Abschlagszahlung", sagte er am Montag dem hr. Am Wochenende hatte Ahrweilers Vize-Landrat Horst Gies (CDU) das bereits angekündigt, wie der SWR berichtete.

Diese Zusicherung kam gerade noch rechtzeitig. Am Freitagabend hatte Hartmann noch über Facebook gemeldet, dass er sich gezwungen sehe, seine Hilfe einzustellen. Und: Er wolle das nach ihm benannte Container-Dorf Wilhelmshafen und das Baustoffzelt Ende des Monats abbauen.

"Herz gebrochen, Glaube zerstört"

Vor allem eine Mail von den Behörden aus dem Ahrtal hatte ihn fassungslos gemacht. Darin stand: "Bei der Finanzierung Ihres Projekts handelt es sich um eine Billigkeitsleistung, auf die kein Rechtsanspruch besteht." Hartmann schrieb danach an seine Social-Media-Community, sein Herz sei gebrochen und sein "Glaube an so manches zerstört". Angesichts der bürokratischen Hürden wolle er aufgeben.

Vize-Landrat Gies bewegte Hartmann in einem Gespräch am Samstagmorgen dazu, seine Arbeit fortzusetzen. Dieser versicherte ihm, dass er Aussagen der Behörden missverstanden haben müsse. Hartmanns Miene verrät, dass er das nicht für sonderlich glaubhaft hält. Aber wichtiger ist für ihn das Resultat: Der Unternehmer mit 140 Beschäftigten bekommt sein Geld zurück. Sein Engagement hatte er mit Privatvermögen und aus Betriebsmitteln gestemmt.

Holzstatue für "Kaiser Wilhelm"

Die Erleichterung ist für Hartmann riesengroß, wie er sagt. Am Samstag gesellten sich noch weitere Gefühle hinzu. Ihm zu Ehren wurde in Walporzheim eine aus Holz geschnitzte, lebensgroße Statue enthüllt. Die Worte "Kaiser Wilhelm 2021" und "Danke" prangen darauf. "Das hat mich berührt und stolz gemacht."

Doch Hartmann ist kein Typ, der sich feiern lässt. Er denkt schon an die nächsten Aufgaben. Das Containerdorf und das Baustoffzelt werden im November umgesetzt. Im Fall eines erneuten Hochwassers stünden sie ungünstig. Dann, berichtet Hartmann, soll auch ein Möbellager entstehen. Dort können sich Hochwasser-Opfer mit Inventar eindecken.

"Die Arbeit ist noch lange nicht getan", betont Hartmann. Er will mindestens bis zum Sommer 2022 weitermachen. Sein Engagement will er sich dann aber mit einem Betreibervertrag absichern lassen - damit er nicht erneut in ein Wechselbad der Gefühle gerät.

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