Foto des gefundenen Vogelfossils in Großaufnahme. Auffällig ist, dass das Gefieder ungewöhnlich gut erhalten ist.

Sehr gut erhaltene Fossilien sind das Markenzeichen der Grube Messel. Doch ein aktueller Fund lässt selbst die Messeler Forscher staunen. Zudem haben sie wohl eine neue Vogelgattung entdeckt.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gut erhaltener Urvogel in Grube Messel gefunden

Das außergewöhnlich gut erhaltene Vogelfossil hat in etwa die Größe eines Spatzen.
Ende des Audiobeitrags

Die Grube Messel hat wieder einmal einen ihrer unzähligen Schätze freigegeben: Einem Senckenberg-Grabungsteam ist es gelungen, ein exzellent erhaltenes Vogelfossil aus dem Ölschiefer des Weltnaturerbes zu bergen. Bei dem etwa 48 Millionen Jahre alten Fund handelt es sich offenbar um eine bislang unentdeckte Vogelgattung.

Fund lässt sich nicht zuordnen

"Wie es aussieht, haben wir es hier mit einer vollkommen neuen Art zu tun", erklärt Ornithologe Gerald Mayer vom Senckenberg Forschungsinstitut gegenüber dem hr. "Wahrscheinlich sogar mit einer ganz neuen Gattung." Ihm sei es bislang nicht gelungen, das Fossil einer bekannten Gattung zuzuordnen.

Der Schnabel des etwa spatzengroßen Vogels sei "greifvogelartig", die Füße und Krallen des Tieres widersprächen jedoch dieser Annahme. Es habe sich wahrscheinlich von Früchten oder Insekten ernährt. Genaueres könne man aber erst nach der endgültigen Präparation sagen, die noch in diesem Jahr abgeschlossen sein soll.

Grabungsleiterin ist "super glücklich"

Die Forscherinnen und Forscher rund um Grabungsleiterin Sonja Wedmann stießen vergangene Woche auf den "Ausnahmefund", wie sie ihn nennt. Wedmann ist begeistert vom guten Zustand des Fossils: "Wir haben zuerst gestaunt, dann waren wir super glücklich", beschreibt sie dem hr den Moment des Fundes.

Solch gut erhaltene Funde gebe es nur in der Grube Messel und an ganz wenigen anderen Orten der Welt, so die Forscherin. Aber selbst für Messel-Verhältnisse sei der Zustand außergewöhnlich. Ornithologe Mayr etwa schwärmt über die "ungewöhnlich gute Erhaltung des Gefieders", das auch auf den Bilder gut zu erkennen ist.

Weitere Informationen

Grube Messel

Die nordöstlich von Darmstadt gelegene Grube Messel ist ein stillgelegter Ölschiefer-Tagebau. Wegen der dort geborgenen außergewöhnlich gut erhaltenen Fossilien wurde die Grube 1995 zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt. Zu den bekanntesten Exemplaren gehört das Urpferdchen.

Ende der weiteren Informationen

Ob auch Besucher und Besucherinnen den Vogel irgendwann einmal zu sehen bekommen, ist noch unklar. "Das hängt davon ab, wie gut sich der Vogel präparieren lässt", sagt Mayr. Vorerst bleibe das Tier in den Räumen des Forschungsinstituts.

Führungen wieder möglich

Aber auch ohne den neuen Vogel-Fund gibt es an der Grube Messel einiges zu sehen: Seit Anfang Juni können Interessierte wieder das berühmte Urpferdchen und viele andere Fossilien bestaunen – allerding nur im Rahmen einer gebuchten Führung. Das Besucherzentrum hat ebenfalls geöffnet und kann ohne Voranmeldung besucht werden.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen