Grafik: Helfer in Schutzkleidung nimmt einen Nasenabstrich von einer Testperson

Ergibt sich der jüngste Anstieg der Corona-Zahlen nur aus der Zunahme der Tests? Sind die nicht zu fehleranfällig? Wie viel testet Hessen? Antworten auf Fragen, die viele Nutzer stellen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mit mehr Tests allein ist der Anstieg nicht zu erklären

Kurve: Corona-Infektionszahlen im August und September in Hessen
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Die Behauptung, der Anstieg der Corona-Zahlen gehe nur auf mehr Tests zurück, stimmt nicht

Wie viel in Deutschland getestet wird und mit welchen Ergebnissen, kann man im mittwochs aktualisierten Situationsbericht des Robert-Koch-Instituts nachlesen. Die Zahl der Tests erklärt aber den Anstieg der Zahlen im August nicht: Der Spitzenwert von 1.140 Neufällen in der Kalenderwoche 34 entsprach einen Anstieg um 43 Prozent zur Vorwoche und um 90 Prozent zur Woche davor. Die Menge der Tests nahm im selben Zeitraum lediglich um 18 Prozent (Kalenderwoche 33) beziehungsweise um 43 Prozent (Kalenderwoche 32) zu.

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Das heißt, mit mehr Tests allein ist die Zunahme nicht zu erklären. Es spricht alles dafür, dass verstärkt Reiserückkehrer das Virus mitgebracht haben - gut zu sehen in der Corona-Aufschlüsselung der Stadt Frankfurt. Aber auch zu Hause hat sich das Virus stärker ausgebreitet. Verstärkt wurden jüngere Altersgruppen positiv getestet.

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Warum die Testzahlen gestiegen sind

Warum überhaupt so viel mehr Tests? Eigentlich sollen nach der RKI-Empfehlung nur konkrete Verdachtsfälle getestet werden. Im Juli änderten die Länder die Teststrategie - sie ließen Tests für alle Bürger zu und empfahlen sie Erziehern und Lehrern. Dann kamen noch Tests für Reiserückkehrer dazu.

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Die Behauptung, die Testergebnisse seien wertlos wegen zahlreicher Fehlalarme, stimmt nicht

Würden Sie sich auf einen Test verlassen, der 99 Prozent Trefferquote hat - also nur in einem von 100 Fällen irrtümlich anschlägt? Klingt gut. Aber 99 Prozent reichen nicht aus, wenn man viele Tests durchführt und es nur wenige Infizierte gibt. Wenn von 1.000 Getesteten nur ein Prozent das Virus trägt, die Tests aber in einem Prozent der Fälle Fehlalarme produzieren, befinden sich ebenso viele Gesunde unter den Neufällen wie tatsächlich Infizierte. (Unsere Kolleg*innen bei RBB24 haben das anschaulich dargestellt.)

UN

Die Hälfte aller Alarme ist also falsch-positiv? Klingt beunruhigend, aber die Rechnung stimmt nicht. Zum einen testet man nicht ins Blaue hinein, sondern vor allem Verdachtsfälle. Zum anderen sind die Tests inzwischen viel genauer: Ein großes Labor gibt die Spezifität der Tests mit 99,99 Prozent an - das heißt: ein Fehlalarm auf 10.000 Tests. Diese niedrigen Fehlerquoten fallen im Trend der Neuinfektionen nicht mehr ins Gewicht.

Dass das keine rein theoretische Überlegung ist, zeigt der Wirklichkeitscheck: In Ländern, wo das Corona-Virus praktisch nicht mehr vorkommt, gibt es bei weitem nicht so viele Fehlalarme wie befürchtet. Auch dazu finden Sie mehr bei RBB24.

Die Behauptung, die Tests könnten gar keine Corona-Infektion messen, stimmt nicht

Diese Behauptung stützt sich häufig auf ein Flugblatt, das die Schweizer Aufsichtsbehörde für Medizin im Mai veröffentlichte. Darauf stand, eigentlich liefere nur die Nachzucht im Labor einen Beweis für ein aktives Virus. Inzwischen präzisierte die Behörde ihre Aussagen: "PCR-Tests weisen Nukleinsäure des neuen Coronavirus und damit eine Infektion mit dem Virus nach."

Der sogenannte PCR-Test sucht nach Spuren des Erbguts des Sars-CoV2-Virus. Der genetische Fingerabdruck dieses Virus ist eindeutig. Inzwischen suchen Tests nicht nur nach einem dieser Fingerabdrücke, sondern nach zwei oder drei.

Dass die PCR-Tests wirklich nur das finden, was sie finden wollen, und nicht etwa andere Viren, haben wissenschaftliche Untersuchungen wieder und wieder erbracht.

Die Quote der positiven Tests taugt kaum als Indikator für die tatsächlichen Fallzahlen

Die Zahl der neuen Fälle in einer Woche im Vergleich zur Vorwoche ist ein guter Indikator für die Verbreitung des Coronavirus. Auch wenn diese 7-Tage-Inzidenz Störeinflüssen unterliegt, lässt sich damit der Trend der Pandemie bis auf die Kreisebene ablesen.

Manche empfehlen, stärker auf die Positivquote zu schauen - den Anteil aller Tests, die das Virus nachgewiesen haben. Nur so könne man ein realistisches Bild der Verbreitung des Virus erhalten. In Österreich wird diese Positivquote tagesaktuell ausgewiesen - in Deutschland nur wochenweise.

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Klar ist: Wenn das Virus bei einem höheren Anteil der Getesteten gefunden ist, ist es auch verbreiteter. Aber es gibt auch ein paar Probleme mit dieser Messgröße. Dass man sie derzeit noch aus einem wöchentlich erscheinenden PDF-Dokument abtippen muss, weil das RKI sie nicht in maschinenlesbarer Form anbietet, ist noch das kleinste.

Problematisch ist vor allem, dass die Positivquote nicht als Messzahl für die Verbreitung des Virus in Deutschland gedacht war. Corona-Tests macht man nicht als Stichprobe, so wie man für eine Wahlumfrage zufällig Wählerinnen und Wähler befragt, sondern um gezielt nach Infektionsketten zu suchen und sie zu unterbrechen.

Grafik: Gesicht mit Schutzmaske

Die Tests bilden die Verbreitung des Virus nicht repräsentativ ab, ganz besonders dann nicht, wenn sich die Teststrategie ändert - was sie durch die Ausweitung unter anderem gezielt auf Reiserückkehrer und einzelne Berufsgruppen tat.

Die Positivquote taugt also als ein Warninstrument, aber nicht zu einem guten Indikator.

So oft testet Hessen im Vergleich zu anderen Bundesländern

Das RKI gibt die Gesamtzahlen der Tests und der Testergebnisse nicht nach Ländern aufgegliedert an. Aber man kann spekulieren: Ein Teil der Labore, die ihre Testzahlen an das RKI übermitteln, schlüsselt detaillierter nach Bundesländern auf. Man kann vermuten, dass diese Daten einen ungefähren Ländervergleich ermöglichen.

Gemessen daran ist Hessen solides Mittelfeld.

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Sendung: hr-iNFO, 10.09.2020, 9.25 Uhr