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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Urteil im Axtmordprozess erwartet

Tatort in der Limburger Innenstadt.

Die Tat hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt: In Limburg hatte ein Mann seine Frau angefahren und anschließend mit Beil und Axt auf sie eingeschlagen. An diesem Freitag fällt das Urteil.

Die Anklage spricht von Mord, der Verteidiger von Totschlag: Imad A. hatte im vergangenen Oktober seine Frau in Limburg auf offener Straße brutal getötet. Am Freitagnachmittag will das Landgericht das Urteil gegen ihn sprechen. Fragen und Antworten:

Was ist über die Tat bekannt?

"Ich glaube, ich habe nicht gebremst", sagte Imad A. im Prozess über die Tat. Mit einem PS-starken Mietwagen war er zu dem Frauenhaus gefahren, in dem seine Frau nach der Trennung von ihm mit den beiden gemeinsamen Kindern lebte. Imad A. hatte über einen Privatdetektiv den Wohnort herausgefunden. Er beobachtete, wie die 31-Jährige die Kinder in die Kita brachte, wartete auf ihre Rückkehr und fuhr dann von hinten auf sie zu, laut Gutachten 89 Stundenkilometer schnell. Den Fahrsicherheitsassistenten mit Fußgängerschutz hatte er vorher ausgeschaltet.

Der Angeklagte Imad A. mit seinem Verteidiger Wolfgang Stahl im Limburger Landgericht.

Die Frau flog durch den Aufprall hoch durch die Luft und kam mehrere Meter weiter unter dem Auto zum Liegen. Zwei Menschen, die helfen wollten, bedrohte Imad A. mit einer Schreckschusspistole, bevor er begann, mit einem Fleischerbeil und einer Axt auf seine Frau einzuschlagen. Zeugen beschrieben ihn dabei als äußerlich ruhig und gelassen. Er habe seine Frau beschimpft und erklärt, sie habe es verdient. Die Ermittler zählten 18 Hiebe im Kopf- und Halsbereich. Die Frau hatte jedoch bereits durch das Auto tödliche Verletzungen erlitten.

Imad A. sagt, ursprünglich habe er seiner Frau wehtun und ihr die Kinder "entreißen" wollen. Erst im Auto habe er dann beschlossen, "dass wir beide hier sterben". Die Staatsanwaltschaft glaubt allerdings nicht, dass der 34-jährige Deutsche einen sogenannten erweiterten Suizid begehen wollte. Sie zweifelt auch an, dass er spontan entschieden habe, die Frau mit dem Auto zu töten. In dem Wagen befanden sich mehrere Waffen.

Mit welcher Strafe muss der Angeklagte rechnen?

In ihren Plädoyers am Mittwoch lagen Staatsanwaltschaft und Verteidiger weit auseinander. Die Anklage fordert lebenslange Haft mit besonderer Schwere der Schuld wegen Mordes, Nötigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Außerdem solle ihm der Führerschein lebenslang entzogen werden. Sie geht von voller Schuldfähigkeit aus.

Der Verteidiger Wolfgang Stahl dagegen plädierte auf Totschlag und nicht mehr als zehn Jahre Haft. Er zweifelte das Gutachten an, das den Angeklagten für voll schuldfähig erklärt und beantragte, ein weiteres erstellen zu lassen, was das Gericht aber ablehnte. Imad A. sei zur Tatzeit, so Stahl, "nah an einer psychischen Erkrankung" gewesen. Sollte das Gericht glauben, dass Imad A. ursprünglich auch sich selbst das Leben nehmen wollte, könnte das ebenfalls geminderte Schuldfähigkeit bedeuten.

Wie hat sich der Angeklagte im Prozess verhalten?

Bei seiner Aussage wirkte der Angeklagte zunächst gebrochen und nervös. Er sprach sehr leise und wippte vor und zurück. Das gab sich allerdings im Laufe seiner Einlassung, dann formulierte er sehr bedacht und ruhig. Dieser Eindruck bestätigte sich auch im weiteren Verfahren. Die Plädoyers verfolgte er teilnahmslos und ohne erkennbare Regung. Er schaute leicht schräg vor sich, allerdings war nicht zu erkennen, ob er ins Leere schaute oder mitlas.

In seinen Schlussworten zeigte Imad A. Reue: "Es tut mir unendlich leid, was ich getan habe", sagte er und fügte schluchzend, aber klar verständlich hinzu: "Ich bitte um Milde und danke Ihnen für den menschlichen und würdevollen Umgang."

Welche besonderen Umstände haben den Fall und den Prozess begleitet?

Das Entsetzen über die Tat war auch deshalb so groß, weil mindestens ein Augenzeuge filmte, wie Imad A. auf seine Frau einschlug, und das Video ins Netz stellte. Dort war es zumindest für mehrere Stunden zu sehen.

Der Prozess stand dann ganz im Zeichen der Corona-Krise: Trotz des großen Interesses gab es nur sehr wenige Zuschauerplätze aufgrund der Abstandregel. Journalisten verfolgten das Geschehen teilweise per Audio-Übertragung aus einem Nebenraum.

Der Termin am Mittwoch sollte dann zunächst in dem neuen Limburger Gerichtszelt stattfinden. Allerdings sagte die Verteidigung schon nach wenigen Minuten, dass sie hier nicht konzentriert arbeiten könne - zu laut sei der Lärm von der vor dem Zelt verlaufenden A3. So trugen Verteidigung und Staatsanwaltschaft ihre Plädoyers doch im Gerichtssaal vor. Das Urteil soll dann aber wieder im Zelt gesprochen werden.

Sendung: hr4, Mein Morgen in Hessen, 03.07.2020, 8.40 Uhr