Medikamenten-Lager einer Apotheke

Über vier Jahre hinweg soll ein Apotheker in Frankfurt Rezepte über teure Medikamente falsch abgerechnet und sich dadurch zwei Millionen Euro erschlichen haben. Vor Gericht räumte er die Vorwürfe ein.

Mit einem umfassenden Geständnis des angeklagten Apothekers hat am Mittwoch vor dem Landgericht Frankfurt der Prozess um umfangreiche Abrechnungsbetrügereien zu Lasten der Krankenkassen begonnen.

Der 45 Jahre alte Angeklagte aus Frankfurt räumte vor Gericht ein, zwischen 2010 und 2013 in einer Vielzahl von Fällen Kunden Rezepte über teure Medikamente "abgekauft" und zum doppelten Wert bei den Krankenkassen zur Abrechnung eingereicht zu haben.

Die Medikamente wurden in keinem Fall tatsächlich ausgehändigt. Die eingekauften Rezepte soll er gegen andere Arzneimittel und Kosmetika eingetauscht haben. Der Schaden beläuft sich nach Angaben des Gerichts netto auf rund zwei Millionen Euro.

Rezepte von Patienten abgekauft

Die Zentralstelle zur Bekämpfung von Vermögensstraftaten und Korruption im Gesundheitswesen (ZBVKG) bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt wirft dem Apotheker gewerbsmäßigem Betrug vor. Er soll in 48 Fällen bei den Krankenkassen Rezepte eingereicht haben, bei denen die Übergabe der Medikamente nie erfolgte.

Die Wirtschaftsstrafkammer hat zunächst sieben Verhandlungstage bis Mitte Juli angesetzt. Durch das Geständnis könnte es zu einer erheblichen Verkürzung des ursprünglich bis Mitte Juli terminierten Prozesses kommen.

Zweiter Abrechnungsbetrug in derselben Apotheke?

Die betroffene Frankfurter Apotheke stand bereits im Jahr 2009 im Fokus von Ermittlungen der ZBVKG. Der damalige Inhaber - der Bruder des nun beschuldigten Apothekers - war mit derselben Betrugsmasche aufgeflogen.

Er soll von Februar bis Oktober 2009 ebenfalls Rezepte über hochpreisige Arzneimittel gegenüber Krankenkassen abgerechnet haben, obwohl er die Medikamente gar nicht an die Versicherten abgegeben habe.

Im Mai 2018 wurde der Mann in erster Instanz vom Landgericht Frankfurt wegen Betrugs in sieben Fällen zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zwei Monaten verurteilt. Infolge der gegen ihn geführten Ermittlungen übergab der Mann die Apotheke im Januar 2010 an seinen nun vor Gericht stehenden Bruder.