Prozessauftakt gegen Szenegastronom Jan Mai

In Frankfurt steht seit Dienstag ein Gastronom vor Gericht, der seine Geschäftspartnerin erstochen haben soll. Er bestritt die Tat zum Prozessauftakt. Das Opfer und er standen im Mittelpunkt eines Falschaussage-Skandals um vermeintliche sexuelle Übergriffe von Migranten an Silvester 2016.

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hs
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Es war ein Gewaltverbrechen, das weit über Frankfurt hinaus für Aufsehen sorgte: Am 8. Mai vergangenen Jahres entdeckte ein Spaziergänger die Leiche der 29-jährigen Irina A. auf einer Wiese im Norden der Stadt. Mehr als 20 Stichverletzungen zählten die Rechtsmediziner an ihrem Körper, das Messer traf sie in Brust, Kopf und Nacken.

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Darum zeigen wir den Angeklagten und nennen seinen Namen

Im Verlauf der Berichterstattung ist hessenschau.de dazu übergegangen, den vollen Namen des Angeklagten zu nennen sowie sein Gesicht unverpixelt zu zeigen. Mai selbst hatte zum Auftakt des Prozesses am Dienstag vor Journalisten erklärt, dass er damit einverstanden sei. Seine Begründung: Man kenne ihn in Frankfurt sowieso.

Üblicherweise machen wir bei Strafprozessen das Gesicht von Angeklagten unkenntlich und vermeiden eine Nennung ihres Familiennamens. Damit respektieren wir die Unschuldsvermutung und den Schutz der Persönlichkeit. Ausnahmen machen wir selten, zum Beispiel wenn es sich beim Angeklagten um einen Prominenten oder einen Amtsträger handelt - oder wenn der Angeklagte selbst der Veröffentlichung zustimmt, wie in diesem Fall.

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Schnell geriet ihr Geschäftspartner, der Frankfurter Gastronom Jan Mai, unter Mordverdacht. Seine Frau gab dem 51-Jährigen ein Alibi, doch seine Handy-Bewegungsdaten widerlegten ihre Aussage. In der Nähe des Tatorts fanden die Ermittler außerdem Blutspuren, die von Mai stammten. Drei Tage nach der Tat nahmen sie ihn fest.

Verteidigung: "Anklage völlig fehlerhaft"

Seit Dienstag wird dem Gastronomen wegen Mordes vor dem Landgericht Frankfurt der Prozess gemacht. Am ersten Verhandlungstag bestritt der Angeklagte den Mordvorwurf. Über seinen Verteidiger ließ er erklären: "Ich habe Irina nicht umgebracht." Er sei zum Tatzeitpunkt zuhause gewesen. Er halte es vielmehr für möglich, dass eine Freundin des Opfers die 29-Jährige getötet habe. Möglicherweise sei es um Geldwäsche gegangen. Jan Mai hatte die Tat von Anfang an bestritten.

Die Anwälte von Mai beantragten deshalb, die Zeugin sofort zu vernehmen und den Prozess so lange zu unterbrechen. Die Richter lehnten dies aber ab. Die Verteidigung bezeichnete die Anklage als völlig fehlerhaft. Auch die Aussagen der Sachverständigen, auf die sich die Anklage stütze, seien falsch. Die Anwesenheit von Mais Blut am Tatort erklärten die Verteidiger mit einer Verletzung, die sich der Beschuldigte beim Ausrutschen in seinem Badezimmer zugezogen haben will.

Motiv: Offene Schulden?

Laut Anklage soll Mai Irina A. aus Habgier heimtückisch getötet haben. Das Motiv sieht die Staatsanwaltschaft in offenen Schulden, die der Gastronom bei der 29-Jährigen hatte und die er trotz immer drängenderen Rückzahlungsforderungen nicht begleichen konnte.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mord vom Niddapark: Angeklagter bestreitet Tatvorwurf

Tote im Niddapark
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Deswegen soll er sich mit ihr im Frankfurter Niddapark unter dem Vorwand verabredet haben, er wolle ihr das Geld dort übergeben. Beim gemeinsamen Spaziergang soll er dann mindestens 21 Mal auf die Frau eingestochen und ihr anschließend eine wertvolle Uhr, einen Diamantring und den Autoschlüssel gestohlen haben.

Skandal um erfundenen "Sex-Mob"

Der Fall erregte auch deswegen großes Interesse, weil Jan Mai und Irina A. im Jahr 2017 gemeinsam im Mittelpunkt eines Falschaussage-Skandals standen. In der Bild-Zeitung berichteten sie von angeblichen massenhaften sexuellen Übergriffen durch Ausländer in der Silvesternacht. Sie behaupteten, etwa 50 Männer hätten im "First In", einer damaligen Bar des Gastronomen in der Freßgaß, Gäste bestohlen und Frauen belästigt.

Doch die Geschichte stellte sich nach wenigen Tagen als Lüge heraus. Irina A., die angab, selbst sexuell belästigt worden zu sein, war in dieser Nacht gar nicht in Deutschland. Im Juni 2018 hätten sich die beiden wegen Vortäuschens einer Straftat vor dem Amtsgericht Frankfurt verantworten müssen. Doch da war Irina A. bereits tot und Jan Mai saß in Untersuchungshaft.

Betrug und Verstoß gegen das Waffengesetz

Der Mord an Irina A. ist nicht die einzige Straftat, die dem Gastronomen vorgeworfen wird. Er soll einen langjährigen Geschäftspartner mehrfach betrogen haben, indem er vorgab, gemeinsam mit ihm eine Bar beziehungsweise ein Café übernehmen zu wollen. Der Partner hatte ihm dafür zwischen 2015 und 2017 insgesamt 120.000 Euro überwiesen. Das Geld soll Mai für private Zwecke verwendet haben.

Im Dezember 2016 soll er einem weiteren Geschäftspartner eine seiner Bars zum Kauf angeboten haben. Dabei soll er die Bilanz geschönt haben, um ihm ein lukratives Geschäft vorzutäuschen. Außerdem wird ihm ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Er soll eine halbautomatische Pistole besessen haben, obwohl ihm zuvor wegen unsachgemäßer Aufbewahrung von Waffen und Munition sämtliche waffenrechtliche Erlaubnisse entzogen worden waren.

Langer Prozess erwartet

Bis zum Januar 2020 hat das Gericht insgesamt 17 Verhandlungstage angesetzt und über 30 Zeugen geladen. Falls Mai wegen Mordes verurteilt werden sollte, könnte auch eine besondere Schwere der Schuld festgestellt werden. Mai könnte in diesem Fall nicht nach 15 Jahren frei kommen.

Entscheidend dafür ist, ob ihm mehrere Mordmerkmale wie Habgier oder Heimtücke nachgewiesen werden können. Das Gericht wies aber darauf hin, dass auch eine Verurteilung wegen Totschlags möglich ist - das Strafmaß könnte dann bedeutend milder ausfallen.

Sendung: hessenschau, 27.08.2019, 19.30 Uhr