Prozessauftakt gegen Szenegastronom Jan M.

Nach dem Tod einer Frau im Frankfurter Niddapark muss der Gastronom Jan M. lebenslang hinter Gitter. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass er seine Geschäftspartnerin ermordet hat.

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hessenschau kompakt - 16:45 Uhr vom 16.03.2020
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Nach gut einem halben Jahr Verhandlungsdauer hat die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Frankfurt am Montag das Urteil im Mordprozess um die "Tote vom Niddapark" gesprochen. Die Richter verurteilten den angeklagte Gastronom Jan M. wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

Gericht: Heimtückischer Mord

Die Schwurgerichtskammer ging von heimtückischem Mord aus. Darüber hinaus habe sich der Geschäftsmann und Lokalbesitzer durch den Mord an seiner Geschäftspartnerin zumindest vorübergehend erheblicher finanzieller Forderungen entledigen wollen, hieß es im Urteil (AZ 3690 Js 225352/18).

Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Angeklagte Irina A. im Mai 2018 im Niddapark mit 21 Messerstichen getötet und die Leiche daraufhin auf einer Wiese liegengelassen. Spaziergänger fanden die Frau am nächsten Morgen.

Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft nur zum Teil. Diese hatte lebenslange Haft und die Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld gefordert. Die sah das Gericht jedoch nicht.

Vor Gericht bestritt M. die Vorwürfe. Zu Prozessbeginn im August 2019 beteuerte er in einer von seinem Verteidiger verlesenen Stellungnahme seine Unschuld.

Die Leiche der 29 Jahre alten Irina A. war am 8. Mai 2018 im Niddapark gefunden worden. Den Grund für die tödliche Attacke sah die Anklage in den immer drängenderen Forderungen der Frau, Jan M. möge seine immensen Schulden zurückzahlen und denen er nicht nachkommen habe können.

Das Gericht befand, Jan M. habe sich beim Versuch, seine Unschuld zu beteuern, in Widersprüchen verstrickt. Zudem hätten ihn die Blutspuren am Tatort überführt.

Erfundener Sexmob

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Niddapark-Tote: Angeklagter zu lebenslanger Haft verurteilt

Tote im Niddapark
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Das Opfer Irina A., die zwei Kinder hinterließ, und Jan M. standen Anfang 2017 im Zentrum eines Falschaussage-Skandals um einen erfundenen Sexmob. Die beiden hatten im Gespräch mit einem Journalisten behauptet, bis zu 50 arabischstämmige junge Männer hätten in der Silvesternacht in der Innenstadt Frauen belästigt, Schlägereien angezettelt und Gäste beklaut.

M. hatte die Vorwürfe erhoben und in einer Vernehmung bei der Polizei bestätigt. Die mitangeklagte A. hatte behauptet, man habe ihr zwischen die Beine und an die Brüste gegriffen. Später stellte sich heraus, dass A. in der Nacht gar nicht in Frankfurt war und dass bei der Polizei auch keine Notrufe zur fraglichen Zeit eingegangen waren.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau 16.03.2020, 19.30 Uhr