First In auf der Freßgass

Neun Monate nach dem Mord an einer Frau im Frankfurter Niddapark bleibt Szene-Gastronom Jan M. weiter dringend tatverdächtig. Das Oberlandesgericht verlängert die U-Haft gegen den Mann, der mit dem späteren Opfer einen Sexmob erfand.

Der im Fall der Toten aus dem Frankfurter Niddapark mordverdächtige Jan M. bleibt in Untersuchungshaft. Das hat das Oberlandesgericht am Donnerstag angeordnet. Nach Überzeugung der Richter ist der Szene-Gastronom weiterhin dringend verdächtig, im Mai vergangenen Jahres die 29-jährige Irina A. im Frankfurter Niddapark mit zahlreichen Messerstichen getötet zu haben.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Mordes aus Habgier. Er soll bei dem Opfer Schulden gehabt haben. Eine Anklage wurde noch nicht erhoben. Bis zu einem Prozess müssten noch Zeugen vernommen werden, sagte eine Sprecherin der Ermittlungsbehörde. Jan M. bestreite die Tat weiterhin.

Mit dem Opfer zum Spaziergang verabredet

Tote im Niddapark

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Verdächtige sich mit dem Mordopfer zu einem gemeinsamen Spaziergang getroffen hatte. Dabei kam es offenbar zu einer Auseinandersetzung, in deren Verlauf M. die Frau "mit einer Vielzahl von Messerstichen" getötet und anschließend vom Weg in eine angrenzende Wiese gezogen haben soll.

Dem Verdächtigen hatte seine damalige Lebensgefährtin ein Alibi gegeben, wie aus Ermittlerkreisen verlautete. Dass dieses Alibi nicht stimmen konnte, zeige sich jedoch anhand von Handy-Bewegungsdaten.

Mutmaßlicher Täter und Opfer erfanden Sexmob

Das Opfer und der mutmaßliche Täter hatten eine geschäftliche Beziehung. Irina A., die zwei Kinder hinterließ, und der damalige Betreiber der Bar "First In" auf der Frankfurter Freßgass standen Anfang 2017 zudem im Zentrum eines Falschaussage-Skandals um einen erfundenen Sexmob.

Die beiden hatten im Gespräch mit einem Journalisten behauptet, bis zu 50 arabischstämmige junge Männer hätten in der Silvesternacht in der Innenstadt Frauen belästigt, Schlägereien angezettelt und Gäste beklaut.

M. hatte die Vorwürfe erhoben und in einer Vernehmung bei der Polizei bestätigt. Die mitangeklagte A. hatte behauptet, man habe ihr zwischen die Beine und an die Brüste gegriffen. Später stellte sich heraus, dass A. in der Nacht gar nicht in Frankfurt  war, und dass bei der Polizei auch keine Notrufe zur fraglichen Zeit eingegangen waren. Im November 2017 erhob die Staatsanwaltschaft Klage wegen Vortäuschens einer Straftat.

Sendung: hr-iNFO, 14.02.2019, 11 Uhr