Der Angeklagte versteckt sein Gesicht vor Fotografen im Landgericht Frankfurt.
Der Angeklagte beim Prozessauftakt Ende Oktober im Landgericht Frankfurt (Archivbild). Bild © picture-alliance/dpa

Das Landgericht Frankfurt hat einen Autofahrer zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte im September 2015 in Kriftel mit seinem Auto eine Frau auf einem Zebrastreifen tödlich verletzt.

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Das Frankfurter Landgericht verurteilte einen 27-Jährigen am Mittwoch wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu fünf Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe. Die Richter sahen keinen Tötungsvorsatz, gleichwohl sei eine hohe Strafe "angemessen und geboten", hieß es im Urteil.

Das Gericht blieb in seinem Strafmaß etwas unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Sie hatte sechseinhalb Jahre Haft gefordert.

Ein nicht verständlicher Kurzschluss

Nach Auffassung des Gerichts hatte sich der Angeklagte in der Nacht auf den 6. September 2015 über ein Paar geärgert, weil es sich auf einem Zebrastreifen eines Verkehrskreisels in Kriftel (Main-Taunus) küsste. Der angetrunkene Autofahrer fuhr auf das Pärchen zu und erfasste es mit seinem Auto. Die 41 Jahre alte Frau geriet unter den Wagen und wurde einige hundert Meter weit mitgeschleift. Sie starb.

Das Gericht sprach von einem nicht verständlichen Kurzschluss. Der Mann hätte mit seinem Auto genauso gut um die beiden herumfahren können. Fehlende Reife, leichte Reizbarkeit und eine charakterliche Schwäche des Verurteilten hätten dazu geführt, dass eine Frau aus dem Leben gerissen wurde. Nur durch Glück sei der Verlobte der Getöteten nicht ebenfalls von dem Auto erfasst worden.

Angeklagter: "Größter Fehler meines Lebens"

Der 40 Jahre alte Lebensgefährte der Frau, mit dem sie kurz vor dem tödlichen Zwischenfall noch auf einem Volksfest gefeiert hatte, blieb praktisch unverletzt. Er zeigte sich zum Prozessauftakt Ende Oktober fassungslos.

Der Angeklagte hatte zu Beginn der Hauptverhandlung angegeben, er sei zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes mit seinem Navigationsgerät beschäftigt gewesen und habe nicht gemerkt, dass sein Fahrzeug die Frau mitschleifte. Damals sprach er vom "größten Fehler meines Lebens".

Alkoholisiert mit Apfelwein

Nach Aussage eines Mitfahrers habe der 27-Jährige auf dem Volksfest drei bis fünf Gläser Apfelwein getrunken. Bis zum Moment, in dem er auf das küssende Paar auf dem Zebrastreifen losgefahren sei, sei alles ganz normal gewesen. Sowohl der Verteidiger des Angeklagten als auch die Nebenkläger kündigten an, Berufung gegen das Urteil zu prüfen.