Polizei in der Eingangstür eines Mehrfamilienhauses

Das Landgericht Darmstadt hat einen 72 Jahre alten Mann zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Er hatte seine Ehefrau im Hobbykeller erstochen. Beim Streit um eine Steuernachzahlung sei "der Gaul mit dem Angeklagten" durchgegangen, urteilte der Richter.

Das Landgericht Darmstadt hat am Mittwoch einen 72 Jahre alten Rentner nach einem tödlichen Ehestreit wegen Totschlags zu sieben Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Mann am 10. April 2018 in seinem Hobbykeller in Kelsterbach (Groß-Gerau) seine 63 Jahre alte Ehefrau mit einem Stich in die linke Halsschlagader tödlich verletzt.

Bei dem Streit ging es um eine Steuernachzahlung. "Im Rahmen dieser Auseinandersetzung ist der Gaul mit dem Angeklagten durchgegangen", sagte der Vorsitzende Richter Volker Wagner.

Die 23 Jahre alte Tochter, der der Vater nun auch 20.000 Euro Hinterbliebenengeld zahlen muss, hatte ihre Eltern am Tattag im Keller gefunden und die Polizei gerufen. Der 72-Jährige hatte bestritten, seiner Frau absichtlich in den Hals gestochen zu haben und sprach von einem Unfall.

Strafmildernd wirkten sich psychiatrische Gutachten aus, die bei dem Angeklagten eine Demenz und ein gestörte Impulskontrolle festgestellt hatten.

Notwehr? Verteidigung prüft Revision

Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre und zehn Monate Haft gefordert. Die Verteidigerinnen des Rentners hatten dagegen auf Notwehr, höchstens aber Körperverletzung mit Todesfolge plädiert.

Einen Unfall schlossen die Richter aus. Laut rechtsmedizinischem Gutachten war der tödliche Stich durch die abgebrochene Glasflasche sieben Zentimeter tief und mit Kraft von schräg oben geführt worden. Zuvor hatte der Angeklagte bereits die Frau durch einen heftigen Schlag mit einem Staubsaugerrohr am Kopf verletzt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung prüft, ob sie Revision beantragt.

Sendung: hr1, 27.2.2019, 14 Uhr