Letzter Prozesstag am Landgericht Darmstadt

Jahrelang hatten eine Mutter und ihr Sohn eine Frau gedemütigt und schließlich getötet. Dafür müssen die beiden lebenslänglich ins Gefängnis. Die Leiche des Opfers war nahe der Frankfurter Ikea-Filiale gefunden worden.

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hessenschau vom 23.07.2021
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Das Landgericht Darmstadt hat eine 50-jährige Frau und deren 26 Jahre alten Sohn zu jeweils lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt. Das Gericht sah es am Freitag als erwiesen an, dass die beiden Frankfurter im August 2016 eine 55 Jahre alte Frau getötet hatten. Ein 24 Jahre alter Mitbewohner erhielt drei Jahre und sechs Monate Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Die Leiche des Opfers hatten die Verurteilten in der Nähe des Ikea-Marktes in Frankfurt-Nieder-Eschbach abgelegt. Vor der Ermordung sollen die Verurteilten ihr Opfer jahrelang gedemütigt und misshandelt haben.

Hilflose Lage des Opfers ausgenutzt

Das Gericht sprach am Dienstag von einem System aus Gewalt, Isolation und Manipulation der 50-Jährigen. Die Frau habe unsichere und hilfesuchende Menschen in ihrer Wohnung um sich geschart und sie massiv ausgenutzt und misshandelt. Ihr Sohn sei ihr hörig gewesen und habe deshalb alles mitgemacht, ebenso der Mitbewohner.

Die getötete 55-Jährige war als Freundin eingezogen, dann aber jahrelang als Putz-Sklavin missbraucht und misshandelt worden. Irgendwann sei man ihrer überdrüssig geworden. Da sie aber nicht auszog, habe man sie ermordet, indem sie mit einer Plastiktüte erstickt wurde, so der Richter.

Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die ebenfalls lebenslange Haft für die Haupttäter und dreieinhalb Jahre für den Mitbewohner gefordert hatte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Sadistische Neigungen festgestellt

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Laut der Anklagebehörde war die 55-Jährige vor zehn Jahren durch Arbeitslosigkeit und die Trennung von ihrem Ehemann in eine Krise geraten und in die Wohnung der 50-Jährigen gezogen. Die Angeklagte nutzte die Krise der Frau aus. Ein Psychiater hatte bei ihr sadistische Neigungen festgestellt.

Der 32-jährige Sohn der Getöteten sagte zu Beginn des Prozesses im April, die Angeklagte habe "viele merkwürdige esoterische Sachen mit ihr gemacht". Unter anderem habe die 50-Jährige Tarotkarten gelegt und behauptet, seine Mutter müsse Alkohol gegen einen angeblichen Gehirntumor trinken.

Der Sohn und der Komplize hatten Geständnisse abgelegt und die 50-Jährige als Anstifterin belastet. Diese hatte die Vorwürfe bestritten und behauptet, wegen Alkohol- und Medikamentenkonsums nichts mitbekommen zu haben.

Polizeibeamte der Spurensicherung sind im August 2016 unterwegs zum Fundort der toten Frau.

Leiche erst Jahre nach der Tat identifiziert

Die Leiche der 55-Jährigen konnte erst im vergangenen Jahr, also fast vier Jahre nach dem Fund, identifiziert werden. Daraufhin nahm die Polizei die drei Verdächtigen im Juni 2020 fest. Im Laufe der Ermittlungen wurden noch weitere Personen bekannt, die ebenfalls von der Angeklagten misshandelt worden sein sollen. Diese Fälle wurden in dem Prozess mitverhandelt.

Der Prozess fand in Darmstadt statt, weil der jüngste Angeklagte zum Tatzeitpunkt Heranwachsender war und in Büttelborn wohnte, das zum Landgerichtsbezirk Darmstadt gehört.

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