Es ist laut Gericht eines der anspruchsvollsten Verfahren der letzten Jahre: In Limburg muss sich ein Mann wegen Mordes verantworten. Er soll psychisch labile Frauen aus sexueller Befriedigung zum Suizid animiert haben. Ein Opfer starb.

Ein Prozess wegen Mordes und zweifachen versuchten Mordes hat am Freitag in Limburg neu begonnen. Vor dem Landgericht verantworten muss sich der Mann, weil er psychisch labile Frauen zum Suizid gedrängt haben soll. Ihm droht eine lebenslange Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung.

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Audioseite Mann soll Frauen zum Suizid gedrängt haben - Mordprozess

Ein Mann verdeckt sein Gesicht mit einer schwarzen Computerschutzhülle.
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Angeklagter will sich äußern

Der 62-Jährige soll sich gezielt suizidgefährdete Frauen gesucht haben, um sie zum Suizid oder zu einer Tötung durch ihn zu überreden. Nach Angaben des Gerichts soll er das zur Befriedigung seiner sexuellen Triebe getan haben. Bereits 2017 war der Mann vom Landgericht Gießen wegen eines ähnlichen Vorwurfs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.

Der Prozessbeginn am Limburger Landgericht dauerte am Freitag nicht lange. Nach dem Verlesen der Anklagen und einer Erwiderungserklärung der Verteidigung soll es am Montag mit der Beweisaufnahme weitergehen. Einer der Rechtsanwälte des Angeklagten aus Löhnberg (Limburg-Weilburg) kündigte an, sein Mandant werde sich im Laufe des Prozesses äußern.

In der Erklärung betonten die Verteidiger des Mannes, die "Strafverfolgungsbehörden bewegen sich auf ganz dünnem Eis". Ein Gerichtssprecher sprach von einem der juristisch anspruchsvollsten Verfahren am Landgericht Limburg der vergangenen Jahre. Es sei sehr schwer nachzuweisen, welchen Einfluss der Angeklagte auf den Willen der mutmaßlichen Opfer gehabt habe.

Sexuelle Befriedigung durch Erhängungsszenarien

Es ist bereits der dritte Anlauf in dem Verfahren. Kurz nach dem ursprünglichen Beginn Anfang Oktober vergangenen Jahres war der Prozess nach einem Zwischenfall mit einem Kamerateam ins Stocken gekommen. Ende Oktober 2020 wurde er dann ausgesetzt. Das Gericht begründete das mit Terminschwierigkeiten wegen der Corona-Pandemie. Auch im April dieses Jahres ging das Verfahren nicht wie geplant richtig los. Ursache seien "innerdienstliche Gründe", die aus Datenschutz nicht offengelegt werden könnten, hieß es vom Landgericht.

Dem Angeklagten zur Last gelegt werden ein versuchter Mord im Raum Limburg 2012, ein versuchter Mord im Raum Nürnberg-Fürth 2015 und einen vollendeter Mord in Bremen 2016. Alle drei Frauen befanden sich wegen psychischer Probleme in ärztlicher Behandlung. Laut Anklage soll der 62-Jährige in Erhängungsszenarien eine "besondere sexuelle Befriedigung" finden. Motiv aus Sicht der Staatsanwaltschaft: Die Befriedigung von "sexuell motivierten Tötungsfantasien".

In Forum Fremdtötungen thematisiert

Im ersten Fall habe der Mann 2012 Kontakt zu einer Frau aufgenommen, die sich in einer Klinik aufhielt. Im Laufe der Zeit sei es zu regelmäßigen Telefonaten und E-Mails gekommen. Darin habe die Frau zu verstehen gegeben, dass sie schmerzfrei sterben wolle. Der Angeklagte habe ihr daraufhin drei verschiedene Tötungsarten vorgeschlagen. Die Tat konnte laut Anklage verhindert werden, weil die Frau kurz vor einem geplanten Treffen mit dem Mann ihrer Mutter von ihrem Plan erzählt habe.

2015 habe der 62-Jährige in einem Selbsthilfeforum "Hilfe zum schmerzlosen Aus-dem-Leben-scheiden" angeboten. In dem Forum habe er Fremdtötungen thematisiert, ohne sein sexuelles Interesse dahinter zu offenbaren. Er sei davon ausgegangen, dass die Nutzerinnen dort "besonders leicht zu manipulieren" seien, so die Anklage. 

Im November 2015 habe er eine Frau kontaktiert und unterschiedliche Suizidmethoden angesprochen. Obwohl sich die Frau nicht habe töten wollen, habe der Angeklagte sie bedrängt. Schließlich habe er sie dazu überredet, sich in einem Videochat einen Gürtel um den Hals zu legen, um sich an einer Tür aufzuhängen. Die Frau brach den Suizidversuch im letzten Moment ab.

Frau überredet, sich zu erhängen

Im dritten angeklagten Fall aus Bremen habe der Mann sein Opfer ebenfalls dazu überredet, sich mit einem Gürtel an der Wohnzimmertür zu erhängen - obwohl die Frau dies eigentlich nicht gewollt habe. Sie tötete sich dadurch selbst. Der Angeklagte habe gewusst, dass die Frau zum Tatzeitpunkt nicht fähig gewesen sei, einen freien Willen bilden zu können.

Der 62-Jährige soll laut Anklage sexuelle Praktiken bevorzugen, die anderen Schmerz oder Erniedrigung bereiteten. Seine Neigungen habe er meist mit Prostituierten ausgelebt. Diese hätten Todesangst gehabt. Schon 2007 habe er angefangen, suizidgefährdete Frauen im Internet zu kontaktieren. Seit seiner Jugend habe er eine sexuelle Abartigkeit entwickelt.

Verhandlungstermine sind bis ins kommende Jahr angesetzt.

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Hilfe bei Suizid-Gedanken

Wenn Sie verzweifelt sind und in einer bedrückenden Lebenssituationen keinen Ausweg sehen: Suchen Sie sich Hilfe bei anderen Menschen. Das kann ein Gespräch mit Familienangehörigen oder Freunden sein. In seelische Krisen könne man immer wieder mal geraten, das sei nichts Unnormales, sagen Psychologen. Deshalb gibt es Hilfe und professionelle Beratungsangebote. Hier können Sie auch anonym bleiben. Die Telefonseelsorge ist zu jeder Tages- und Nachtzeit unter der Rufnummer 0800/1110111 erreichbar.

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