Polizist legt einem Mann Handschellen an

Weil er seiner Freundin in den Kopf schoss, ist ein Mann vom Landgericht Hanau zu fast acht Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Opfer hatte dank einer Notoperation überlebt.

Die Schwurgerichtskammer sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte Anfang September 2019 nach mehreren handgreiflichen Auseinandersetzungen in den Wochen zuvor während eines erneuten Streits in Maintal (Main-Kinzig) auf seine elf Jahre jüngere Freundin geschossen hatte. Ein Projektil traf die 26-Jährige im Hinterkopf. Bei einer Notoperation am Uniklinikum in Frankfurt wurde die Kugel herausoperiert, die im Schädel stecken geblieben war, ohne bleibende Schäden anzurichten.

Das Landgericht Hanau verurteilte den 37-Jährigen am Freitag wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu sieben Jahren und acht Monaten Gefängnis.

Schuss unter Kokaineinfluss

Die Tatwaffe wurde bislang nicht gefunden. Die Richter gehen nach der Vorlage von Gutachten davon aus, dass es sich um eine umfunktionierte Schreckschusswaffe handelte. Die Bleikugel sei mit deutlich geringerer Geschwindigkeit eingeschlagen, als es bei einer echten Schusswaffe der Fall gewesen wäre.

Der Angeklagte legte im Prozess ein Teilgeständnis ab. Weil er nachweislich unter Kokaineinfluss gestanden habe, sei er vermindert schuldfähig gewesen. Das Gericht verordnete zusätzlich zur Haftstrafe eine Drogentherapie. Außerdem soll der Angeklagte 10.000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen.

Die Staatsanwaltschaft hatte wegen versuchten Totschlags eine Freiheitsstrafe von neuneinhalb Jahren gefordert, die Verteidigung wegen gefährlicher Körperverletzung auf sechseinhalb Jahren plädiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.