Ein Fuchs ist während der Schonzeit im nordhessischen Twistetal erschossen worden. Ein Verstoß gegen die Vorschriften. Tierschützer erstatteten Anzeige gegen einen verdächtigen Jäger - mit einem seltenen Beweisstück: der Momentaufnahme eines Hobbyfotografen.

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lebender Fuchs in Twistetal

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Jäger in Twistetal erschießt Fuchs in Schonzeit

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Für Hobbyfotograf und Naturliebhaber Martin F. (Name geändert) ist es ein besonderer Moment, als er am 24. April einen Fuchs nahe seinem Bau auf einer Wiese in Twistetal-Elleringhausen (Waldeck-Frankenberg) entdeckt. Ihm gelingt noch eine besonders schöne Aufnahme des Tiers - die wir hier zeigen.

Doch einen Moment später ist der Fuchs tot - erschossen von einem Jäger, der offenbar absichtlich die Schonzeit für Füchse missachtet. Fotograf Martin F. fängt mit seiner Kamera genau den Moment ein, als die Munition den Körper des Tieres durchschlägt. Das Foto veröffentlichen wir wegen der brutalen Darstellung bewusst nicht. Zuerst berichtete die Waldeckische Landeszeitung über den Fall.

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Schonzeit

In diesem Zeitraum ist die Jagd auf die Tiere gesetzlich verboten. So soll verhindert werden, dass Jungtieren die Eltern genommen werden, ohne deren Versorgung die Jungtiere noch nicht überleben können. Hauptschonzeit ist der Frühling. Ausnahmen können unter Umständen gemacht werden, wenn ein Tier krank ist. Füchse haben in Hessen in der Zeit vom 1. März bis 14. August Schonzeit.

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"Ich drückte den Auslöser, dann machte es Peng"

Schon seit drei Wochen beobachtet Martin F. zwei Füchse in der Nähe eines Baus. Er vermutet, dass sie gemeinsam Welpen großziehen, wie er am Donnerstag zu hessenschau.de sagte. Am Ostersonntag hat er das Fuchspaar noch zusammen gesehen. Als er am 24. April zurückkehrt, hofft er, erstmals die Jungtiere sehen zu können.

"Der Fuchs lag vor dem Bau und sonnte sich schön, dann stand er auf und ging Richtung Wiese. Ich schaute durch den Sucher meine Spiegelreflexkamera und drückte den Auslöser. Plötzlich machte es Peng." Der Fuchs wird von einem Schuss niedergestreckt.

Verdächtiger Jäger leugnet Schuss

"Wir haben praktisch beide gleichzeitig abgedrückt", erzählt Martin F. "Ich mit meiner Kamera und jemand mit seiner Flinte. Der Fuchs war mausetot, ich traute meinen Augen kaum. Ich stand völlig neben mir - wegen des Fuchses und auch, weil der Schuss auch mich hätte treffen können."

Etwas entfernt entdeckt Martin F. ein ihm bekanntes Auto mit offener Fahrertür. Es gehört nach seinen Angaben einem Jäger, den er kennt. Als er ihn wenig später trifft, steht der Hobbyfotograf nach eigenen Aussagen noch unter Schock und wagt nicht, den mutmaßlichen Schützen zur Rede zu stellen. "Ich hatte Schiss. Wir kennen uns privat, und er weiß, dass auch ich weiß, dass Schonzeit ist", sagte F. Kurz darauf sieht er noch, wie der Jäger einen kränklich aussehenden Waschbären erschießt.

Zu Hause entdeckt Martin F., dass er den Fuchs tatsächlich genau im Moment des Schusses, genau im Augenblick seines Todes fotografiert hat - ein Beweisstück. Fuchs und Waschbär findet er später wieder. Jemand hat sie in ihre Bauten gelegt und mit Laub bedeckt. Ein paar Tage später sind sie verschwunden. Als er beschließt, seinen Bekannten, den Jäger, zur Rede zu stellen, leugnet dieser den Schuss auf den Fuchs. "Er hat behauptet, jemand anderes müsse mit seinem Auto gefahren sein."

Wildtierschutz-Verein erstattet Anzeige

Ein Freund veröffentlicht die Bilder des lebenden und sterbenden Fuchses mit Informationen zu dem Vorfall bei Facebook. Dadurch wird unter anderem der Verein Wildtierschutz Deutschland aufmerksam. Der Verein stellt das Bild des erschossenen Fuchses auf seine Homepage und erstattet gegen den Jäger wegen des Verstoßes gegen das Jagdgesetz Anzeige, ebenso wie die Tierschutzorganisation Peta.

"Wir sind erfreut, dass hier jemand auf frischer Tat erwischt wurde und das dokumentiert wurde", sagt Wildtierschutz-Sprecher Lovis Kauertz am Donnerstag zu hessenschau.de. Solche Vergehen kämen durchaus häufiger vor, aber selten zur Anzeige. Zum einem, weil es an Beweismaterial fehle, zum anderen, weil Jäger wenig Interesse hätten, einen Kollegen vor Gericht zu bringen.

Geldstrafe von bis zu 5.000 Euro

Dem Jäger könne für die Missachtung der Schonzeit eine Geldstrafe von bis zu 5.000 Euro drohen, sagt Kauertz. Stelle sich heraus, dass der Fuchs Nachwuchs hatte, sei auch eine Freiheitsstrafe möglich. "Sollte es sich um eine Fähe (weiblicher Fuchs, Anm. d. Red.) handeln, würde das für die Jungen bedeuten, dass sie verhungern." Aber auch der Tod eines Rüden könne die Jungfüchse in ernsthafte Gefahr bringen, betont Kauertz: "Der Rüde ist der Hauptversorger der Familie und bringt die Nahrung zum Bau. Ohne ihn sinken die Überlebenschancen der Welpen."

Der Wildtierschutzverein sucht den Twistetaler Fuchsbau und die nähere Umgebung nach dem anderen Tier und möglichen Welpen ab - ohne Erfolg. Ob es überhaupt Welpen gibt, bleibt offen. Das Schicksal des zweiten Fuchses auch.

Dass der Schütze den Kadaver des Fuchses als Trophäe wollte, glaubt der Wildtierschutz-Sprecher nicht: "Solche Leute sind einfach scharf darauf, sogenanntes Raubwild abzuschießen. Sie sehen keinen Nutzen in den Füchsen."

"Wer die Schonzeit bricht, hat in der Jägerschaft keinen Platz"

Bei der Waldeckischen Jägerschaft stößt der Vorfall auf Unverständnis. Die Vorsitzende Sandra Bergmann betonte im Gespräch mit dem hr, dass sich die Jägerschaft von dem Verhalten des Jägers, so wie es jetzt bekannt sei, distanziere: "Wer das Gesetz der Schonzeit bricht, hat in der Jägerschaft keinen Platz."

Genauer möchte sich die Vorsitzende der Jägerschaft nicht zu dem Fall äußern: "Wir wissen nicht, ob und was passiert ist, und möchten nicht spekulieren. Es ist jetzt an der Staatsanwaltschaft zu ermitteln."