Im Revisionsprozess zu einer Raserei mit tödlichem Ausgang in Frankfurt ist ein 24-Jähriger zu fünf Jahren Haft verurteilt worden: Er verursachte mit Tempo 140 am Mainufer einen Unfall, bei dem ein Mann starb. Die Richter werteten dies als Totschlag.

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Das Frankfurter Landgericht hat am Montag in einem Revisionsprozess einen 24-Jährigen wegen eines tödlichen Raser-Unfalls zu fünf Jahren Haft verurteilt. Das Gericht wertete den Unfall als Totschlag. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Autofahrer war im April 2015 mit 140 Stundenkilometern in Frankfurt am Schwanheimer Ufer am Main unterwegs - 70 Stundenkilometer waren erlaubt. Die Fahrt endete an einer Autobahnabfahrt: Er stieß mit dem Wagen eines 43-Jährigen zusammen. Der Mann starb bei dem Unfall.

Verurteilt wegen Totschlags

Der Fall des 24-Jährigen wurde abermals vor der Jugendstrafkammer verhandelt - zum Unfallzeitpunkt war der junge Mann erst 20. Damit hob das Gericht das Strafmaß gegenüber einem ersten Urteil im Dezember 2016 an, als der Raser wegen fahrlässiger Tötung zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt worden war. Gegen diese Entscheidung hatte die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt. Sie forderte sechs Jahre und neun Monate Haft für den Angeklagten.

Der heute 24-Jährige raste laut Urteil die zweispurige Uferstraße entlang und überfuhr dabei zwei rote Ampeln. Die eine Ampel habe bereits sieben Sekunden lang rot gezeigt. Sein Freund, der ebenfalls mit einem Auto unterwegs war, hatte dagegen an der Ampel angehalten.

Gericht sieht Reue und Einsicht

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das unterscheidet den Frankfurter vom Berliner Raser-Fall

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Ob es sich bei der Raserei am Mainufer um ein illegales Autorennen handelte, konnten die Richter nicht feststellen. Der Angeklagte bestritt das. Es könne sich auch um typisches jugendliches Imponiergehabe und Kräftemessen gehandelt haben, befand das Gericht. Dennoch sei das Verhalten des Angeklagten besonders rücksichtslos gewesen.

Es sei zwar klar, dass der Angeklagte den anderen Mann nicht habe töten wollen, begründeten die Richter ihr Urteil. Aber er habe sein eigenes Vergnügen ganz klar in den Vordergrund gerückt und die Interessen anderer ganz klar hintan gestellt. Das habe letztlich einen Menschen das Leben gekostet.

Anders als in der ersten Instanz werteten die Richter am Montag die Raserei mit tödlichem Ausgang somit als Totschlag und nicht als fahrlässige Tötung, bescheinigten dem Angeklagten aber echte Reue und Einsicht in seine Tat. Er sei auf dem richtigen Weg. Der Verteidiger des 24-Jährigen kündigte an zu prüfen, ob er gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen werde. Er hatte auf eine Bewährungsstrafe plädiert.

BGH-Entscheidung zu tödlichem Raser-Unfall

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte Anfang März in einem anderen Fall erstmals entschieden, dass ein Autofahrer als Mörder verurteilt werden kann, wenn er als rücksichtsloser Raser einen Menschen tötet. Dabei ging es um einen Fall in Hamburg, bei dem ein Mann betrunken und ohne Führerschein mit bis zu 155 Stundenkilometern in der Innenstadt vor der Polizei geflüchtet war und einen Unfall verursacht hatte. Dabei starb ein Mensch und wurden zwei weitere schwer verletzt.

Richter am Landgericht Hamburg entschieden, dass der Mann den Tod anderer billigend in Kauf genommen habe, und verurteilten ihn wegen versuchten Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Der Bundesgerichtshof billigte das Urteil.