Ein Surfer auf dem Singliser See

Ein ganzes Gewässer zum Schnäppchenpreis. Der Energiekonzern Uniper will den Singliser See bei Borken loswerden und stellt ihn zum Verkauf - im Internet. Anwohner fürchten, dass das beliebte Badegewässer zum Privatsee werden könnte. Dem will der Borkener Bürgermeister entgegenwirken.

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In Frankfurt bekäme man für 4,5 Millionen Euro ein luxuriöses Eigenheim. In Nordhessen könnte man dieser Tage zum gleichen Preis einen ganzen See samt angrenzendem Gelände erwerben. Der nordöstlich von Borken (Schwalm-Eder) gelegene Singliser See steht zum Verkauf. Der derzeitige Eigentümer hat einen Makler mit der Veräußerung beauftragt. Bei den Anwohnern weckt die Nachricht Befürchtungen, dass das beliebte Badegewässer demnächst zum "Privatsee" werden könnte.

Stadt erwartet von Käufer ein Konzept

Über den geplanten Verkauf hatte als erstes die Hessisch/Niedersächsische Allgemeine berichtet. Insgesamt geht es um 139 Hektar See-, Wald- und Wiesenfläche. Nach Angaben des Borkener Bürgermeisters Marcel Pritsch-Rehm (Freie Wähler) hatte der Eigentümer des Sees - der Energiekonzern Uniper - bereits im vergangenen Jahr die Stadt über seine Verkaufsabsichten in Kenntnis gesetzt. Seinerzeit sei allerdings verabredet worden, dass zunächst ein Konzept zur touristischen Entwicklung des Sees erarbeitet werden soll, so Pritsch-Rehm. Nun scheint die Konzernleitung allerdings schnell Nägel mit Köpfen machen zu wollen.

Wird also der bei Badegästen und Surfern beliebte See bald zum Privatgewässer? "Theoretisch" sei dies schon möglich, erklärte Bürgermeister Pritsch Rehm gegenüber hr3. Allerdings glaube er nicht daran, dass Uniper "verbrannte Erde" hinterlassen wolle. Die Stadt - die derzeit die Nutzungsrechte am Singliser See innehat - erwarte, dass der Käufer nicht nur Geld mitbringe, sondern auch "ein Konzept, in dem die Interessen der Gemeinde berücksichtigt werden".

Bürgermeister führt Gespräche mit Interessenten

Einen Erwerb des Sees durch die Stadt Borken hält Pritsch-Rehm allerdings für äußerst unwahrscheinlich. Die Gemeinde Borken operiert derzeit mit einem Nothaushalt. Freiwillige Investitionen der Gemeinde sind nur möglich, wenn das zuständige Regierungspräsidium in Kassel diese genehmigt. Und selbst dann müsste die Kommune die 4,5 Millionen Euro erst einmal auftreiben, gibt Bürgermeister Pritsch-Rehm zu bedenken.

Der Borkener Bürgermeister setzt statt dessen auf Privatinvestoren. Einer oder mehrere könnten nach Vorstellung Pritsch-Rehms den See erwerben und weiterhin eine öffentliche Nutzung gestatten: "Wir würden kein öffentliches Geld einsetzen, würden aber trotzdem für die Öffentlich noch die Fläche zur Verfügung stellen und weiter entwickeln." Man sei bereits mit mehreren potenziellen Käufern im Gespräch, betonte Pritsch-Rehm.

Bereits in den vergangenen Jahren hat sich die Stadt um die Entwicklung des Singliser Sees bemüht. So gibt es am See inzwischen neben mehreren Badestellen auch eine Tauchstation sowie einen Tierbadestrand. Der am Singliser See beheimatete Surfclub zählt mehrere hundert Mitglieder.

Sendung: hr3, 9.7.2019, 17.45 Uhr