Eine Taube wird per Hand gefüttert

Das Taubenfüttern wollte eine Rentnerin aus Fulda nicht lassen. Deswegen summierten sich Bußgelder im fünfstelligen Euro-Bereich. Vor Gericht gab sie sich nun einsichtig und fand eine milde Richterin.

Eine selbsternannte Tierschützerin, die mit dem in Fulda verbotenen Taubenfüttern einfach nicht aufhören wollte, ist in einem Prozess mit einer vergleichsweise geringen Strafe davongekommen. Die 66 Jahre alte Rentnerin hatte ein Dutzend Bußgeldbescheide angehäuft. Im schlimmsten Fallen hätte sie bis 12.000 Euro zahlen müssen. Doch letztlich kam der Betroffenen ihre Tauben-Liebe nicht sonderlich teuer zu stehen.

Das Amtsgericht Fulda verurteilte sie am Mittwoch lediglich in zwei Fällen. Sie muss nun insgesamt nur 265 Euro zahlen. Die zehn restlichen Verfahren wurden eingestellt. Im Gegenzug nahm die Verteidigung den Einspruch gegen die Bußgeldbescheide zurück.

Rentnerin versichert: Werde keine Tauben mehr füttern

Die Rentnerin hatte zuvor angegeben, seit zwei Jahren keine Tauben mehr gefüttert zu haben. Zudem betonte sie, dass sie das Füttern auch künftig unterlassen lassen werde. Davon ließ sich das Gericht überzeugen und verhängte das milde Strafmaß.

Momentan gibt es kein Gesetz gegen das Taubenfüttern in Deutschland. Jede Kommune kann eigenständig entscheiden, ob sie das Füttern verbietet und wie hoch die Bußgelder sind. In Fulda ist das Füttern der Tauben verboten und wird mit 60 Euro geahndet, bei Wiederholung mit bis zu 1.000 Euro.

Betroffene argumentierte mit Tierschutz

Vor dem Prozess hatte die Frau die Bußgelder nicht beglichen und gegen jeden einzelnen Einspruch erhoben. Im Prozess begründete die Frau, dass sie als Tierschützerin helfen wolle, damit die Tiere versorgt werden und nicht verhungern.

Die Stadt sah das aber anders: Die Sachbearbeiterin vom Ordnungsamt argumentierte, das kiloweise ausgestreute Tierfutter und der Taubenkot würden zu starken Verunreinigungen führen.

Verteidiger hält flammendes Plädoyer

Der auf Tierrecht spezialisierte Anwalt der Betroffenen hielt vor Gericht ein flammendes Plädoyer für seine Mandantin und den Tierschutz. Er sagte, der Betroffenen gebühre hohe Anerkennung, weil sie den Tieren in ihrer Not geholfen habe. Denn die Nothilfe für Tiere sei ein Schutzgut der Allgemeinheit. Deshalb würde er die Frau am liebsten für das Bundesverdienstkreuz vorschlagen.

Bereits im Vorfeld des Prozesses hatte der Anwalt Beschwerde beim Verwaltungs- und  Bundesverfassungsgericht eingereicht. Er sagt, Urteile gegen Taubenfütterer verletzten das Verfassungsrecht. Nun will er abwarten, wie die Gerichte entscheiden.

Sendung: hr4, 2. September 2020, 12.45 Uhr