Bohrer von Fuldaer Studenten für Tunnelbau-Wettbewerb

Es war eine "spinnerte Idee", wie ihr Maschinenbau-Professor sagt. Dann "eskalierte" es und wurde ein Mega-Projekt: Fuldaer Studenten messen sich bei einem von Tesla-Gründer Elon Musk ausgelobten Tunnelbau-Wettbewerb mit der Weltelite. Für eine Generalprobe bleibt keine Zeit.

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"Dirt Torpedo" heißt ihr ganzer Stolz. Und an dem guten Stück wird in diesen Tagen in Fulda eifrig getüftelt und geschraubt. Maschinenbau-Studenten setzen Teile ihrer eigens kreierten Tunnel-Bohrmaschine zusammen. Bisher existierte die Konstruktion nur im Computer. Nun wächst sie Stück für Stück in der Montagehalle eines Industrie-Unternehmens.

Von der Form her erinnert der Riesenbohrer tatsächlich an einen Torpedo. Wenn er fertig ist, wird er etwa vier Meter lang sein und einen Durchmesser von rund 60 Zentimetern haben. In ein paar Wochen wird das zwei Tonnen schwere Gerät dann in die USA geflogen. Dort nehmen im September drei osthessische Maschinenbau-Studenten mit sieben Team-Mitgliedern an einem Tunnelbau-Wettbewerb teil.

Ziel: Schneller als eine Schnecke sein

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fuldaer Studenten montieren Tunnelbaumaschine für Finale von Erfinder-Wettbewerb in den USA

Fuldaer Studenten mit Tunnelbau-Maschine im Finale von Erfinder-Wettbewerb in den USA
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Den Contest hat Tesla-Gründer und Elektromobilitäts-Pionier Elon Musk ins Leben gerufen hat. Er animierte internationale Nachwuchforscher, ihre Ideen einzubringen. Die Aufgabe: Den meist langsam vorangehenden Tunnelbau beschleunigen und dabei die hohen Kosten senken. Das Ziel: Schneller zu sein als eine Weinbergschnecke, die drei Meter pro Stunde schafft.

Die Fuldaer Forscher glauben mit mindestens 5,4 Metern pro Stunde fast doppelt so schnell sein zu können, wie sie bereits im März bei der Vorstellung des Projekts erklärten.

Mehr Tunnel für mehr Fläche

Musk will den Tunnelbau revolutionieren. Seine Vision: Straßennetze unterirdisch erweitern und oberirdisch den Flächenverbrauch reduzieren. Er denkt über Tunnel auf mehreren Ebenen nach - nicht nur für Autos, sondern auch für den Frachtverkehr, Fußgänger und die Energieversorgung.

Maschinenbau-Student Daniel Klassen sitzt an einem Computer vor dem Entwurf der Tunnelbaumaschine

Rund 400 Konzepte wurden im Wettbewerb eingereicht. 12 Teams schafften es ins Finale. Mit von der Partie sind die aus der Region Fulda stammenden Studenten Adrian Fleck, Daniel Klassen (beide 22) und Martin Will (24) sowie weitere Kommilitonen. Sie studieren an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW).

"Dann ist es irgendwie eskaliert"

Im September 2020 suchten sie eigentlich nur ein spannendes Thema für eine Studienarbeit. Im Internet stießen sie auf den Wettbewerb "Not-A-Boring Competition", der sich alles andere als langweilig erweist. "Dann ist es irgendwie eskaliert", beschreibt Klassen trocken. Oder positiver ausgedrückt: Das Projekt hat sich gewaltig gut entwickelt.

Die Studenten haben Sponsoren und Unterstützer gefunden. Der "Dirt Torpedo" hat mittlerweile ein Finanz-Volumen von 400.000 Euro. Allein die Herstellung des Prototyps ist 300.000 Euro schwer. Teamchef Adrian Fleck sagt: "Der Nachwuchs-Wettbewerb, bei dem wir es nun bis ins Finale geschafft haben, ist die Champions League. Und wir wollen oben mitspielen."

Unter die Top drei wollen die Fuldaer schon kommen. Aber die Konkurrenz besteht auch nicht gerade aus Feierabend-Bastlern. Forscher-Teams aus der Schweiz, Großbritannien und einige aus den USA sind dabei, etwa vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), der größten Technik-Universität der Welt, und von der ETH Zürich. Dass die Eidgenossen Tunnel bauen können, ist bekannt. Aus Deutschland ist die TU München vertreten.

Showdown in der Hitze der Mojave-Wüste

Gewinner ist, wer am besten einen 30 Meter langen Tunnel mit einem Durchmesser von einem halben Meter graben kann. Durch die Röhre soll dann ein Mini-Tesla ferngesteuert werden. Ort des großen Showdowns am 12. September ist die Mojave-Wüste zwischen Las Vegas und Los Angeles.

Tunnelbau-Maschine von Fuldaer Studenten wird für Final-Wettbewerb in den USA montiert

Genau hierin besteht eines der Probleme: die Hitze. "Dort werden es 40 bis 50 Grad heiß. Deshalb müssen wir für unsere Konstruktion teure Spezial-Komponenten verwenden", erklärt Fleck. Besondere Beachtung bedarf auch der Steuerung. "Die Elektronik ist sehr sensibel. Wir müssen vorsichtig sein, dass durch Hitze und Sand nichts beschädigt wird."

Der "Dirt Torpedo" made in Fulda soll eine Art Multitasking-Talent werden. Denn er wühlt sich nicht nur durchs Erdreich wie ein Wurm. Der Schutt wird auch wie in einer Pfeffermühle zerkleinert und durch eine Art Staubsauger nach hinten befördert. Außerdem betoniert die Maschine die Tunnelröhre gleich mit und verhindert so ein Einstürzen.

Für die Generalprobe reicht die Zeit nicht

Ob und wie es klappt, werden die Nachwuchs-Forscher erst im heißen Wüstensand erleben. Denn eine Generalprobe mit allem drum und dran können sie nicht machen. "Der Zeitplan ist zu eng. Aber die Einzelsysteme werden wir schon probieren, haben sie auch doppelt und dreifach abgesichert", sagt Adrian Fleck zuversichtlich.

Maschinenbau-Professor Gangolf Kohnen

Begleitet wird das Projekt nicht nur von Sponsoren, Firmen und Branchen-Experten, sondern auch von Gangolf Kohnen. Er ist Maschinenbau-Professor an der DHBW Mosbach. Der Experte für virtuelles Ingenieurswesen freut sich über den Forscher-Geist und die Initiative seiner Studenten. "Dass sie bis ins Finale gekommen sind und sich mit der Weltelite messen, ist großartig. Es ist schon ungewöhnlich, was aus einer spinnerten Idee so alles werden kann."

Sendung: hr4, 01.07.2021, 15.30 Uhr