Ein verunfalltes Auto liegt auf dem Dach mitten in der Straße.

Innere Stimmen sollen ihm befohlen haben, immer schneller zu fahren: Nach einem Raser-Unfall mit zwei Toten im Stadtteil Sachsenhausen steht ein 39-Jähriger vor dem Frankfurter Landgericht. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie.

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Audioseite Prozess um Raser-Unfall mit zwei Toten

Rettungsdienst-Mitarbeiter an der Unfallstelle in Frankfurt
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Mit rund 100 Stundenkilometern raste der Beschuldigte laut Ermittlungen am 13. Februar dieses Jahres mit seinem Wagen über die Mörfelder Landstraße im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. An einer Kreuzung nahe dem Südbahnhof überholte er mehrere an einer roten Ampel wartende Autos und erfasste zwei 31 und 40 Jahre alte Fußgänger, die die Straße bei Grün überqueren wollten. Beide wurden bei dem Aufprall getötet, eine weitere Fußgängerin entging einem Zusammenstoß nur knapp.

Schizophren und allgemeingefährlich

Seit Dienstag muss sich der 39 Jahre alte mutmaßliche Unfallverursacher vor dem Landgericht verantworten. Der Mann soll auf Antrag der Staatsanwaltschaft dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht werden. Er leide unter einer paranoiden Schizophrenie und gilt als gefährlich für die Allgemeinheit, teilte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen mit. Der Mann habe bei seiner Vernehmung von intensiven Stimmen gesprochen, die ihm befohlen hätten, schneller und schneller zu fahren. Auf den übrigen Verkehr habe er dabei keine Rücksicht nehmen können, so Niesen.

Der aus Darmstadt stammende Mann wurde bei dem Unfall selbst schwer verletzt. Er verlor nach dem Zusammenprall die Kontrolle über seinen Peugeot, prallte gegen einen geparkten Wagen und überschlug sich mit seinem Auto. Trotz seiner schweren Verletzungen habe er sich selbständig aus dem Wrack befreit und versucht, vom Unfallort zu flüchten. Passanten konnten dies verhindern und ihn der Polizei übergeben.

Urteil noch im November

Am ersten Verhandlungstag wurde lediglich die Antragsschrift der Staatsanwaltschaft verlesen. Der Beschuldigte äußerte sich noch nicht zu dem zweifachen Totschlagsvorwurf, weil sein Verteidiger verhindert war und lediglich einen Vertreter geschickt hatte. Die Schwurgerichtskammer hat vorerst fünf weitere Verhandlungstage bis Ende November terminiert. Im Mittelpunkt der Beweisaufnahme wird das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen stehen. Rechtlich geht die Anklage von zweifachem Totschlag sowie einem verbotenen Autorennen aus.

Im November 2020 hatte ein Autofahrer im Frankfurter Ostend einen ähnlich schweren Unfall verursacht. Auch damals starben zwei Menschen. Gegen den Raser wurde Mordanklage erhoben.

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