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Fußgänger absichtlich überrollt: Sechs Jahre Haft

Blick von oben aufs Frankfurter Bahnhofsviertel, wo Taunus- und Elbestraße sich treffen

Aus Ärger darüber, dass dieser ihn mit seinem Handy filmen will, überfährt ein 22-Jähriger im Frankfurter Bahnhofsviertel einen Fußgänger. Das Opfer sitzt seitdem im Rollstuhl. Nun ist der Täter zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Nachdem er vor rund einem Jahr einen Fußgänger im Frankfurter Bahnhofsviertel mit seinem Auto überrollt hat, ist ein Mann zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Frankfurt befand den 22-Jährigen aus dem bayerischen Landkreis Augsburg am Donnerstag unter anderem des versuchten Totschlags und der schweren Körperverletzung für schuldig und zog das beschlagnahmte Fahrzeug - einen SUV - ein.

"Tragisches Ende einer Spritztour"

Der Vorsitzende Richter sprach in der Urteilsbegründung von dem "tragischen Ende einer Spritztour", die der Angeklagte am Karfreitag 2021 von seinem Heimatort im Landkreis Augsburg nach Frankfurt unternommen habe. Kurz nach Mitternacht hatte er sich demnach im Bahnhofsviertel der Mainmetropole über das spätere Opfer geärgert, das ihn fotografieren wollte, als er entgegen der Fahrtrichtung durch eine Einbahnstraße raste.

Mit fünf bis zehn Stundenkilometern fuhr er daraufhin auf den 53-Jährigen zu, der schließlich von dem schweren Fahrzeug überrollt wurde. Der Mann ist seit dem Vorfall auf einen Rollstuhl angewiesen.

Mordabsicht verneint

Vor Gericht hatte der Angeklagte ein Geständnis abgelegt. Er habe darauf gehofft, dass der Fußgänger rechtzeitig zur Seite gehen werde. Die Richter gingen gleichwohl von einem bedingten Tötungsvorsatz aus, der Bremsweg hätte nur 12 bis 48 Zentimeter betragen. Anhaltspunkte für einen versuchten Mord sah das Gericht nicht. Das Opfer sei nicht "arg- und wehrlos" gewesen, sondern habe sich in einer "offenen Auseinandersetzung" mit dem Angeklagten befunden.

Die Staatsanwaltschaft war noch von einem Mordversuch aus Heimtücke ausgegangen und hatte deshalb acht Jahre Haft beantragt. Strafmildernd wurde vom Gericht unter anderem die Zahlung von 10.000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer gewertet. Nachteilig wurden dem Angeklagten die massiven dauerhaften Folgen für das Opfer angerechnet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung hatte auf eine Bewährungsstrafe plädiert.

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