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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Feuerwehrauto Emma ist jetzt ein Ausstellungsstück

Altes Nieder-Wöllstädter Feuerwehrauto Emma

Generationen von Nieder-Wollstädtern wuchsen mit dem bald vier Jahrzehnte alten Feuerwehrauto "Emma" auf. Auch nach seiner Ausmusterung können sie nicht von ihm lassen. Um es in der Gemeinde zu halten, gründete sich eigens ein Verein.

Emma ist etwas Besonderes, wie Joachim Schnabel betont. Der Feuerwehrmann hängt wie viele im Wöllstädter Ortsteil Nieder-Wöllstadt (Wetterau) an dem Feuerwehrauto, dem sie sogar einen Kosenamen gegeben haben, angelehnt an die Lok aus Michael Endes berühmter Geschichte um Lukas, den Lokomotivführer. 38 Jahre lang war das Fahrzeug im Einsatz, deutlich länger als die üblichen 20 Jahre. Zuletzt machten sich jedoch auch bei der starken Emma das Alter und damit der Verschleiß bemerkbar.

Aber Emma einfach verschrotten? Das kam für Joachim Schnabel, der die Interessengemeinschaft (IG) Emma mitbegründete, nicht infrage. Weltweit gebe es nur noch ein Dutzend Exemplare dieses Modells, sagt er. Und ihre Emma sei einfach Kult in und um Nieder-Wöllstadt. Ganze Generationen in der Gemeinde seien groß geworden mit ihr.

Über Jahrzehnte gut gepflegt

Von außen sieht man Emma ihr Alter eher nicht an. In frischem Rot erstrahlt sie. Sie ist etwas kantiger als moderne Feuerwehrautos, hat eckige Scheinwerfer. Nur am alten Löschschlauch ist der Lack ab. Die Feuerwehrleute haben sich über Jahrzehnte gut um Emma gekümmert. Beim Einsteigen sieht man das Alter dann aber doch. Die Einstiegsleiter hoch in die Kabine ist sehr schmal. Der blaue plüschige Fahrer- und Beifahrersitz und die ledernen Sitze für die Mannschaft sind abgenutzt.

Auch sonst wirkt es in der Kabine eher historisch. Ein großes Lenkrad ohne Servounterstützung, viele Schalter und Hebel, keine Spur von heutiger Elektronik und nichts von dem Komfort moderner Fahrzeuge. Wenn Emma angelassen wird, röchelt und hustet sie erst, dann brummt sie mit ihrem lauten V6-Dieselmotor. Dabei wackelt das Auto sichtlich rings um den seitlichen Auspuff.

Vom Feuerwehrfahrzeug zum Liebhaber-Objekt

Emma hört man aufgrund ihres alten Dieselmotors schon von weitem nahen - und eher als das Martinshorn. Viele im Ort seien regelmäßig am Fenster gestanden, wenn die alte Dame ausrückte, erzählt Joachim Schnabel. Für die Nieder-Wöllstädter war es deswegen vollkommen logisch, dass das Feuerwehrauto der Gemeinde nicht abhanden kommen darf, auch wenn jetzt ein neueres Modell zum Einsatz kommt.

Altes Nieder-Wöllstädter Feuerwehrauto Emma

Also gründeten Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, die vor kurzem noch damit ihre Einsätze fuhren, die IG Emma - LF16 (für Löschfahrzeug 16) Nieder-Wöllstadt. Schnell kamen auch andere aus dem Ort dazu, die nicht der Feuerwehr angehören. Mittlerweile hat der eingetragene Verein fast 50 Mitglieder. Er übernahm das alte Feuerwehrauto Anfang September für kleines Geld von der Gemeinde, rettete es vor der drohenden Verschrottung und verpflichtete sich, Emma zu pflegen und zu hegen.

Ein Mitglied des Vereins räumte einen ehemaligen Stall auf seinem Anwesen frei, damit Emma dort einen Stellplatz findet. Doch nur irgendwo rumstehen soll sie nicht.

Große Pläne für das alte Auto

Dem Verein ist es wichtig, dass Emma auf ihre alten Tage nicht vergessen wird. Sie soll regelmäßig an Paraden und Oldtimer-Treffen teilnehmen. Die Kollegen aus Karben und Rosbach vor der Höhe mit ihren alten Feuerwehrautos nahmen die IG Emma in ihren Kreis auf. Zusammen mit den anderen alten Eisen soll Emma ein Publikumsmagnet bleiben.

Dass sie das Zeug dazu hat, zeigte sich zum Beispiel am Mittwochnachmittag auf dem Marktplatz in Nieder-Wöllstadt. Die IG Emma parkte ihren Liebling aus Blech am Rande des Wochenmarkts, und schon standen jede Menge Marktbesucher um sie herum. Etliche Kinder eroberten das alte Auto als großes Spielgerät. Wann kann man schon mal in einem Feuerwehrauto sitzen? Das fragte eine Mutter mit einem Lächeln im Gesicht, während ihr zweieinhalbjähriger Sohn die hohen Treppenstufen hochkletterte und sich sichtlich wohl fühlte.

Spielen auf Emma ist ausdrücklich erlaubt

Spielen sei bei Emma unter Aufsicht ausdrücklich erlaubt, sagt Joachim Schnabel. Auch die zukünftigen Generationen sollten wissen, dass dieses Feuerwehrauto etwas Besonderes sei. Es sei ein erhabenes Gefühl, hoch oben auf den alten Sitzen, umgeben von vielen Hebeln und Knöpfen. Wenn dann noch der Motor läuft und die allerdings nicht gerade stickstofffreien rußigen Abgase aus dem Auspuff dampfen, wisse jeder: Emma ist da.

Sendung: hr4, hessenschaureport, 18.09.2019, 6.30 Uhr